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Kommentiert: Der Wähler, das unbekannte Wesen

Ein Kommentar von Gerald Eimer

Eine Prognose für den 25. Mai gefällig? Marcel Philipp wird schon im ersten Wahlgang als Oberbürgermeister wiedergewählt und es gibt eine Neuauflage von Schwarz-Grün!

Diese Vorhersage ist 50 Tage vor der Kommunalwahl natürlich völlig subjektiv und wird durch keine brauchbare Erhebung oder Umfrage gestützt. Es ist nur ein Gefühl. Wie trügerisch das sein kann, zeigen mir allwöchentlich meine Bundesliga-Tipps. Bekanntlich sind Wähler zu noch viel größeren Überraschungen fähig als Fußballspieler. Gehen wir also davon aus, dass der Ausgang der Kommunalwahl völlig ungewiss ist und werfen einen Blick aufs Angebot.

Die CDU: Auf dem Papier die größte Fraktion im Rat, die aber im vergangenen Jahr ihren Vorsitzenden wegputschte und im Anschluss sich selbst und die schwarz-grüne Koalition zerdepperte. Ob die verbohrten Alten und jungen Wilden künftig in Zaum gehalten werden können, muss nun der Rest der Truppe, angeführt vom Oberbürgermeister, beweisen. Das große Vertrauen der Wähler von vor fünf Jahren dürfte jedoch ziemlich ramponiert sein.

Die SPD: Hat sich auf lange Jahre in der Opposition eingestellt und war zuletzt doch wieder gefragter Mehrheitsbeschaffer. Die Verjüngung nach der Linden-Ära ist noch nicht abgeschlossen, doch der Nachwuchs ist wild entschlossen, frischen Wind und frische Ideen in den Rat zu bringen. Fraglich, ob die Aachener das überhaupt wollen. Fraglich aber auch, ob es überhaupt einen passenden Partner gibt.

Die Grünen: Haben sich vor fünf Jahren zügig auf die CDU zubewegt. Seitdem wirkt das Verhältnis zur SPD mindestens angespannt, wenn nicht zerrüttet. Die altbekannte Garde versteht sich immer noch als unverbrauchte und kreative Kraft. Doch auch sie ist im Establishment angekommen und hat gelernt, Einfluss zu wahren und Posten zu verteidigen. Einige Wähler vermissen bereits die alten Grundwerte.

Die FDP: War nie stärker im Rat vertreten, und nie schwächer an Einfluss. Im Poker um Mehrheiten spielen die Liberalen derzeit keine Rolle. Nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag wird es schwer sein, den Wählern zu erklären, warum sie in Aachen noch gebraucht werden. Das große Bangen um den Fraktionsstatus hat begonnen.

Die Linke: Die dreiköpfige Riege greift engagiert und mit Sinn für Ironie lokalpolitische Themen auf, die andere gerne als nebensächlich abtun. Man würde sie gerne als Schmuddelkinder abstempeln, aber sie scheinen sich als soziales Gewissen etabliert zu haben.

Die Kleinen: Knapp 800 Stimmen reichten beim letzten Mal für einen Sitz im Rat, was drei Einzelkämpfer freute. Diesmal dürfte es auf den hinteren Rängen noch weitaus bunter werden. Neben Piraten, UWG und Freien Wählern können sich diesmal auch AfD und der Rechtsausleger Pro Aachen ernsthafte Chancen ausrechnen.

So viele Möglichkeiten. So viele offene Fragen. Nein, diese Wahl ist garantiert noch nicht gelaufen, dafür werden Sie, liebe Leser, schon sorgen. Mischen Sie sich ein. Seien Sie unbequem. Und vor allem: Nutzen Sie am 25. Mai Ihr Stimmrecht.

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