bullyparade kino freisteller bully herbig tramitz kavanian

Klimaticket Aachen-Kapstadt: Jeder Euro tut den Armen und dem Klima gut

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:
4726260.jpg
Auf ehemaligen Brachflächen in den Armenvierteln Kapstadts gedeihen Mangold und Süßkartoffeln, Möhren, Auberginen oder Paprika. Die grünen Garten-Oasen stärken auch Frauen. Denn sie sind es, die hauptsächlich als Mikro-Farmer ackern. Fotos (2): Bruce Sutherland Foto: Bruce Sutherland
4726002.jpg
Von dem selbst angebautem Gemüse können die Mikro-Farmerinnen sogar noch etwas vor Ort verkaufen.

Aachen. Eine gute Idee trägt Früchte: Das Projekt Klimaticket Aachen-Kapstadt hat in fast vier Jahren 7000 Euro an Spenden eingebracht. Verglichen mit den Summen, die anderswo bewegt werden, klingt das nicht gewaltig. Aber mit 100 Euro kann sich in der südafrikanischen Metropole eine sechsköpfige Familie ein ganzes Jahr lang mit gesundem, selbst angebautem Gemüse versorgen.

 Auf ehemaligen Brachflächen in den Armenvierteln Kapstadts gedeihen Mangold und Süßkartoffeln, Möhren, Auberginen oder Paprika. Gabriele Schütz-Lembach vom Fachbereich Umwelt koordiniert die Agenda-21-Partnerschaft Aachen-Kapstadt auf städtischer Seite. Sie ist begeistert vom Erfolg der Initiative: „Gerade in den letzten Monaten hat die Sache noch mal Fahrt aufgenommen.“ Jeder Euro, der gespendet wird, hilft den Partnern in Kapstadt. Jeder Euro tut aber auch was fürs Klima.

Reisen mit dem Flugzeug, das weiß man, schadet der Umwelt. Pro Flugkilometer und Passagier gelangen etwa 250 Gramm klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre und tragen zur globalen Erwärmung bei. Das Projekt Klimaticket setzt als Ausgleich eine Spende von fünf Euro je Flugstunde an. Einmal Mallorca und zurück schlägt danach mit 20 Euro zu Buche. Diese Spende finanziert bereits 110 Quadratmeter Gemüsegarten in den Townships. Für einen Flug nach Kapstadt sind nach dieser Rechnung 130 Euro fürs Klimaticket fällig. Und davon können am Kap bereits 750 Quadratmeter Brachland zum Grünen gebracht werden. Das Klimaticket ist eins von mehreren Projekten der Agenda-21-Partnerschaft, die sich an den Zielen des entwicklungs- und umweltpolitischen Aktionsprogramms orientiert und sich für nachhaltige und gerechte Entwicklung einsetzt.

In Aachen organisiert der Förderverein Aachen-Kapstadt das Umweltschutzprojekt. Durch diesen ehrenamtlichen Einsatz können alle Spenden zu 100 Prozent vor Ort in Kapstadt eingesetzt werden. Sogar Überweisungskosten vermeidet der Partnerschaftsverein nach Möglichkeit. Stattdessen nehmen Aachener, die die Agenda-Partner in Südafrika besuchen, immer mal wieder Beträge mit. Sogar der Oberbürgermeister war schon Geldbote fürs Klima­ticket.

Marcel Philipp nutzte im Oktober eine private Urlaubsreise, um in Kapstadt die Agenda-Partnerschaft für weitere fünf Jahre offiziell zu bekräftigen. Er besuchte damals auch einige Gärten, die unter anderem mit Hilfe des Klimatickets entstanden sind. Und er überreichte 1000 Euro für den Fortgang des Projekts.

Partner in Kapstadt ist der Verein „Abalimi Bezekhaya“. Abalimi heißt so viel wie „Farmer rund ums Haus“. „Abalimi Bezekhaya“ hat mittlerweile schon mehr als 4000 Menschen in den Armenvierteln Kapstadts zu Mikro-Farmern ausgebildet. Auf kleinen Grundstücken bauen sie Gemüse nach ökologischen Grundsätzen an. Der Verein stellt Ausrüstung und Saatgut bereit, trainiert die Kleinbauern und hilft bei der Vermarktung.

Lokale Vermarktung

„65 Kilo Gemüse erntet eine Familie jeden Monat auf ihrem Stückchen Land“, berichtet Gabriele Schütz-Lembach. Von dieser Ernte können die Mikro-Farmer sogar noch vor Ort etwas verkaufen. Auch diese lokale Vermarktung tut dem Klima gut, weil das Gemüse nicht über große Entfernungen transportiert werden muss. Die grünen Garten-Oasen von Kapstadt stärken auch Frauen. Denn sie sind es, die hauptsächlich als Mikro-Farmer ackern.

Rob Small, Projektleiter und Motor von „Abalimi Bezekhaya“, hätte nichts dagegen, das Garten-Projekt noch viel größer aufzuziehen. Interessenten gibt es in den bitterarmen Townships genug. Nötig dafür sind weitere Spenden. Deshalb trommelt auch der Förderverein der Aachener Agenda-Partnerschaft weiter für das Klimaticket. Natürlich kann man nicht nur Flugreisen kompensieren, sondern auch den Kohlendioxid-Ausstoß seines Autos. Oder man kann spenden. Besonders freut sich Schütz-Lembach, dass mittlerweile auch ein Aachener Reisebüro mit dem Projekt zusammenarbeitet. „Accept-Reisen“, Spezialist für umweltfreundliches und sozialverantwortliches Reisen, verweist auf seiner Internetseite auf die Agenda-Partnerschaft und das Klimaticket. „Und wir haben vor, auch in Kapstadt für das Klimaticket zu werben“, kündigt Schütz-Lembach an. „Die reichen weißen Südafrikaner reisen schließlich auch viel.“

 www.aachen-kapstadt.de

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert