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Kommunalwahl: Wahlkämpfer stehen in den Startlöchern

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
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Erstmals bereitet auch die Stadtverwaltung eine Kampagne zum Wahltag am 25. Mai vor. Unsere Montage zeigt das Motiv, das ab Mitte Mai großflächig im Stadtgebiet plakatiert werden soll und die Parteienwerbung ergänzen wird. Foto: Harald Krömer/Montage: Hans-Gerd Claßen Foto: Harald Krömer/Montage: Hans-Gerd Claßen

Aachen. 87.297 Aachener hatten vor fünf Jahren Besseres zu tun, als ein Kreuz zu machen. Exakt so viele Wahlberechtigte blieben der Kommunalwahl 2009 fern. Ein Desaster für die sogenannten Volksparteien, denen bei einer Wahlbeteiligung von knapp 53,5 Prozent augenscheinlich das Volk abhanden gekommen ist.

Die helle Freude war es hingegen für die Kleinen, die auch mit wenig Unterstützung groß rauskamen: Gerade mal 771 Stimmen benötigte Hans-Dieter Schaffrath, um im Rat Platz nehmen zu können.

Desinteresse an Wahlen ist so ziemlich das Schlimmste, was einer Demokratie passieren kann. Das denkt sich auch die Stadtverwaltung, die in diesem Jahr erstmals mit einer eigenen Plakatkampagne gegensteuern will. „Es ist ein ganz neutraler Aufruf“, betont Pressesprecher Hans Poth. „Wählen nicht vergessen“ steht auf einem verknoteten Taschentuch, das in den letzten Wochen vor der Wahl großflächig in den Werbeanlagen dafür sorgen soll, dass die Beteiligung nicht völlig ins Bodenlose stürzt.

So oder so muss sich das städtische Wahlamt unter Federführung von Michael Riese auf einen Großkampftag am 25. Mai vorbereiten. Gut 1500 Wahlhelfer werden in Aachen benötigt, um in den 161 Wahllokalen einen reibungslosen Ablauf sicherzustellen. Dort werden in diesem Jahr bis zu sieben Stimmzettel bereitliegen: Gewählt werden Europaparlament, Stadtrat, Oberbürgermeister, Städteregionstag, Städteregionsrat, Bezirksvertretung und Integrationsrat. Es wird nicht leicht sein, da den Überblick zu behalten.

Noch bis Montag 18.00 Uhr haben die Parteien Zeit, ihre Teilnahme an der Kommunalwahl anzumelden. Am nächsten Freitag soll feststehen, wer die Voraussetzungen erfüllt und antreten darf.

Die Etablierten haben derweil längst ihr Personal sortiert und ihre Programme geschrieben. Mit Beginn der Osterferien, also ab 14. April, werden dann auch die ersten Plakate in der Stadt zu sehen sein.

Namhafter Beistand

Mit dem Slogan „Stark für Aachen“ will die CDU ins Rennen gehen, die vor allem mit Aussagen zur Familien- und Wirtschaftspolitik punkten will. Marcel Phi­lipp will sein Amt als Oberbürgermeister verteidigen, und dafür kann er sogar auf die Unterstützung der Kanzlerin zählen. Am Mittwoch, 30. April, wird Angela Merkel auf dem Katschhof aufschlagen.

Die SPD hält mit dem Spruch „Aachen bewegen“ dagegen. Geworben wird vor allem für eine „gerechtere Politik“. Ihr Spitzenmann Björn Jansen ist Philipps Herausforderer mit den größten Chancen. Auch er erhält hochkarätige Unterstützung. Aus dem Regierungslager werden die beiden Ministerinnen Barbara Hendricks (27. April) und Manuela Schwesig (11. Mai) in Aachen erwartet. Der Lokalmatador und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat zudem die große Abschlussveranstaltung seiner Deutschland-Tour nach Aachen verlegt. Gemeinsam mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wird er am 24. Mai auf dem Aachener Markt erwartet.

Als Spitzenkandidatin der Grünen geht Gisela Nacken ins Rennen ums OB-Amt. Vor allem im eigenen Lager wird sie Stimmen holen, ansonsten gilt sie jedoch als weniger konsensfähig. In ihrer mehrteiligen Kampagne „Aachen ist...“ wollen die Grünen vor allem ihren Anteil an der lebendigen Vielfalt der Stadt herausarbeiten. Prominente Schützenhilfe wollen die EU-Politiker Reinhard Bütikofer (3. Mai) und Rebecca Harms (17. Mai) leisten.

Den Slogan „Aufwaachen“ hat sich die FDP einfallen lassen, die sich vor allem um den Einzelhandel und Belastungen durch steigende Steuern in Aachen sorgt. Prominentester Wahlkämpfer wird der EU-Parlamentarier Alexander Graf Lambsdorff sein, dessen Auftrittstermin jedoch noch nicht feststeht.

Mit dem Spruch „100 Prozent sozial auch lokal“ wollen die Linken um Wählerstimmen werben. Auch sie profitieren von der zeitgleichen Europawahl und erwarten am 16. Mai den Deutsch-Italiener Fabio di Masi als Redner in Aachen.

Noch 50 Tage

50 Tage bleiben bis zum Wahltag. Die „Nachrichten“ werden in den kommenden Wochen die wichtigsten Kandidaten der Parteien vorstellen und erläutern, mit welchen Projekten und Ideen sie bei den Wählern punkten wollen. In unserer Serie „Nachgehakt“ werden wir zudem kritisch Rückschau auf das Koalitionsprogramm halten, mit dem CDU und Grüne im Oktober 2009 in die Ratsperiode gestartet sind. Alle Beiträge werden in einer eigenen Rubrik im Internet gesammelt und auch über den Erscheinungstag hinaus auf an-online.de abrufbar sein. Soll nur keiner der rund 195.000 Wahlberechtigten sagen können: „Ich hab‘ von nichts gewusst.“

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