Kommentiert: Ein einziges Desaster

Von: Gerald Eimer
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FOTO: HARALD KROEMER DATE: 20.05.2014 Gerald Eimer Job : Gerald 2

Tatsächlich konnte man eine Zeit lang Hoffnung schöpfen, dass sich rund um das Gammelparkhaus Büchel endlich endlich etwas tun würde. Ein Kompromiss zwischen Stadtplanern, Politikern, Grundstückseigentümern, Geldgebern und Puffbesitzern schien gefunden, um das Altstadtquartier Büchel aufblühen zu lassen – ein Nebeneinander von Wohnungen, Geschäften, Kita, Kneipen und – ja – auch Bordellen.

Inzwischen muss man kein Kaffeesatzleser mehr sein, um weiteren jahre-, wenn nicht jahrzehntelangen Stillstand in diesem zentralen Stadtviertel vorherzusagen. Den immer schon fragilen Konsens gibt es nicht mehr. Rotlichtmeile und Stadt­sanierung – das scheint nicht zusammenzupassen.

Obwohl die Investoren von Anfang an wussten, worüber sie sprachen und was machbar schien, haben sie den Druck über die Jahre hochgehalten und immer heftiger gedrängt: Der Puff muss weg! Nur wohin? Das hat bis heute niemand sagen können. Auch nicht Oberbürgermeister Marcel Philipp, der in diesem unrühmlichen Kapitel eine ganz traurige Gestalt abgibt.

Es sind seitens der Stadt teure Planungen und auch ein städtebaulicher Wettbewerb in Auftrag gegeben worden. Viel Geld und Hirnschmalz wurden in die Entwürfe gesteckt, ohne dass in dieser Phase etwas von den fundamentalen Einwänden des Verwaltungschefs gegen den Standort Antoniusstraße zu hören war. Erst spät, sehr spät wurde er deutlich. Und so stellte er sich im Juni in einer denkwürdigen Ratssitzung gegen die gesamte Fraktion seiner eigenen Partei und ein breite politische Mehrheit, die die Hoffnung noch nicht aufgeben will, eine städtebauliche Wunde heilen zu können.

Nichts dagegen, dass der Oberbürgermeister seine eigene Meinung hat, für die es ja auch gute Gründe gibt. Wahrhaft schlimm aber ist, was in dieser Woche bekannt wurde: Dass der Oberbürgermeister einen denkbar breit getragenen politischen Beschluss auch in der Folge offenbar nicht akzeptieren wollte und sich klammheimlich doch noch auf die Suche nach Alternativstandorten für ein Bordell gemacht hat. Was für ein Signal wollte er aussenden? Dass ihn Mehrheiten nicht interessieren? Dass ihm die Interessen der Investoren wichtiger sind? Und was sollen eigentlich seine Bediensteten für Schlüsse ziehen? Sind sie noch Ratsbeschlüssen verpflichtet? Oder warten sie besser erst mal ab, was der Dienstherr ihnen auferlegt? Die Vorgänge um den Büchel sind ein einziges Desaster. In jeglicher Hinsicht: für die Stadt, für die Aachener, für den Oberbürgermeister.

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