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Knatsch in der CDU: Die Stellvertreterin will an die Spitze

Von: Achim Kaiser
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Aachen. Am Donnerstag wollen zwei CDU-Ratsmitglieder das schriftliche Misstrauensvotum gegen den Fraktionsvorsitzenden Harald Baal, den sogenannten Abwahlantrag persönlich in der Fraktionsgeschäftsstelle abgeben. „Wer das sein wird, weiß ich noch nicht“, sagt die erste stellvertretende Fraktionsvorsitzende Maike Schlick. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie als Nachfolgerin des angeschlagenen Fraktionschefs bereitsteht.

17 CDU-Ratsmitglieder haben den Abwahlantrag unterschrieben. Zwischen der Abgabe des Papiers und einer möglichen Neuwahl der Fraktionsspitze müssen nun mindestens zehn Tage liegen. Die Entscheidung, wer denn künftig die nach außen und innen mächtig zerrüttete Fraktion wieder auf eine gemeinsamen Linie bringen soll, könnte, so die CDU-Vorsitzende Ulla Thönnissen, am 8. April fallen. Denn an diesem Tag hat die CDU-Chefin die Fraktion und den erweiterten Kreisvorstand bereits zu einer Aussprache eingeladen. Dabei geht es um Themen wie Campusbahn, ÖPNV und Alemannia. „Ich gehe eigentlich davon aus, dass die Frage des Fraktionsvorsitzes dann auch geklärt wird“, sagt Thönnissen.

Derweil wartet Fraktionschef Harald Baal noch „den Posteingang“ ab. „Diese Putschsituation und das barsche Ablehnen jeglicher Kommunikation hat mich kalt erwischt“, gesteht der Polit-Routinier: „Aus der Presse zu erfahren, welche Defizite man haben soll, ist nicht so leicht.“

Über die letzten neun Monate habe sich der Vertrauensverlust gegenüber dem Fraktionschef mehr und mehr entwickelt, blickt Baals Konkurrentin Schlick zurück: „Sein Umgang mit den Ratsmitgliedern und sein Auftreten gegenüber Bürgern hat zu dieser Situation geführt. Da ist vieles zusammengekommen.“ Am Ende habe Baal es nicht mehr geschafft, die Fraktion „richtig mitzunehmen“. Die Hilfeschreie aus der Fraktion seien, so Schlick, immer lauter geworden: „Er macht alles selbst, er hört uns nicht, er respektiert uns nicht, er war nicht immer fair.“ Das sei eben kein „Paukenschlag“ gewesen, sondern ein längerer Prozess, der beendet werden muss. Mit einem teamorientierten, aus ihrer Sicht „gänzlich anderen“ Führungsstil will die ehemalige Leistungsruderin die drohende Spaltung der Fraktion verhindern und für neue Motivation sorgen.

„Riesenherausforderung“

Derzeit ist die 43-jährige verheiratete und berufstätige zweifache Mutter die Favoritin der Anti-Baal-Gruppe auf den Fraktionsvorsitz. „Ich dränge nicht nach vorne, aber als Stellvertreterin sollte man sich für das Amt zur Verfügung stellen“, sagt Schlick und sieht ihre mögliche neue Aufgabe als „Riesenherausforderung“. Zu politischen Zielen und Inhalten will sie sich momentan nicht äußern. Sie sagt nur: „Wir stellen die Koalition mit den Grünen keineswegs in Frage.“

„Noch ist Harald Baal nicht abgewählt“, sagt die CDU-Vorsitzende Thönnissen. Egal, wie am Ende die Fraktionsfrage beantwortet werde: „Baal muss mit Schlick reden oder Schlick mit Baal. Oder es gibt eine ganz andere Lösung. Bis zum 8. April ist ja noch etwas Zeit.“ Die CDU-Chefin will sich bei dieser so wichtigen Personalentscheidung „neutral“ verhalten, kritisiert aber die „schlechte Außendarstellung“: „Das kommt beim Bürger nach der Abstimmung über die Campusbahn so an, als ob wir nichts anderes zu tun hätten, als uns nur mit uns selbst zu beschäftigen.“

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