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Kraemer: „Wir stehen nicht am Abgrund”

Von: Achim Kaiser
Letzte Aktualisierung:
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Das Luftbild zeigt den neuen Tivoli kurz nach der Eröffnung im Sommer. Doch die Baustellen rund um das schmucke Stadion sind auch rund fünf Monate später nicht wirklich weniger geworden. Die Geschäftsstelle befindet sich noch im Bau, und die Trainingsplätze auf dem Parkhaus sind auch noch nicht installiert. Foto: Günter Paulsen

Aachen. „Wenn man die Diskussionen über die Alemannia in den letzten Tagen hört und liest, könnte der Eindruck entstehen, wir stünden finanziell am Abgrund. Dem ist nicht so”, betont Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer.

Natürlich habe auch er gehofft, dass „wir uns eine zusätzliche bessere Ertragslage geschaffen hätten”. Aber die Finanzkrise sei ja auch nicht wie ein Gewitter 500 Kilometer am Tivoli vorbeigezogen. Zudem beschere der neue TV-Vertrag der Alemannia weniger Einnahmen als in den Jahren zuvor. Und nicht zu vergessen: „Das bisherige tabellarische sportliche Abschneiden der Mannschaft hat keine positiven Spuren in der Kasse hinterlassen”, so Kraemer.

Dennoch: „Keine einzige Gehaltszahlung kam in den letzten Jahren verspätet bei unseren Mitarbeitern an. Fakt ist auch, dass der Alemannia durch die Nebenkosten des Stadionbaus Geld fehlt, das eigentlich in Projekte wie den Bau neuer Trainingsplätze und des Werner-Fuchs-Stadions gesteckt werden sollte”, erläutert Kraemer.

Auf die Jugend setzen

Und da die Alemannia sich aus der Abhängigkeit von Fremdumsätzen lösen will, denke man um und setze nun verstärkt auf die Jugend. „Wir möchten bis zu neun Millionen Euro in das Nachwuchsleistungszentrum plus Trainingsplätze und Amateurstadion investieren, sind aber derzeit nicht in der Lage, eine Finanzierung in Höhe von 2,5 Millionen Euro für Trainingsplätze und das Amateurstadion zu bewerkstelligen”, gesteht Kraemer. „Ohne diese Infrastruktur fehlt uns die Grundlage zur Ausbildung von Nachwuchsspielern, die den Sprung in unsere Profimannschaft schaffen sollen. Genau das ist aber in den nächsten Jahren unser vorrangiges Ziel”, ergänzt sein Kollege Erik Meijer, Alemannias Geschäftsführer für den Bereich Sport.

„Wir haben mit dem Stadionbau den ersten Schritt gemacht und unsere Ertragssituation gegenüber dem alten Tivoli deutlich verbessert. Gleichwohl sind knapp sechs Millionen Euro jährliche Pacht für Kapitaldienst und Stadionbetrieb ein fixer Kostenblock, auf den die Alemannia mit einer angemessenen Ausgabenpolitik reagiert”, erklärt Kraemer.

Nach derzeitigem Stand der Dinge müsste Alemannia Aachen den Etat für die Lizenzspielerabteilung in der nächsten Saison kräftig reduzieren, um die Infrastruktur weiter auszubauen. „Daran führt kein Weg vorbei”, sagt Meijer.

Auf der Suche nach Lösungen habe sich der Zweitligist in der vergangenen Woche vertrauensvoll an die Stadt Aachen gewandt und dort „ein sehr angenehmes Gespräch” über die Möglichkeiten einer Unterstützung oder auch Beteiligung geführt.

„Die 50 Millionen Euro für den neuen Tivoli haben wir gestemmt”, unterstreicht Kraemer: „Wir haben den Stadionbau bisher aus einer in sich geschlossenen Finanzierung ohne eine Bezuschussung durch Steuergelder realisiert. Dabei haben wir keine Kosten überschritten. Und deshalb, so Kraemer weiter, „halten wir es daher nicht für unverschämt, uns als größter Verein Aachens und wichtigster Werbeträger in einem als vertraulich titulierten Gespräch an die Stadt gewendet zu haben.”

Die Kämmerin prüft

Schließlich sei die Alemannia nicht unbedingt mit einem normalen Wirtschaftsunternehmen zu vergleichen: „Wir sind ja nicht auf Profit aus, sondern investieren Gewinne immer wieder in die größtmögliche Stärke des Sports.”

In ihrer Existenz sei die Alemannia nicht bedroht, auch die Lizenz sei überhaupt nicht in Gefahr, „selbst wenn sich an der momentanen Situation nichts ändern würde”, betonen Meijer und Kraemer unisono. „Allerdings möchten wir das finanzielle Korsett, das uns derzeit noch einengt, möglichst schnell abstreifen, um auch sportlich die Ziele offensiv anzugehen, die sich alle hier in Aachen vorstellen. Dabei setzen wir auf die Hilfe unserer Partner.”

Ob das Duo dabei auch auf Rat und Verwaltung setzen kann, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. Derzeit prüft die Kämmerin Annekathrin Grehling, ob die Stadt in der Lage ist, der Alemannia unter die Arme zu greifen.

Finanzen sind auch Thema bei „Time 2 Talk”

Die Finanzsituation der Alemannia wird auch Thema sein bei der nächsten Ausgabe von „Time 2 Talk”, der Alemannia-Gesprächsrunde der „Nachrichten”.

Am Mittwoch, 3. Februar, 19 Uhr, haben mit dem neuen Geschäftsführer Sport Erik Meijer, dem Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Linden und dem neuen Vereinsvorsitzenden Alfred Nachtsheim kompetente Gesprächspartner zu diesem Thema ihr Kommen zugesagt.

Aus dem sportlichen Bereich werden außerdem Trainer Michael Krüger sowie die Spieler Cristian Fiel und Patrick Milchraum zu Gast sein. Veranstaltungsort ist erstmals der Sportpark Kohlscheid, Kaiserstraße 96. Der Eintritt ist wie immer frei.
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