„Krise kein Freifahrtschein für Arbeitgeber”

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. 111 Delegierte der Gewerkschaft NGG waren zur Delegiertenversammlung in die Agit gekommen, die Schnapszahl passt durchaus zum Branchenmix der Gewerkschaft Nahrung, Genuss und Gaststätten.

Kompetenter Besuch aus Hamburg kam mit Claus-Harald Güster, er ist stellvertretender Bundesvorsitzender und sprach in Aachen nicht nur, um einem gut organisierten Bezirk die Ehre zu erweisen.

Themen wie Mindestlohn und die Durchsetzbarkeit anstehender Tarifabschlüsse in den Bereichen „Süßwaren” und bei „Obst und Gemüse” standen ebenso auf der Tagesordnung wie die taktische Aufstellung der Gewerkschaften angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Die Region, das erklärte Güster gegenüber den „Nachrichten”, wird bei der anstehenden Tarifauseinandersetzung - es geht Ende März los mit den Süßwarenbetrieben, von denen in Aachen bekanntlich sogar Marktführer ihren Sitz haben - mit Schwerpunktaktionen der NGG, die hier Lohnabschlüsse von sieben Prozent fordert. Denn zum 31. März laufen hier die Tarifverträge aus, eine erste Verhandlungsrunde tagt am 24. März.

Bei den Betrieben des Fachbereichs „Obst und Gemüse” wird man sich am 21. April treffen. Güster warnte durchaus mit Selbstbewusstsein vor möglichen Mitnahmeeffekten der Unternehmerschaft in der Krise.

„Die Mitarbeiter in den Betrieben”, so der stellvertretende Bundesvorsitzende, „sind heutzutage dreifach bedroht.” Neben dem aktuellen Druck des Arbeitsplatzverlustes kämen von Arbeitgeberseite Tarifabschlüsse auf den Tisch, die Lohneinbußen bedeuteten. Dazu kämen eventuell drohende Kurzarbeit und immer höhere Steuern.

„Das alles darf kein Freifahrtschein für die Arbeitgeber sein”, wehrte sich Güster. In der Arbeitnehmerschaft sei jetzt extrem zu spüren, dass die Kolleginnen und Kollegen nicht länger Lust hätten, sich für die eklatanten Managerfehler und die allgemeine Gier auf den Finanzmärkten in die Pflicht nehmen zu lassen.

Im Gegenteil: Die Stärkung der Binnennachfrage und Konsumsteigerung durch höhere Löhne und Gehälter sei das probate Mittel. „Kurzsichtige Kostensenkungsprogramme zu Lasten der Beschäftigten wird die Gewerkschaft NGG nicht zulassen”, erklärte Güster vor den Aachener Delegierten.

Die hatten sich am Morgen bei drei Enthaltungen und einer Gegenstimme für die Einführung von Mindestlöhnen ausgesprochen. Gerade im Dienstleistungsbereich, besonders im Hotel- und Gaststättenbereich, liege hier vieles im Argen, stellten die Gewerkschafter fest.
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