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Kleines Wunder: Hof in Vetschau wird wiederaufgebaut

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
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Eine endlose traurige Geschichte kommt jetzt doch noch, nach 13 Jahren, zu einem guten Ende: Der willkürlich zerstörte Niersteiner Hof wird derzeit wiederaufgebaut. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Dieser Hof hat eine lange und leidvolle Geschichte hinter sich“, sagt Claudia Ellenbeck, die stellvertretende Leiterin der städtischen Abteilung Denkmalpflege. Gemünzt sind die Worte auf den Großen Niersteiner Hof in Vetschau, seit 13 Jahren Paradebeispiel einer endlosen traurigen Geschichte.

Nachdem der damalige (und auch heutige) Besitzer seine Umbau- und Sanierungspläne nicht bei den Behörden durchsetzen konnte, riss er Anfang 2000 eigenmächtig einen Teil des historischen und denkmalgeschützten Gebäudes nieder. Der Landwirt erhielt zwar ein Bußgeld über umgerechnet 90.000 Euro und eine Wiederaufbauverpflichtung, doch die Wiederherstellung des Hofs kam immer wieder ins Stocken. Die Schäden wurden 2002 durch einen Brand im Dachstuhl noch vergrößert, möglicherweise entstanden durch Brandstiftung.

Zuletzt hing jahrelang die Dachpappe in Fetzen von dem teilweise erneuerten Dachstuhl, Nachbarn und Passanten konnten den traurigen Anblick kaum noch ertragen. Doch seit kurzem haben die Arbeiten Fahrt aufgenommen, ein Seitenteil ist schon eingedeckt und vor der Witterung geschützt, das zweigeschossige Herrenhaus mit Turm eingerüstet, um es in seinen ursprünglichen Zustand zurückzubringen.

„Wir sind sehr erfreut, dass es jetzt endlich losgegangen ist“, zeigt sich Denkmalschützerin Ellenbeck befriedigt darüber, dass jetzt in Vetschau ein kleines Wunder geschehen ist. Zwar befand man sich seit dem Jahr 2000 in permanenten Verhandlungen über Sicherung und Wiederaufbau, gewann die Stadt auch so manchen Prozess und erließ entsprechende Verfügungen, doch letztlich musste man auch auf die wirtschaftliche Situation des Besitzers Rücksicht nehmen: „Wie kann man den Wiederaufbau leisten, ohne den Eigentümer in den Bankrott zu treiben?“ Das ist jetzt in Begleitung eines erfahrenen Architekten (Hans Lennartz) offenbar gelungen. Die Gerichtsverfahren sind eingestellt, weil man eine gütliche Einigung gefunden hat.

Der nach Zerstörung im 16./17. Jahrhundert auf den Fundamenten der alten Vetschauer Burg wiederaufgebaute Große Hof ist einer von drei Niersteiner Höfen, deren Ursprung wahrscheinlich schon auf die Römerzeit zurückgeht, nahe der Römerstraße „Vicus Traiectensis” nach Heerlen, möglicherweise einst der Truppenversorgung dienend. Schon bei einem ersten Umbau hatte der Vater des jetzigen Besitzers den wertvollen und innen und außen selten kompletten Bestand angetastet, weil er in den 1970 Jahren moderne Fenster einbaute und Kreuzstöcke zerstörte. Doch unter die Vergangenheit will man jetzt einen Schlussstrich ziehen.

„Wir sind sehr froh, dass es jetzt funktioniert und der Hof denkmalgeschützt mit Natursteinen wieder aufgebaut wird“, betont Denkmalschützerin Ellenbeck. Glücklicherweise verfügt man über Fotos und Bauaufnahmen aus den 70er und 80er Jahren, als der historische Hof als Studienobjekt für die RWTH genutzt wurde. So wird das Original-Schichtmaß wiederentstehen auch Teile der Fensterbögen sind noch vorhanden, doch manchmal steckt der Teufel im Detail.

Der Mergelstein, der die Außenwände bestimmte, ist inzwischen sehr teuer geworden, weil er nur noch in einem Steinbruch in den Niederlanden gewonnen wird. Deshalb habe man sich „im Sinne der Machbarkeit auf italienischen Sandstein geeinigt, der sehr ähnlich ist“, sagt Claudia Ellenbeck. Zumindest von Weitem werde der Hof nach der Fertigstellung aussehen wie bis 1999: „Das äußere Erscheinungsbild wird wieder erkennbar sein.“

Sicherlich koste die jetzige Aktion eine Stange Geld, gibt Denkmalschützerin Ellenbeck zu, aber: „Hier wurde ein wichtiger historischer Bestand mit großer Bedeutung für Laurensberg vernichtet.“ Der Wiederaufbau solle auch klarmachen, dass man „so etwas nicht ungestraft machen darf“. Verschiedene Versuche, einen anderen Investor für das landwirtschaftliche Anwesen zu finden, waren an fehlenden Ausbau- und Verwertungsmöglichkeiten sowie einem bestehenden Wohnrecht gescheitert. Ellenbeck: „Es ist eine sehr, sehr komplizierte Geschichte.“

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