Aachen - Kolumbianerin beißt sich als Goldschmiedin durch

Kolumbianerin beißt sich als Goldschmiedin durch

Von: Margot Gasper
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Diana Patricia Cruz Bodensiek und ihr Bruder Carlos Andres bieten in ihrem Geschäft in der Augustinergasse Schmuck und Gemälde an, denn „das kommt zusammen sehr gut”, sagt die Goldschmiedin, die sich in 13 Jahren in Deutschland durchgebissen hat. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Diana Patricia Cruz Bodensiek hat schon viel erreicht in ihrem Leben: Sie kam nach Deutschland und konnte kein Wort Deutsch. Sie hat die Sprache gelernt. Sie wollte Goldschmiedin werden, als es schwierig war, überhaupt eine Lehrstelle zu bekommen.

Sie hat die Ausbildung gemacht und ihre Gesellenprüfung als Kammersiegerin abgeschlossen. Heute führt sie zusammen mit ihrem Bruder ein eigenes Geschäft. Und sie hat zwei Kinder. Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass Diana Cruz Bodensiek erst 27 Jahre alt ist.

Die junge Frau ist Kolumbianerin mit deutschen Wurzeln. Ihr Urgroßvater wanderte vor Jahrzehnten aus Bremen in das südamerikanische Land aus und ließ sich dort nieder.

Dem deutschen Ur-Opa verdanken es Diana Cruz Bodensiek und ihre Geschwister, dass sie neben der kolumbianischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.

In ein fremdes Land

Als drei der Geschwister 1998 nach Deutschland zogen, kamen sie dennoch in ein fremdes Land. Diana war damals 14. Die Sprache und vieles mehr musste sie lernen.

Aber sie hat sich durchgebissen und an der Hauptschule Kronenberg den Schulabschluss gemacht. An ihrem Berufswunsch - Goldschmiedin - hat sie beharrlich festgehalten. Auch dann noch, als die Lehrerin mahnte, doch realistisch zu bleiben und einen anderen Ausbildungsberuf ins Auge zu fassen.

Die junge Frau aus Kolumbien bekam tatsächlich ihre Chance: erst ein Praktikum und schließlich die ersehnte Lehrstelle. Dreieinhalb Jahre lernte sie bei Goldschmied Wilhelm Firgau in dessen Werkstatt in der Elisengalerie.

„Und es war eine sehr gute Ausbildung”, sagt Cruz Bodensiek. Sehr gut gelang auch ihr das Gesellenstück: ein aufwändig gearbeitetes Kollier aus Smaragden mit filigranen Blättern aus Gelbgold.

Danach war allerdings erst mal Elternzeit angesagt. Mit 19 hatte Diana Cruz Bodensiek geheiratet, einen Kolumbianer, den sie in Aachen kennengelernt hatte. Am Tag der Lossprechungsfeier erfuhr sie, dass sie schwanger war.

Zwei Kinder kamen schnell hintereinander. Töchterchen Sara ist heute dreieinhalb, Sohn Santiago ist zweieinhalb.

„Die Kinder stehen an erster Stelle”, sagt die stolze Mutter. Ihre beruflichen Träume verlor sie dennoch nie aus den Augen. „Noch während der zweiten Schwangerschaft habe ich beschlossen, mich selbstständig zu machen.”

Und auch das hat sie hingekriegt. Hat ihr kleines Gewerbe angemeldet, hat als „Ich-AG” für drei Jahre Fördermittel bekommen und von der Bank ein kleines Startkapital. Anfangs war noch ihr Onkel, ein Bildhauer, mit im Boot, Seit zehn Monaten nun haben Diana und ihr Bruder Carlos Andres Cruz Bodensiek ein kleines Geschäft samt Atelier in der Augustinergasse, zwischen Uni und Altstadt. „Genau da wollten wir hin”, sagen die beiden. Sie mögen das Flair in den Straßen und Gassen rund um den Markt.

Der Bruder ist Maler, hat seine Kunst als Autodidakt gelernt. Goldschmiedearbeit und Gemälde werden im Laden zusammen präsentiert und ergänzen sich gegenseitig. „Schmuck und Gemälde, das kommt zusammen sehr gut an”, sagt Diana Cruz Bodensiek. „Und es ist ein Genuss, zusammen zu arbeiten.” Natürlich war der Schritt in die Selbstständigkeit ein Risiko, wissen die Geschwister: „Mit oder ohne Wirtschaftskrise: Künstler haben es schwer.”

Diana Cruz Bodensiek arbeitet sehr gerne mit Smaragden. „Und die besten Smaragde der Welt”, sagt sie, „kommen aus Kolumbien”.

Natürlich wünsche sie sich Erfolg, sagt die junge Goldschmiedin. „Aber Erfolg wird oft mit dem falschen Maßstab gemessen. Erfolg ist, wenn unser Herz sich erfreut an dem, was wir machen.” Und wenn man sie erlebt in ihrem Laden, dann hat sie ihren Erfolg wohl gefunden.
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