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Krank im Bett, plötzlich ist das Auto weg

Von: Werner Breuer
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Wenn die Stadt eine Baustelle
Wenn die Stadt eine Baustelle einrichtet, dann lässt sie nur eine gewisse Schamfrist verstreichen. Danach werden auch Autos abgeschleappt, die korrekt geparkt wurden. Sperrungen werden 72 Stunden vorher bekanntgegeben. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die Konstellation birgt ein hübsches Konfliktpotenzial: In den Sommerferien werden Baustellen bevorzugt eingerichtet, weil sie etwas weniger stören - viele Leute sind ohnehin im Urlaub. Wenn aber Laternenparker gen Süden fliegen und ihr Auto in Aachen am Straßenrand stehen lassen, kann es ihnen ergehen wie Robert Frantzen...

Dabei war der gar nicht in Urlaub, als sein Wagen abgeschleppt wurde. Der Rentner musste krankheitsbedingt etwas mehr als eine Woche das Bett hüten und wähnte sein Fahrzeug in dieser Zeit korrekt abgestellt: Schumacherstraße, Parkzone H, Anwohnerparkausweis sichtbar hinter der Windschutzscheibe.

Als er nach einer Woche seinen Wagen nicht wiederfand, argwöhnte er folglich einen Diebstahl. „Ich habe bei der Polizei angerufen”, erzählt Frantzen, dort habe er dann erfahren, dass der Wagen abgeschleppt worden sei und bei der Firma Peters auf dem Hof stehe. Drei Tage stand er schon dort, bevor der wieder genesene Senior ihn überhaupt vermisst hatte. So kamen zu den Abschleppkosten auch noch die Standgebühren hinzu, insgesamt musste Frantzen 114 Euro berappen. Und ein Knöllchen wegen Falschparkens gab es obendrein. Dabei hatte Frantzen seinen Wagen in der Schumacherstraße abgestellt, als das noch nicht verboten war. „Aber dann hat man wohl wegen einer Baustelle dort Verbotsschilder aufgestellt.”

Und dann wird eben - nach einer gewissen Schamfrist - abgeschleppt. Axel Costard vom städtischen Presseamt verweist da auf die „Richtlinie zur Sicherung von Arbeitsstellen”. Die besage unter anderem, dass bei solchen Sperrungen 72 Stunden vorher darauf hingewiesen werden muss, ab wann im betroffenen Bereich kein Auto mehr parken darf. Bevor Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes einen Wagen abschleppen ließen, erklärt Costard, würden sie unter anderem auch die fristgerechte Beschilderung überprüfen.

Für Frantzen wäre diese Vorwarnzeit in jedem Fall zu knapp gewesen. „Aber irgendeine Frist muss es schließlich geben, damit Baumaßnahmen überhaupt durchgeführt werden können”, meint Axel Costard. Dafür hat Frantzen auch Verständnis. „Ich bin denen ja nicht böse, weil sie die Parkverbotszone eingerichtet haben”, sagt der Rentner, „aber die hätten doch vorher Bescheid geben können.” Telefonnummer und Adresse seien dem Ordnungsamt von früheren Kontakten her bekannt. „Die hätten anrufen oder klingeln können”, sagt Frantzen, „dann hätte ich den Wagen weggefahren.” Das hält Costard jedoch für „undurchführbar”. Angesichts vieler Baustellen in der Stadt sei das einfach nicht zu leisten. „Wir können nicht alle Leute in einem kompletten Anwohnerparkbereich anrufen.” Wer wissen will, ob womöglich in seiner Abwesenheit an seinem Stammparkplatz gebuddelt würde, könne sich im Internet (http://www.aachen.de/baustellen) über einen Link informieren, welche Baustellen die Stadt, die Stawag oder NetAachen in den nächsten Wochen im Visier haben. Gedacht sei auch an einen Newsletter, in dem über bevorstehende Baumaßnahmen informiert werde.

Auch bei den Gebühren, die zu den Abschleppkosten noch hinzukommen, sieht Costard keinen Spielraum für städtisches Entgegenkommen. „Die decken nur den Aufwand ab, den wir tatsächlich haben”, erklärt er, „da entstehen schließlich Personalkosten.” Und bevor jemand sich Böses dabei denkt, betont Costard: „Wir verdienen nichts an solchen Abschleppungen.” Die Arbeitsstellensicherungsrichtlinie habe sich auch nicht die Stadt ausgedacht, sondern das Bundesverkehrsministerium.

Vielleicht hat sich dort niemand die Frage gestellt, die Robert Frantzen nun bewegt: „Was ist denn, wenn man in Urlaub fährt - muss man sein Auto dann anderswo unterbringen?” Eine Idee hätte Robert Frantzen da schon: „Am besten beim Peters, der weiß ja, wie das geht.”
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