Klara Rücker: Über die Leidenschaft zur Kirchenmusik

Von: Naima Wolfsperger
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Wer singt, der betet doppelt: Klara Rücker ist neue Kantorin bei der Gemeinschaft der Gemeinden Kornelimünster/Roetgen. Sie will vor allem die Jugendarbeit vorantreiben. Auch die Orgel in Kornelimünster müsste repariert werden, sagt Rücker. Foto: Heike Lachmann
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Hohe Konzentration gefragt: Für das Orgelspiel muss man nicht nur auf die Hände achten – auch die Füße spielen mit. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Ihr Gesichtsausdruck wirkt ruhig und zufrieden, regelrecht erfüllt, wenn sie an der Orgel sitzt. Und das, obwohl ihre flinken Hände über die Tasten wandern und ihre Füße gleichzeitig über die Pedale tänzeln.

Hohe Konzentration erfordert das Orgelspiel, doch Klara Rücker lächelt; die zarte Frau und das imposante Kircheninstrument auf der Empore der Propsteikirche St. Kornelius verschmelzen im Spiel zu einer stimmigen Einheit.

„Quis cantat, bis orat“ – „Wer singt, der betet doppelt“ – diese lateinische Aussage wird dem Kirchenvater Augustinus von Hippo (354-430 n. Chr.) zugeschrieben und Rücker hat sie sich zum Motto gemacht, verwirklicht sie für sich in ihrem Orgelspiel: „Kirchenmusik ist eine schöne Verbindung von Glaube und Musik, die es ermöglicht, das Unaussprechliche auf eine emotionale Ebene zu tragen.“ Die 28-Jährige aus der Musikstadt Leipzig ist seit dem 1. April neue Kantorin und Kirchenmusikerin der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Kornelimünster/Roetgen.

Nachwuchsarbeit

Die Stelle, die Rücker in der GdG besetzt, ist neu. Sie soll ein strukturelles Bindeglied bieten für die Kirchenmusiker der Gemeinden. Rücker wird damit Ansprechpartnerin für die ehrenamtlich engagierten Chorleiter, soll sich um die Nachwuchsförderung in Kirchenchören und um die Instandhaltung der Instrumente kümmern. Außerdem wird die junge Musikerin nach einigen Monaten der Einarbeitung mit dem scheidenden Kantor Marco Fühner ab September die Kantorei Kornelimünster betreuen. Ein breites Aufgabenfeld, auf das sie sich freut: „Es ist eine Sanierung der Orgel in St. Kornelius nötig, das wird spannend.“

Auch freue sie sich auf die Arbeit mit den Kindern. Bereits während ihres Studiums begleitete Rücker Kinder- und Jugendchöre und leistete Nachwuchsarbeit in Kindergärten.

Derzeit besucht sie nach und nach die neun Gemeinden und zwei Ordensgemeinschaften der GdG, lernt die Chorleiter kennen und spielt in den Kirchen. „Ich liebe die weichen zarten Töne der Orgel, aber auch die richtig lauten. Die Orgel hat eine unglaubliche Kraft, die Körper und Raum erfüllt.“

Leipzig, ihre Heimat, ist unter anderem bekannt als Wirkungsort für Musiker wie Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann, und als Geburtsort von Hanns Eisler und Richard Wagner. Aus einer typischen Musikerfamilie stammt die junge Kantorin aber nicht. Es gibt einige Hobbymusiker bei den Rückers, der Vater spielt Trompete. Außerdem gab es ein Klavier im Haus. „Ansonsten hatten wir die typische Blockflöte. Aber eines Tages saß ich an einer Orgel.“

Genauer: Mit zwölf Jahren erhält sie ihren ersten Orgelunterricht. Noch im selben Lebensjahr darf sie einzelne Stücke und schließlich eine ganze Messe spielen. Etwa drei Jahre später wird sie in der Nachwuchsförderklasse der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig unterrichtet. Ehrfürchtig, sagt sie, lief die damals 15-Jährige durch die Flure der Hochschule.

„Trotz des Unterrichts und der Liebe zur Musik habe ich eine ganz normale Jugend durchlebt“, sagt Rücker und will damit wohl auch mit den gesellschaftlichen Vorurteilen vom Stereotyp Musikbegabte aufräumen. „Es ist nicht so, als hätte ich mein Leben lang nichts anderes gemacht, als am Instrument zu proben.“ Auch, weil Orgeln nicht wirklich im eigenen Zuhause unterzubringen sind.

Die Welt erkunden

Als sie schließlich ihr Abitur machte, fühlte sie sich an der Hochschule bereits heimisch und entschied sich dort ihren Bachelor in Kirchenmusik zu absolvieren. Das Grundstudium sowie das A-Diplom, das sie an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar begann, beinhalten neben der Ausbildung am Instrument unter anderem auch Psychologie, Pädagogik und Orchesterleitung. Jetzt steht sie kurz vor ihrem Abschluss – und will die Welt erkunden. Deshalb hat sie sich auf die Stelle in Aachen beworben.

Das bedeutet für sie aber auch einen kompletten Neuanfang, eine Stadt in der sie niemanden kennt, die kulturelle Unterschiede zu ihrer Heimat in sich trägt – und nicht zuletzt, auf der anderen Seite von Deutschland liegt. „Ich wurde in Aachen außergewöhnlich herzlich empfangen. Meine Arbeitskollegen und auch die ehrenamtlich engagierten Mitglieder der GdG unterstützen mich sehr.“

Neugierig guckt sie sich um, während sie erklärt, dass sie sich auch darauf freut, die regionalen Gepflogenheiten der Glaubensäußerung kennenzulernen. „Der katholische Glaube wird in verschiedenen Gebieten unterschiedlich gelebt.“

In Ostdeutschland seien katholische Gemeinden eher überschaubar, sagt Rücker. Geschichtlich geht das auf eine evangelische Mehrheit und schließlich auf die restriktive Religionspolitik der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zurück. Aber Rückers Familie ist in ihrer Gemeinde engagiert. Ihr Vater spielte auch mit einer Musikgruppe in der Messe Trompete. „Ich war damals vier oder fünf Jahre alt und durfte mit auf die Empore klettern.“ Von dort aus habe sie alles genau beobachtet, die Musiker und den Organisten... „Das hat mich sehr geprägt.“

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