Aachen - Kornelimünster: Geparkt wird in Wildwestmanier

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Kornelimünster: Geparkt wird in Wildwestmanier

Von: Werner Czempas
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Viel Blech auf dem Korneliusmarkt: Anwohner führten jetzt im Bürgerforum massiv Beschwerde über den zugeparkten Ortskern im historischen Inde-Städtchen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Schenkt die Stadt ihrem städtebaulichen Schmuckstück Kornelimünster viel zu wenig Aufmerksamkeit? Der Eindruck drängte sich im Bürgerforum auf. Eine Gruppe von Bürgern aus dem idyllischen Inde-Örtchen beklagte sich heftig: „Der Ort, der einmal als Kleinod der Stadt Aachen angesehen wurde, verkommt zu einem Parkplatz nach Wildwest-Manier.“

Den Bürgern geht es um den historischen Ortskern rund um Korneliusmarkt und Benediktusplatz. Die verkehrliche Situation werde von Jahr zu Jahr schlechter, was den fließenden wie den ruhenden Autoverkehr betreffe. Ein wild wuchernder Schilderwald weise zwar auf Zonen mit Halteverbot hin, sei aber „nicht nur hässlich, sondern auch schlicht überflüssig“. Denn niemand kümmere sich drum, „da nutzen auch zehn weitere Schilder nichts“, beschrieb Alfred Kreiten im Bürgerforum die Lage.

Fahrzeuge parken kreuz und quer. Gegen die Fahrtrichtung, in Hauseingängen. Feuerwehr- und Rettungswege zugestellt, was zu gefährlichen Situationen führt. Kreiten und Mitstreiter: „Bei dem häufigen Inde-Hochwasser besteht die Hauptaufgabe der Feuerwehr mittlerweile darin, in stundenlanger mühseliger Arbeit die im historischen Ortskern überwiegend falsch parkenden Pkw zu entfernen, anstatt sich sofort um den Hochwasserschutz der denkmalgeschützten Bürgerhäuser und der alten Abteikirche zu kümmern.“

Einige Anwohner seien fortgezogen, weil sie sich nicht mehr sicher fühlten. „Kontrollen finden nicht statt!“, werfen Kreiten & Co. der Stadt Tatenlosigkeit vor. „Außer in Aachen-Kornelimünster gibt es weder in Nordrhein-Westfalen noch anderswo in Deutschland oder sogar in ganz Europa einen von so einzigartig erlebter Geschichte und historischer Architektur geprägten Ortskern, in dem Autos noch freie Zufahrt haben und unkontrolliert und zudem noch kostenlos parken dürfen“, wettern die Bürger.

Behördliche Maßnahmen wirkten „unkoordiniert“. Beteiligte seien „hoffnungslos überfordert“. Deshalb beantragten sie im Bürgerforum „als Sofortmaßnahme, die Einfahrt von der Indebrücke zum Korneliusmarkt, die Durchfahrt von der Kornelius­straße zum Benediktusplatz und die Zufahrt von der Klauserstraße (Dorferstraße, Abteigarten und Kirchberg) hin zu Benediktusplatz und Korneliusmarkt komplett zu sperren“. Die Bereiche sollen zeitlich begrenzt nur noch für Lieferanten anfahrbar sein. Für Anwohner und Besucher sollen alternative Parkflächen eingerichtet werden.

Ähnliche Vorschläge habe es schon in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gegeben. Doch alle Bemühungen, im historischen Ortskern eine Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen, seien „ohne jeden Erfolg geblieben und im Sande verlaufen“ (Kreiten). So habe schon 1988 der damalige Bürger- und Beschwerdeausschuss einstimmig beschlossen, den Autoverkehr aus dem Altstadtkern zu verbannen.

Es ist wohl nicht nur der ohnmächtige Ärger ob des chaotischen Autoverkehrs, der die Menschen rund um die alte Abteikirche in Kornelimünster aufbringt. Im Schreiben an das Bürgerforum ist zwischen den Zeilen auch einiges an Enttäuschung über eine gefühlte stiefmütterliche Behandlung durch die Stadt herauszulesen, wenn es dort heißt: „Wir Kornelimünsteraner sind stolz, Aachener Bürger zu sein und haben uns erfolgreich in die Stadt Aachen integriert. Leider bleibt uns eine wirtschaftliche Entwicklung mit den Schwerpunkten Erholung, Tagestourismus, Wanderschaft und Pilgertum versagt.“

Nur durch „sofortige umfassende Maßnahmen“ könne sich Aachens Kleinod wirtschaftlich erholen und touristisch weiter entwickeln. Neue Geschäfte könnten sich ansiedeln, Wohnumfeld und Lebens- wie Luftqualität würden sich verbessern. Das Pilger- und Wanderwesen nehme einen neuen Aufschwung. Alfred Kreiten: „Erst dann kann sich Kornelimünster wirklich zum tatsächlichen Vorzeigestübchen Aachens und unserer europäischen Region entwickeln.“

Die Klagen und Sorgen der Anwohner seien nachvollziehbar, meinte im Bürgerforum Heiner März von der SPD. In der Tat zerstörten die kreuz und quer parkenden Pkw den Charakter des historischen Ortskerns. Derzeit bereitet die Verwaltung eine Befragung der Anwohner vor. Sie sollen sich äußern „zur Freistellung des Korneliusmarktes und des Benediktusplatzes von parkenden Fahrzeugen“. Das Ergebnis müsse „schnellstmöglichst“ vorgelegt werden, forderte Ralph Otten (CDU). Das Bürgerforum war sich einig: Sobald die Bürgerbefragung auf dem Tisch ist, soll sich die Bezirksvertretung Kornelimünster-Walheim mit dem Thema befassen. Das Forum beauftragte die Verwaltung zudem, „für die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung zu sorgen“. Im Klartext: In Kornelimünster kassieren Falschparker rund um die Abteikirche demnächst Knöllchen.

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