Aachen - Klagen über Auswüchse am Löhergraben

Klagen über Auswüchse am Löhergraben

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
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Anwohner und Geschäftsleute des Löhergrabens haben die Nase gestrichen voll von den Auswüchsen, die durch junge Leute in dem Durchgang zur Paugasse verursacht werden. Foto: Heike Lachmann

Aachen. „Die Lebensqualität hat sich immens verschlechtert”, schreiben zwei Hausbesitzerinnen vom Löhergraben. Sie schildern die Missstände in einem Schreiben an Oberbürgermeister Marcel Philipp.

Dieser habe schließlich vor seiner Wahl versprochen, dass Aachen sauberer würde. „Vor und hinter unserem Haus in der Paugasse treibt sich täglich am frühen Abend - oft bis spät nachts - eine Horde Jugendlicher herum. Diese Jugendlichen grölen, randalieren, spucken auf den Bürgersteig und in unsere Hauseingänge, werfen ihren Müll auf die Straße und stellen sich mit ihren dreckigen Schuhen auf die Sitzbänke in der Paugasse. Spricht man die Jugendlichen an, bekommt man nur freche Antworten zu hören und muss sich beleidigen lassen.”

Die Polizei könne keine dauerhafte Lösung bereitstellen, allenfalls punktuelle Hilfe leisten, auch das über die Missstände informierte Ordnungsamt könne nicht für eine dauerhafte Abhilfe sorgen. Bewohner des Mehrfamilienhauses Löhergraben und Geschäftsleute bestätigten am Dienstag den „Nachrichten” die Feststellungen der Briefschreiberinnen. Viele wollen nicht mit ihrem Namen auftauchen, weil sie Angst vor Repressalien haben. Etwa eine Physiotherapeutin, deren Patienten unter den Zuständen leiden: „Die Jugendlichen stehen in den Eingängen und lassen die Leute nicht durch. Das ist denen sehr unangenehm.”

Ein 44-jähriger Mieter, seit 16 Jahren in der Ecke wohnend, überlegt gar umzuziehen: „Die Leute haben Angst durchzugehen. Das Wohnviertel ist nicht mehr so, wie es einmal war.” Arno Kallfelz, Inhaber des Reisebüros in dem Durchgang, in dem sich die Jugendlichen meist treffen, verfolgt die Entwicklung seit 13 Jahren: „Wir sitzen hier und sehen das fast jeden Tag.” Es handele sich um bis zu 20 junge Leute im Alter von 12 oder 13 Jahren bis zu Mitte 20. „Man bittet sie, die Türe freizuhalten, doch zwei Minuten später stehen sie wieder da. Viele Menschen trauen sich nicht mehr durch.”

Corinna Krauthausen vom benachbarten Fotostudio ärgert sich vor allem darüber, dass sie ja nun versucht, in der Passage ihren Lebensunterhalt zu verdienen: „Man fühlt sich alleingelassen.” Ein weiterer Geschäftsmann, seit 16 Jahren dort ansässig: „Es gab schon mehrere Generationen Jugendliche hier, mit jeder wird es schlimmer.” Vor Weihnachten sei sogar eine Scheibe eingeworfen worden, von wem auch immer. In der Paugasse kämen noch Alkoholkranke mit Hunden hinzu, die ebenfalls für Störungen sorgten: „Die Lautstärke ist das Schlimmste.”

Arno Kallfelz findet es nicht in Ordnung, dass die Anwohnerinnen auf ihren Brief vom Oktober 2010 keine Resonanz bekommen haben, nicht mal einen Eingangsstempel. „Auf so einen Brief überhaupt nicht zu reagieren, ist ein Unding. Der OB soll einmal hierherkommen.” Wenn das Ordnungsamt verständigt werde, käme das auch, „aber dann sind die weg”.

Situative Zusammenrottung

Diese Beobachtung bestätigt Detlev Fröhlke, Leiter des Fachbereich Sicherheit und Ordnung: „Wenn wir kommen, ist es meist vorbei.” So spricht er von „situativen Zusammenrottungen”, bei denen es nicht zu eklatanten Auswüchsen oder Verstößen komme. Allerdings gehe man den Hinweisen permanent nach, „damit sich nichts Neues entwickelt”. Die Konfrontation sei nicht immer angenehm, „weil es so viele sind”.
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