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Klinikum: 85-Jähriger sitzt 13 Stunden in der Notaufnahme

Von: Gerald Eimer
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Wer möchte hier schon einen S
Wer möchte hier schon einen Sonntag verbringen? Ein 85-jähriger Patient wartete am Wochenende in der Notaufnahme 13 Stunden auf eine Untersuchung, die ihm am Ende doch verwehrt blieb.

Aachen. Sage und schreibe 13 Stunden hat ein 85-jähriger Mann am Sonntag in der Notaufnahme der Aachener Uniklinik verbracht - um am Ende doch unverrichteter Dinge und ohne Untersuchungsergebnis wieder weggeschickt zu werden. Noch ist der Vorgang nicht rekonstruiert, doch unangenehm ist er schon jetzt für beide Seiten: für den Patienten, der solange vergeblich auf einen Arzt wartete, und für die Uniklinik, die nun nach dem Fehler im System sucht.

Gegen acht Uhr morgens wurde dem 85-jährigen Bewohner des Altenheims an der Barbarastraße plötzlich schlecht, er stürzte und zog sich eine Verletzung am Kopf zu. Mit dem Rettungswagen wurde der Mann in die Uniklinik gebracht, wo er nach Aussage des ihn betreuenden Neffen um 8.34 Uhr aufgenommen wurde.

Die Behandlung lief zunächst gut an: Knapp eine Stunde später war der AOK-Versicherte bereits chirurgisch versorgt. Ihm wurde mitgeteilt, er müsse „nur noch auf den Neurologen warten”. Dessen Untersuchung sollte Aufschluss über die Gründe für den plötzlichen Schwindelanfall geben. Und damit begann das lange Warten auf einen Arzt, den der 85-Jährige bis heute nicht zu sehen bekam.

Alle paar Stunden habe der Neffe nachgefragt, ob man seinen Onkel auch nicht vergessen habe. Immer wieder sei er wegen der Vielzahl akuter Fälle vertröstet worden. Erst gegen 21.45 Uhr - 13 Stunden und elf Minuten nach der Aufnahme - sei ein Arzt erschienen, der den 85-Jährigen nach Hause schickte. Eine neurologische Untersuchung sei nicht mehr möglich, hieß es. Der Neffe des Patienten war ebenso fassungslos wie wütend. „Und das nennt sich Eliteklinik”, sagt er. Wie könne es möglich sein, dass bei Aufnahmebereitschaft nur ein einziger Neurologe im Hause sei, fragt er.

Wenn es sich so zugetragen habe, dann sei dies natürlich bedauerlich, erklärt auf Anfrage Mathias Brandstädter, Pressesprecher der Aachener Uniklinik. Abschließend bewerten könne er den Sachverhalt noch nicht, hausinterne Nachforschungen scheinen aber begonnen zu haben.

Klar ist jedoch, dass an jenem Sonntag mehr als 200 Patienten durch die Notaufnahme versorgt werden mussten. Denn die Uniklinik hatte Aufnahmewochenende „und war somit als einziges Haus für die Versorgung des gesamten Stadtgebiets Aachen zuständig”, wie Brandstädter mitteilt.

Diese Aufnahmewochenenden bergen augenscheinlich eine gewisse Brisanz für die Patienten, wie der Fall des 85-Jährigen zeigt.

Brandstädter betont unterdessen, dass sich die Uniklinik auch personell auf das bereits befürchtete „massive Patientenaufkommen” eingestellt habe. Um die Betreuung und Versorgung sicherzustellen, sei über mehrere Stunden „eine Schicht bereits doppelt besetzt und durch den Oberarzt-Hintergrunddienst verstärkt” worden. Eine qualitative Versorgung lasse sich an solchen Tagen „nur durch Priorisierung der Verletzungen und Erkrankungen erzielen”, sagt Brandstädter. Heißt: Patienten mit schwersten und lebensbedrohlichen Verletzungen und Erkrankungen haben Vorrang. Am Sonntag habe es sehr viele solcher Fälle gegeben - was zu entsprechenden Wartezeiten bei allen übrigen Patienten geführt habe.

Vorerst bleibt ungeklärt, ob das dreizehnstündige Warten des 85-Jährigen ein bedauerlicher Einzelfall ist, auf einen hausinternen Fehler zurückzuführen ist oder auch symptomatisch für ein an seine Grenzen kommendes Gesundheitssystem ist.

Der Neffe will es nun genauer wissen und hat sich am Mittwoch an die Beschwerdestelle der Aachener Uniklinik gewendet. Dies sei das einzig Richtige, empfiehlt auch Brandstädter. Der Patient habe schließlich „eine anständige Stellungnahme verdient”, sagt er. Vor allem aber erhalte die Uniklinik auf diese Weise Gelegenheit, den Fall hausintern aufzuarbeiten und gegebenenfalls auch Verbesserungen einzuleiten.

Nachtrag: Der 85-Jährige Altenheimbewohner ist wieder wohlauf und wurde zwischenzeitlich von seinem Hausarzt untersucht.
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