Klassik live im Klassenzimmer

Von: Eva Onkels
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Nachwuchs-Dirigentin: Die neunjährige Jimena Castro darf beim Besuch von Generalmusikdirektor Kazem Abdullah an der Grundschule Gut Kullen auch ein paar Takte dirigieren. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Egal ob das Publikum vorwiegend aus älteren Menschen besteht oder ob ein Teil des Sinfonieorchester vor Grundschülern spielt: Als die Musiker ihre Instrumente anheben – sei es an das Kinn, an den Mund oder den Bogen auf die Saite legen –, sind sowohl die Bewohner und Besucher des Hauses Hörn, als auch die Kinder der Gemeinschaftsgrundschule Gut Kullen fasziniert.

 Kazem Abdullah, der neue Generalmusikdirekter des Sinfonieorchesters, möchte die Aachener in ihren ganz alltäglichen Situationen kennenlernen.

Im September startete das Orchester daher einen Aufruf an alle Interessierten, die die Musiker zu sich holen wollen. Viele haben sich gemeldet, sechs Orte wurden ausgesucht. Darunter neben dem Marienhospital in Düren und der Victor-Frankl-Schule in Aachen auch das Haus Hörn und die Gemeinschaftsgrundschule. Das Programm ist genauso gemischt, wie das Publikum und bietet für jeden Hörgeschmack etwas. Ob ein Bläserquintett von Franz Danzi oder zwei Arien aus der Oper „Ariodante“ von Georg Friedrich Händel, es ist ein überzeugendes kleines Programm.

Musik ganz nah erleben

Das Leben möchte Inge Nadenau vom Haus Hörn zu den Hospizgästen bringen. Auch die Menschen, die nicht mehr selbst zu den Konzerten des Sinfonieorchesters gehen können, können damit die Leidenschaft Musik ganz nah erleben.

So ähnlich ist es vielleicht auch bei dem Konzert in der Grundschule, nur mit einem anderen Ziel. Hier ist es die Musik, die den Kindern direkt näher gebracht werden soll, weg vom Fernseher oder dem Computerspiel. Den Kindern einen Zugang zur Musik geben möchte Kazem Abdullah. Und zumindest bei der neunjährigen Jimena Castro funktioniert das auch wunderbar, darf sie doch beim zweiten Satz von Mozarts Divertimento in D-Dur KV 136 den Einsatz geben und die ersten paar Takte dirigieren. Das funktioniert auch erstaunlich gut.

Im Hospiz ist es eher das Zuhörern, das Genießen der Musik. Katharina Kracht, eine der Hospizgäste, bedauert, dass das Konzert so schnell vorbei geht. Die Initiative, dass Orchester auch mal an besonderen Orten spielen zu lassen, begrüßt sie jedoch ausdrücklich. Dass solche Aktivitäten innerhalb der Mauern des Haus Hörn stattfinden, sei ebenfalls gut, es gebe schließlich keine langen Anfahrtswege.

Das Hospiz öffnet sich mit einer solchen Aktion natürlich auch nach außen, man zeigt, dass die Mauern des Hospizes das Leben nicht draußen halten wollen. Bei den Kindern spielte noch ein weiterer Aspekt eine große Rolle: Nach der Arie können die Kinder der Sängerin Katharina Hagopian Fragen stellen und sie wird sprichwörtlich gelöchert. „Wie lange dauert es, bis man so singen kann?“, „Wie kann man die Töne solange halten?“, „Wieso ist das alles so hoch?“ Und die meisten Fragen können auch geklärt werden.

Auch Flötistin Stefanie Faust beantwortet eine Menge Fragen, gibt einen kleinen Einblick in die Geschichte ihres Instrumentes und nebenbei erklären sie und Moderator Michael Dühn, Dramaturg am Theater, warum die aus Weißgold bestehende Querflöte zu den Holz- und nicht den Blechbläsern gezählt wird.

Auch „alte Musik“ macht Spaß

Solche Wissensvermittlung verbunden mit Musik, die die Kinder mitwippen und den Dirigenten nachahmen lässt, ist ein Signal für die Kinder, dass man auch mit „alter Musik“ Spaß haben kann. Kahdija Kassouy, Lisa Albot und Arwan Ziaei hat das Konzert zumindest gut gefallen, auch wenn sie sich am Ende wünschten, dass man die italienisch singende Sängerin verstanden hätte.

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