Krippen mit viel Liebe zum Detail

Von: Georg Dünnwald
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In der Weihnachtszeit sind all
In der Weihnachtszeit sind alle Krippen von Hermann Jollet natürlich aufgebaut. In der heimischen Garage bastelt der Oberforstbacher derzeit an Vogelhäuschen. Auch die verkauft er für den guten Zweck. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Kinder drücken sich an der Glasscheibe die Nasen platt. Immer wieder entdecken sie etwas neues, etwas besonderes im Föhrenweg in Oberforstbach. Sie staunen wie Bauklötze, wenn sie Hermann Jollets Krippe sehen, die direkt vor seinem Haus hinter Glas steht.

Und die bietet alles, was eine richtige Krippe braucht: das Jesuskind in der Krippe, Maria und Josef, Ochs und Esel, die heiligen drei Könige mitsamt Kamel im Schlepp und die Hirten, die auf dem Feld Schafe hüten sind natürlich auch dabei.

Es gibt aber noch etwas zu bestaunen. Die Oberforstbacher Kirche St. Rochus hat Hermann Jollet über die Krippenszene gestellt. Maßstabsgerecht nachgebaut, das kleinste Detail stimmt außen und innen. Selbst die Lampen an der Kirchendecke sind identisch mit dem großen Vorbild. „Ich kenne den Maßstab nicht genau, ich weiß aber, dass ich zwei Jahre an der Kirche und der Einrichtung gearbeitet habe”, sagt Jollet. Es fehlt nichts, die Kirchenbänke sind sogar verschiebbar. Und der Beichtstuhl und das Taufbecken sind auch vorhanden und stehen an der richtigen Stelle.

Für krebskranke Kinder

Vor dem Gesamtkunstwerk Krippe und Kirche ist ein Opferstock aufgebaut. In dem die Besucher ihren Obolus werfen können. „Und wenn es nur ein paar Cent sind”, wünscht sich Jollet stets. Denn schon seit 30 Jahren sammelt er mit seinen Krippen Geld für einen guten Zweck. Für krebskranke Kinder sei das Geld diesmal bestimmt. „Ich war mal auf der Kinder-Krebsstation im Uniklinikum. Was ich da gesehen habe, hat mich richtig mitgenommen. All die tapferen kleinen Kinder, teilweise mit Glatzen wegen der Chemotherapie, als ich die gesehen habe, war ich regelrecht fertig”, erinnert sich der 80-Jährige sichtbar erschüttert. Deshalb überlässt er das gesammelte Geld dem Chef der Kinder-Krebsklinik, Rolf Mertens, damit der für „ein paar Extras” für die Kleinen sorgen kann.

Als Hermann Jollet vor 30 Jahren zum ersten mal seine Benefizkrippe aufstellte, floss das Geld noch der „Aktion Sorgenkind” zu. Mächtig stolz ist er, dass das ZDF schon zwei Mal bei ihm war und über sein Engagement und seinen Gemeinsinn berichtete.

Das ist aber längst nicht alles, was Jollet tut, um ein bisschen mehr Glanz ins Leben zu bringen. Er baut auch noch weitere Krippen auf, allesamt in Geschäften, etwa in der Oberforstbacher Sparkasse. Sieben biblische Szenen verteilt er in der Stadt, in der Apotheke am Marienhospital beispielsweise steht auch eine. Jede ist handgefertigt, „allerdings kaufe ich die dazu gehörenden Figuren”. Das Aufstellen und der Transport sei schon allerhand Hantier. Da müsse er den geeigneten Parkplatz finden und auch die frommen Sachen zum Ladenlokal, in dem die Weihnachtsgeschichte dargestellt wird, schleppen. „Ich bin ja nicht mehr der Jüngste, aber ich mache es so lange, wie es eben geht”, unterstreicht Jollet bestimmt. Sieben Krippen macht er so der Öffentlichkeit zugänglich. „Natürlich spenden auch die Geschäftsleute für krebskranke Kinder.”

Im Jahr 1982 hat er mit dem Krippenbau angefangen. „Da war im Aachener Rathaus während einer Versammlung die Rede von guten Taten. Nachher habe ich mir überlegt, was ich so machen könnte.” Damals war Jollet noch als Fahrer und Hausmeister im Lourdesheim beschäftigt.

„Schon als junger Spund habe ich alles repariert und einige Sachen selbst gebaut”, erklärt Jollet. Insbesondere Nachbauten von Gebäuden haben es ihm angetan. So können seine Besucher auch original nachgebaute Bauernhöfe bewundern, wo am Toilettenhäuschen nicht mal das ausgesägte Herz auf der Türe nicht fehlt, dazu hängt innen an einem Haken zurechtgeschnittenes Zeitungspapier. „Das wurde früher als Klopapier benutzt”, weiß Jollet. Den Bauernhof - der als Spielzeug für die Enkel gedacht ist - könnte man glatt als Sammlerstück in einem Heimatmuseum ausstellen.

Krippen sind nicht das einzige, was Hermann Jollet für die gute Tat anfertigt. Auch Vogel- und Nisthäuschen schreinert er und verkauft sie. „Die finden reißenden Absatz, vor allem weil die Nisthäuschen so gut zu säubern sind.” Er hat sich nämlich eine Art Schiebedach für diesen Zweck einfallen lassen.

Die Krippe vor seinem Haus und in den Geschäften sind noch bis Ende Januar zu bestaunen. Und nach dem Abbau geht Jollet erneut an die Arbeit und bastelt an Krippen, Vogelhäuschen, Puppenhäuschen und Bauernhöfe.
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