Klappe: Theaterstars stehen vor der Kamera

Von: Günter H. Jekubzik
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Regisseur Kolja Malik ist mittendrin im Filmdreh im „Hotel Europa“. Trotz der großen Menge an Komparsen läuft der Dreh seines Films „Und am Ende sind alle allein“ in entspannter Atmosphäre ab. Foto: Günter H. Jekubzik

Aachen. Lautloser Jubel, stummes Einklatschen und die unüberhörbar nicht hörbare Publikumsmenge. Klingt nach surrealer Kunstaktion oder Pantomime, ist aber der ganz normale Wahnsinn eines Filmsets. Da singt Eva Lothar mit einer Stimme, die umgehend Gänsehaut macht, ein wehmütiges Lied.

Man kennt sie eigentlich als Nadine Kiesewalter vom Theater Aachen. „Die Beduinen des Westens“, ein besonders kreatives Film-Kollektiv aus Aachen und Trier drehte mit ausgesuchter Beteiligung aus Theater-Kreisen im „Hotel Europa“ eine Kneipen-Episode, bei der die Menge still sein musste, damit der Dialog sauber ins Mikro kommt. Der junge Regisseur Kolja Malik setzte Stars und Komparsen für sein Langfilm-Debüt „Und am Ende sind alle allein“ in Szene.

„Fünf Menschen begegnen sich in einer Stadt und erleben einen Trip durch eine Nacht. Fünf Menschen in einer undurchsichtigen, haltlosen Realität.“ So beschreibt Kolja Malik, im letzten Jahr Regie-Assistent im Mörgens, seinen abendfüllenden Film über diese Nacht. An der exzessiven Suche einer Handvoll Personen beteiligen sich als Hauptdarsteller unter anderem Nadine Kiesewalter, Emilia Rosa de Fries und Robert Seiler, drei junge Shooting-Stars vom Theater Aachen. Es fehlt nur noch die Szenen-Finanzierung über das populäre Crowd-Funding, damit der Film fertig gestellt werden kann.

Dass der Schritt von der Bühne vor die Kamera ein großer ist, weiß auch Nadine Kiesewalter. Erst kürzlich sah man sie eindrucksvoll in einer Dreifach-Rolle beim Abschiebe-Drama „Deportation Cast“, jetzt ist sie für „Und am Ende...“ der bekannte Filmstar Eva Lothar, der in einer Szenekneipe spontan ein sentimentales Lied gibt. Der Südstraßen-Club „Hotel Europa“ ist als Kulisse original und originell. Die Besetzung mit Crew und Komparsen könnte man hier auch an normalem Abend finden. Lothar klingt übrigens nicht zufällig nach der kürzlich verstorbenen Susanne Lothar, wie der Regisseur und Autor verrät.

„Mehr als nur spielen“

Im „Filmstar, der verbrennt“, hat sich die aus „Die Präsidentinnen“ bekannte Kiesewalter nicht wiedererkannt, auch wenn die Rolle speziell für sie geschrieben wurde und sie dazu bei der Entwicklung des Drehbuchs selbst mitarbeitete. Sie will „mehr als nur Spielen“, interessiert sich auch für Schnitt und Drehbuch. Im „Hotel Europa“ mit dabei ist auch ihr Kollege Robert Seiler, der Tschick aus dem Mörgens-Dauerbrenner „Tschick“. Im Film erkundigt er sich als Gast für die bejubelte Schauspielerin am Mikrophon. Für diesen Dialog mussten Band (mit Theatermusiker Malcolm Kemp) und Publikum so pantomimisch agieren. Dritter Bühnenstar vom Theater Aachen ist Emilia Rosa de Fries, die gerade für ihre Hauptrolle in „Der Gute Mann von Sezuan“ bejubelt wurde. Kolja Malik, Bruder der Schauspielerin Julia Malik, die zuletzt bei „Konfetti!“ am Theater Aachen gastierte, schrieb sein erstes Drehbuch schon mit elf Jahren. 2009 belegte er mit dem Dreiminüter „Beduinen des Westens“ den ersten Platz beim Deutschen Jugendvideopreis. 2012 folgte der 50 Minuten lange Film „Burn it down“, der in Programmkinos zu sehen war.

Der für einen Filmdreh mit Komparsen sehr entspannte Abend im „Hotel Europa“ machte nicht nur neugierig auf den fertigen Film. Er zeigte jetzt schon eine erstaunliche Fertigkeit des Teams um Kolja Malik. Eva Lothars Begrüßung der Band wird zwei-, dreimal geprobt, dann ebenso wenige Aufnahmen und eine Kontrolle auf dem Monitor. Gut, nächste Szene. In diesem Tempo geht es noch ein paar Wochen weiter, bevor der Filmschnitt beginnt – wegen der Theater-Schauspieler meist nur an den Wochenenden. Nadine Kiesewalter will auch dort dabei sein. Wenn die Finanzierung über das Crowd-Funding gelingt, können wir noch dieses Jahr sehen, wie es mit Eva Lothar weitergeht.

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