Aachen - Klaus Herzog stellt aus: Bewegende Bilder aus 50 Jahren

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Klaus Herzog stellt aus: Bewegende Bilder aus 50 Jahren

Von: Ingrid Peinhardt-Franke
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Mit einer Rückschau auf sein fotografisches Werk will Klaus Herzog sich aus dem Ausstellungsbetrieb verabschieden. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Weltweit unterwegs in über 60 Ländern der Erde war der Aachener Fotograf Klaus Herzog, meist machte er Sozialreportagen und begleitete Hilfsorganisationen zu den Ärmsten der Armen in der sogenannten Dritten Welt. 1966 startete er seine internationale Tätigkeit mit der damals noch analogen Kamera und erlebte unglaubliches Elend und große Lebensfreude dort, wo die Menschen nicht viel mehr hatten als ihr Leben.

Nun, im Alter von 75 Jahren und nach rund 50 Jahren Arbeit mit der Kamera, möchte er sich mit seiner aktuellen Ausstellung „Bewegende Augenblicke“ aus dem Ausstellungsbetrieb verabschieden und zeigt in einer Art Retrospektive Schwarz-Weiß-Arbeiten aus den Jahren 1970 bis 2000 als Auswahl aus 30 Jahren Fotoreisen in ehemalige Kolonien. Sehnsucht nach Ferne, Abenteuer und einem Hauch Exotik weckt das älteste Foto der Ausstellung, das die Spiegelung einer Karawane im Wasser zeigt. Stolz sitzen die Kamelreiter auf ihren Tieren, stimmig sind Licht und das leichte Kräuseln der Wellen, die die Spiegelung sanft verzerren. Doch dieses Foto ist das einzige, das keine Armut, mangelnde Versorgung und mangelnden Schutz thematisiert, sondern souveräne, wilde Schönheit pur.

Leben im Slum

Unter die Haut gehen die Fotos, die Kinder in ihrer Armut zeigen. Ein Junge geht lachend und zufrieden an Krücken, die ihm nicht angepasst sind, dazu kann er mit seinen kaputten Schuhen kaum auftreten. Doch die Lebensfreude steht ihm ins Gesicht geschrieben, er bleibt souverän in seiner Not. In der Zuckerrohrindustrie arbeitet ein kleiner Junge mit. Er balanciert auf seinem Kopf eine große Menge Abfälle aus den Feldern. In Indien fotografiert Klaus Herzog Kinder, die aus Kuhfladen mit bloßen Händen Brennmaterial für ihre Kochstellen formen. Das Elend verteilt sich gleichmäßig über die Länder der Dritten Welt – Slums mit elenden Hütten, Wohnen auf der Müllhalde, Baustellen ohne Arbeitsschutz, Lastenträger ohne Sicherheit gibt es auch heute noch.

Rund 50 Jahre nach den ersten Reportagen von Klaus Herzog hat sich nicht viel geändert. Doch es gibt auch die Lebensfreude, den Spaß, den die Menschen sich machen, wenn es geht. Ihr Improvisationsgeist ist groß: Kinder basteln sich Spielzeug aus Abfällen, Erwachsene feiern ihre Feste und machen Musik mit alten Instrumenten. Ein gewaltiges Fest ist auch eine Prozession bei einer Priesterweihe in Papua-Neuguinea, das festlich geschmückte und rituell bemalte Einheimische bei der sichtlich bewegungsfreundlichen Feier zeigt.

So sehr die Bilder im wahrsten Sinne des Wortes „Bewegende Augenblicke“ zeigen, so sehr berührt auch die Vorstellung, dass diese Ausstellung mit dem Schwerpunkt Sozialreportage die letzte von Klaus Herzog sein soll. Lange und intensiv bleiben die Bilder des Fotografen, der nach einer Lehre in Stuttgart Fotografie an der Folkwangschule Essen studierte, in den Köpfen der Betrachter – die Sozialreportagen gleichermaßen wie die zahlreichen zeitgenössischen Fotokunstwerke. Bleibt zu hoffen, dass Klaus Herzog umdisponiert und weiterhin „Bewegende Augenblicke“ zeigt.

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 7. Juli in der Galerie des Kulturwerks Aachen in den Aachen-Arkaden, 1. Stock, dienstags bis samstags 13 bis 19 Uhr.

 

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