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Knöcheltief in Hagelkörnern und Wasser

Von: Margot Gasper
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Hier hilft nur noch die Säge: Das Unwetter über dem Aachener Südraum brachte auch etliche Bäume zu Fall. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Zafer Akkurt wollte am Mittwochabend gerade gerade Feierabend machen im „Königsgrill”, als um 22 Uhr über seinem Imbiss das Unwetter losbrach.

Der schwere Gewitterregen mit Hagel und Sturm, der sich kurz, aber heftig über Teilen des Stadtgebiets austobte, hat vor allem Driescher Hof und Brand heimgesucht. Die Folgen waren am nächsten Morgen noch zu sehen. Und den „Königsgrill” an der Königsberger Straße hat es besonders heftig erwischt.

Seit drei Jahren betreibt Zafer Akkurt den Imbiss im Eingangsbereich des dortigen Supermarkts. „Aber jetzt geht erst mal nichts mehr”, erklärte er ziemlich niedergedrückt.

„Alle meine Geräte sind vom Wasser beschädigt.” Der heftige Wind hatte Regen und Hagel offenbar unter das Dach getrieben. Im Imbiss lösten sich daraufhin Platten aus der abgehängten Zwischendecke, das Nass konnte eindringen.

Hagelkörner flogen wie Geschosse bis in die Fritteuse. „Das Frittenfett ist bis auf den Boden gelaufen und hat sich in jede Ecke verteilt”, so Akkurt. Bevor überhaupt ans Saubermachen zu denken war, musste er zunächst Fotos von der Bescherung machen - für die Versicherung.

In der Bäckereifiliale gleich nebenan konnte der Betrieb am Morgen normal weitergehen. Am Abend zuvor allerdings sah es auch dort schlimm aus. Die Filiale hatte bereits um 20 Uhr geschlossen. „Als das Gewitter losging, hat man mich zu Hause angerufen”, berichtete Jasmin Schneiderwind, die die Filiale als Franchise-Nehmerin leitet.

An der Königsberger Straße erwartete sie eine üble Bescherung. „Wir standen knöcheltief im Hagel und knöcheltief im Wasser”, so Schneiderwind. „Zusammen mit der Feuerwehr haben wir dann erst mal aufgeräumt und mit Besen und Abzieher das Wasser rausgeschoben.”

Hannelore Houben aus dem Blumenlädchen gegenüber musste am Morgen den Schrubber schwingen. Auch dort war das Wasser eingedrungen. „Aber den Blumen schadet das Wasser ja glücklicherweise nicht”, sagt Houben.

Feuerwehr und Polizei waren in der Nacht stundenlang im Einsatz gewesen. Das Unwetter hatte Straßen und Keller überflutet, Bäume gezaust und Äste heruntergerissen. Alleine die Feuerwehr bilanzierte mehr als 40 Einsätze.

Für die Männer des Aachener Stadtbetriebs waren dann Überstunden angesagt. 30 Leute waren mit Hubsteigern, Lastwagen und Sägen im Einsatz, um die schlimmsten Schäden an den Bäumen zu beseitigen. Besondere Gefahr drohte durch herausgebrochene Äste, die noch in den Baumkronen hingen.

Der Friedhof an der Kolpingstraße in Brand musste am Donnerstagmorgen sogar geschlossen werden, da zahlreiche Äste herabzubrechen drohten. Voraussichtlich ist der Friedhof bis zum Wochenende gesperrt.

Windhose zaust Eschen

Auf der Trierer Straße wurde im Bereich Krummerück eine umgestürzte Linde geräumt. In der Eschenallee erwischte der Sturm zehn kerngesunde Eschen, alle um die 90 Jahre alt.

Eine Windhose habe die prächtigen Bäume gepackt, erklärte Peter Maier, stellvertretender Betriebsleiter des Stadtbetriebs. „Die Eschen sind regelrecht zersplittert. Die sind wohl nicht mehr zu retten.” Der Stadtbetrieb schätzt, dass insgesamt mehrere Dutzend Bäume durch das Gewitter umstürzten oder so stark beschädigt sind, dass sie gefällt werden müssen.

Das abgeholzte Grün wird vom Stadtbetrieb gehäckselt. Der eine oder andere Ofen- oder Kaminbesitzer nutzte aber flott die Gunst der Stunde und lud sich eine handlich zurechtgeschnittene Portion Kaminholz in den Kofferraum. „Dagegen ist auch nichts einzuwenden”, erklärte Marc Wahnemühl vom Stadtbetrieb.

„Wenn das Holz am Straßenrand zur Abholung bereitliegt, hat niemand etwas dagegen.” Wer ganz sichergehen will, sollte allerdings mit den Mitarbeitern des Stadtbetriebs vor Ort reden, bevor er sich bedient. Auf keinen Fall aber dürfen Passanten sich dort aufhalten, wo gerade gesägt wird. „Viel zu gefährlich”, warnt Wahnemühl.

Trotz aller Schäden im Südraum sei Aachen einigermaßen glimpflich davongekommen, resümiert indes Peter Maier. „Nach der Prognose des Deutschen Wetterdienstes sollte die Front voll über die Stadt ziehen. Da haben wir noch Glück gehabt.” Für Zafer Akkurt im „Königsgrill” ist das wohl eher ein schwacher Trost.
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