Aachen - Künstlerin Ursula Spinner-Cerutti mit 85 Jahren verstorben

Künstlerin Ursula Spinner-Cerutti mit 85 Jahren verstorben

Von: Ingrid Peinhardt-Franke
Letzte Aktualisierung:
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Im Alter von 85 Jahren gestorben: die Aachener Künstlerin Ursula Spinner-Cerutti. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die große alte Dame der Aachener Kunstszene lebt nicht mehr. Ursula Spinner-Cerutti verstarb am 9. Juli im Alter von 85 Jahren. Sie hinterlässt neben einer großen Familie ein umfangreiches, vielseitiges und vielschichtiges Werk aus rund sechs Jahrzehnten.

Bereits als Kind beschäftigte sie sich in ihrer Heimatstadt Zürich intensiv mit Kunst und wurde von ihrem Großvater künstlerisch unterrichtet. Später machte sie die Kunst zu Beruf und Berufung. Nach ihrem Studium der Anglistik und Germanistik in Zürich promovierte sie zum Thema Sinn und Gegensinn, das sie in ihrer Verbundenheit der Gegensätze nie wieder losließ.

Mitte der sechziger Jahre kam sie mit sie ihrem Ehemann, dem Anglistik-Professor Kaspar Spinner, der einen Ruf an die RWTH erhalten hatte, nach Aachen. Sie zog vier Kinder groß und lernte die damalige Aachener Kunstszene kennen. Bereits Anfang der siebziger Jahre stellte sie in der frisch eröffneten Neuen Galerie bei Wolfgang Becker aus, der sie mit ihren genähten bunten Bildern dem Aachener Publikum bekannt machte.

Der textilen Pop Art folgten schon bald andere Werke. Collagen, Trash Art, Objekte, Malerei und meist dem Expressionismus nahe Lyrik bildeten einen außergewöhnlichen und einzigartigen Kosmos von Kunst, der mit den Jahren zum wichtigsten Lebensraum von Ursula Spinner-Cerutti wurde, in dem sie zurückgezogen arbeitete.

Keine Harmonie

Harmonie gab es für sie nicht, nur das Wirken antagonistischer Kräfte. Ihre künstlerische Aufgabe sah sie in der Arbeit am und im Hier und Jetzt, Vergangenheit und Zukunft waren nicht (mehr) greifbar. Unter die Haut geht ihre Lyrik. 2011 schreibt sie 82-jährig „Mein Gral“: „Gib mir den Farbfleck, den Schatten vom Wind, den Herzschmerz, den Spatz in der Hand, sprich das Wort, zeig mir den Ort, wo ich das Ding, das da ist, finde…….“ In einem anderen Gedicht berichtet sie von ihrem Leben in „Laurenshill“ und formuliert eine Bitte: „Mein letzter Wunsch, eine Kammer im Kunsthimmel.“

Das Frauenmuseum in Bonn wurde wiederholt für sie und ihre beiden ebenfalls kunstschaffenden Töchter Christine Willms und Franziska Spinner zum Ausstellungsort, erst in den letzten Jahren war sie zunehmend in Aachen präsent.

Ganz große Aufmerksamkeit fanden im letzten Herbst ihre eindringlichen, leuchtend farbigen Gemälde, die an zahlreichen markanten Stellen in der Stadt auf Werbeflächen zu sehen waren.

Erst vor wenigen Monaten stellte sie gemeinsam mit ihrer Tochter Christine Willms und Theo Ramrath in den Aachen-Arkaden aus. Zu sehen ist hier derzeit auch in der großen Karlsjahr-Ausstellung „Art meets Karl“ eine Arbeit, die auf eine Züricher Karlslegende zurückgeht.

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