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Kritischer Blick auf alles, was knallt

Von: Margot Gasper
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Wer Feuerwerk verkaufen will,
Wer Feuerwerk verkaufen will, muss das bei der Bezirksregierung anzeigen. Gestern schaute Simone Vogt (rechts) auch im Kaufhof in Aachen zur Kontrolle Foto: Heike Lachmann

Aachen. Simone Vogt interessiert sich für alles, was knallt, zischt und Funken sprüht. Allerdings sucht die 34-Jährige nicht nach Chinaböllern und Raketen fürs private Silvesterfeuerwerk.

Die Gewerbeaufsichtsbeamtin kontrolliert im Auftrag der Bezirksregierung - Dezernat 55, Sprengstoffrecht - Lagerung und Verkauf von Feuerwerksraketen. Donnerstag war sie in Aachen unterwegs.

Der 29. Dezember ist in diesem Jahr der erste Verkaufstag fürs Silvesterfeuerwerk. Entsprechend groß ist der Andrang. Im Kaufhof hat Geschäftsführer Günther Knie auch in der „Mall”, am Ausgang zur Reihstraße, einen Verkaufsstand aufbauen lassen. Den nimmt Simone Vogt genau unter die Lupe. Zu beanstanden hat sie nichts. Bis hin zu den Feuerlöschern ist alles tipptopp. Die Registrierkasse erinnert das Personal sogar bei jedem einzelnen Artikel daran, nach dem Alter der Käufer zu fragen. Schließlich darf man Pyrotechnik der Kategorie 2 erst mit 18 Jahren kaufen.

Bis zu 70 Kilo Netto-Explosivmasse erlaubt die aktuelle Verordnung des Sprengstoffgesetzes auf den Verkaufstischen. Da könnte ordentlich was draufgepackt werden. Die Menge erreicht der Kaufhof bei weitem nicht. „Wir lassen lieber immer wieder Ware nachfüllen”, erklärt Abteilungsleiterin Nadine Stolp. Immer beliebter werden die großen Verbundfeuerwerke. Da hält man ein Streichholz an die Lunte und kann dann entspannt zusehen, wie die kleine Kiste Rakete um Rakete in den Himmel feuert. „Solche Batterien dürfen nach der neuen Verordnung bis zu 500 Gramm Explosivstoffmasse enthalten”, erklärt Simone Vogt.

Sie überprüft auch stets die Lagerung der Feuerwerkskörper. C&A-Geschäftsführer Louis Jaspers hats da komfortabel. Sein Haus steht auf einem alten Weltkriegsbunker. Da unten sind die Wände sogar noch weitaus dicker als vorgeschrieben. Auch das Bekleidungshaus hat vor Silvester Feuerwerk im Sortiment. „Da kann man an drei Tagen ein gutes Geschäft machen”, erklärt Jaspers.

Immer weniger Mängel fallen auf

In einem Drogeriemarkt sind die Regale nachmittags schon fast leergekauft. Simone Vogt vergewissert sich, dass das Personal weiß, wie der Feuerlöscher funktioniert, und überreicht eine Infobroschüre zum Umgang mit Silvesterfeuerwerk.

Zu beanstanden ist übrigens immer weniger. 2003 stellten die Kontrolleure in 36 Prozent der Betriebe, die im Regierungsbezirk stichprobenartig besucht wurden, Mängel fest. 2010 lag die Zahl der Mängel bei unter fünf Prozent. Vogt führt das auch auf die intensive Informationspolitik ihrer Behörde zurück.

In einem Discounter hat die Expertin aus Köln an Verkaufsstand und Lagerung nichts auszusetzen - wohl aber am Notausgang unten im Keller. Die Tür ist nämlich mit Bananenkartons fast völlig zugestellt. Den Turm lässt Simone Vogt umgehend wegräumen. Der Mangel wird dokumentiert und an die Kollegen weitergeleitet, die für die Sicherheit der Arbeitsstätten verantwortlich sind. Und in der Kontrollbilanz der Bezirksregierung für 2011 wird der beanstandete Notausgang in die Liste der Mängel eingehen. Zum Abschluss ihrer Aachen-Tour schaut Simone Vogt dann noch bei einem Supermarkt vorbei. Die Filiale hat bei der Bezirksregierung erstmals einen Zeltverkauf für Feuerwerkskörper angemeldet. Den will sich die Expertin lieber genauer anschauen.

Gerade in der Grenzregion um Aachen sind auch nicht zugelassene Feuerwerkskörper ein Thema. „Wir finden immer wieder illegales Feuerwerk”, berichtet Vogt. „Meist wird das Zeug aus Belgien eingeschmuggelt.” Wer erwischt wird, muss mit einer drastischen Strafe rechnen. In Kerpen entdeckten Sprengstoffexperten der Bezirksregierung kürzlich ein illegales Pyrotechnik-Lager - mitten in einem Wohngebiet.

Mit Silvesterfeuerwerk haben Simone Vogt und ihre Kollegen nur in den Wochen vor Neujahr zu tun. Sprengstoff aber beschäftigt sie das ganz Jahr über. Sie beraten und kontrollieren Firmen, die mit Sprengstoff arbeiten, und das nicht nur in Steinbrüchen.

Jedes professionelle Feuerwerk das bei einem Fest abgebrannt wird, ob beim Öcher Bend oder beim Rurseefest in der Eifel, wird ebenfalls von der Bezirksregierung kontrolliert. An Silvester allerdings gehört Simone Vogt zu denen, die keine Raketen in den Himmel jagen. „Ich hab das ganze Jahr über Feuerwerk”, lacht sie.
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