„Kollision – Chronik einer Eskalation“: Rütteln am Selbstbild der Bildungsbürger

Von: Rolf Hohl
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Die Schaupsieler Karl Walter Sprungala und Ahmad Ghorbani stellen gemeinsam mit Regisseur Stefan Herrmann (von links) das Stück „Kollision – Chronik einer Eskalation“ vor. Foto: Harald Krömer

Aachen. Stefan Herrmann war selbst über seine Reaktion erschrocken. Als ihn vor einiger Zeit ein paar jugendliche Flüchtlingskinder aus der Nachbarschaft fragten, ob sie zum Spielen rüberkommen dürften, hätte er beinahe „Nein“ gesagt. Er, der weltoffene Theaterregisseur und Familienvater, der viel mit geflüchteten Menschen arbeitet, wollte eben diesen den Zutritt zu seinem Garten verwehren?

Herrmann begann zu grübeln, woher solche Reaktionen kommen, und was sie für das Zusammenleben und die Integration im Alltag bedeuten. Jetzt macht er daraus ein Theaterstück.

„Kollision – Chronik einer Eskalation“ heißt das Projekt, das ab Samstag, 21. Oktober, im Mörgens Theater gezeigt wird. Dabei, so Herrmann, wolle er nicht sein eigenes Erlebnis nacherzählen, sondern zusammen mit einem Ensemble aus professionellen Schauspielern und geflüchteten Jugendlichen eine neue Geschichte entwickeln.

„Völlig unbegründet“

Damit rüttelt er am oft allzu idyllischen Selbstbild der toleranten Bildungsbürger, die manchmal selbst vor der Begegnung mit Migranten zurückschrecken, wenn sie vor der eigenen Haustür stehen. „Solche emotionalen Reaktionen sind meist völlig unbegründet, aber dennoch sind sie da. Das wollen wir vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklungen beleuchten“, sagt Herrmann.

„Es geht darum, welche Vorbehalte man anderen Menschen gegenüber hat, bevor irgendetwas vorgefallen wäre oder man diese überhaupt kennengelernt hätte“, sagt die Dramaturgin des Stücks, Vivica Bocks. Dieses dreht sich um einen Professor und seinen Sohn, dessen Schuhe auf dem Schulhof von jugendlichen Migranten gestohlen wurden. Oder war es nur eines der üblichen Pausenspiele und er bekommt sie am nächsten Tag wieder? Schon bei dieser – eigentlich noch völlig unklaren – Situation dürften sich nicht wenige dabei erwischen, automatisch von einem Diebstahl auszugehen.

In diese Falle tappt auch der Professor: „Er ist ein Theoretiker und spricht viel über die offene Gesellschaft. Dann geht es aber plötzlich um sein Privatleben und seinen Sohn und er wird vielleicht auch mit den eigenen Fehlern konfrontiert – das ist für ihn neu und ungewohnt“, beschreibt Schauspieler Karl Walter Sprungala seine Figur. Auch die Gegenseite wird in dem Stück beleuchtet, durch die Jugendlichen, die dem Sohn vermeintlich die Schuhe gestohlen haben. „Bei uns in der Gruppe ist das ein gängiges Spiel, bei dem es darum geht, dass der Junge selbst darauf reagiert. Indem sich aber der Vater einmischt, gerät alles außer Kontrolle“, schildert der 17-jährige Afghane Ahmad Ghorbani, der einen dieser Jugendlichen spielt.

Wie diese Kollision – der Zusammenprall zweier Welten – enden wird, ist derzeit noch offen. Das wird sich für die ersten Zuschauer dann aber spätestens am Samstag, 21. Oktober, um 20 Uhr im Mörgens-Theater, Mörgensstraße 24, herausstellen.

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