Kita: Umstrittenes Investorenmodell auf dem Prüfstand

Von: Gerald Eimer
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Blick auf den Veltmannplatz: In den Gebäuden im Hintergrund ist auch die Kita Kreuzherrenstraße untergebracht. Die Stadt will sie an einen Investor verkaufen, die Politik ist skeptisch. Foto: Harald Krömer

Aachen. Aachens Kinder- und Jugendpolitiker haben die Entscheidung über einen Neubau der Kita Kreuzherrenstraße zurückgestellt. Grund sind die hohen Kosten, die auf die Stadt durch ein umstrittenes Investorenmodell zukommen könnten. Die Angst ist offenbar groß, dass sich private Investoren den Mangel an Kita-Plätzen durch ein lukratives Geschäftsmodell zunutze machen könnten.

Im aktuellen Fall geht es um die Pläne des katholischen Trägers, die stark sanierungsbedürftige Kita der Pfarre Heilig Kreuz abreißen und neu bauen zu lassen. Derzeit werden dort in drei Gruppen 65 Kinder ab drei Jahre betreut.

Der Fortbestand sei gefährdet, fürchtet der Fachbereich Kinder, Jugend und Schule. Denn wegen der jetzigen räumlichen Situation könne sie einerseits keine U3-Plätze anbieten, andererseits auch nicht die sehr gefragten höheren Stundenkontingente für Ü3-Plätze erbringen.

Schwere Vorbehalte

So wird seit geraumer Zeit über Lösungsmöglichkeiten nachgedacht. Eine hat der Aachener Investor Norbert Hermanns gemeinsam mit dem zuständigen Pfarrer Franz Josef Radler erarbeitet.

Hermanns, dessen Landmarken AG in unmittelbarer Nachbarschaft von Heilig Kreuz eine studentisch ausgerichtete Wohnanlage errichtet, will das Kita-Grundstück der Gemeinde abkaufen, eine neue Kita bauen und diese an den Träger vermieten. Große Teile der Mietkosten müsste dann freilich die Stadt übernehmen, weil dem Träger das Geld fehlt.

Diskutiert wurde das Modell bisher nur nichtöffentlich, nach „Nachrichten“-Informationen gibt es jedoch fraktionsübergreifend schwere Vorbehalte – aus mehreren Gründen. So würde die neue Kita nach den jetzt vorliegenden Plänen 15 Plätze weniger haben als bisher: Etwa 14 bis 16 für Unterdreijährige und 34 bis 36 für Überdreijährige.

Schon dies wird von den Politikern kritisch gesehen, da es in dem Bereich eine Unterdeckung bei Ü3-Plätzen gibt. Dass im Gegenzug auch noch die Kosten für die Stadt steigen, bereitet zusätzliche Bauchschmerzen. Denn die Miete würden der Stadt jährliche Mehrkosten von anfangs gut 82.000 Euro bescheren.

Da der Investor eine Laufzeit von mindestens 20 Jahren vereinbaren will, summieren sich die Mehrausgaben für die Stadt auf knapp 1,9 Millionen Euro.

Angesichts solcher Zahlen mussten bei den ersten Beratungen im Kinder- und Jugendausschuss alle Politiker mächtig schlucken. Ungewöhnlich hoch sei sowohl die Miete angesetzt, ungewöhnlich lang zudem der Mietvertrag. Umsomehr wunderten sich einige über das positive Votum der Verwaltung für dieses Modell.

„Es müssen für alle dieselben Regeln gelten“, erklärte dazu Oberbürgermeister Marcel Philipp, der in die Debatte selbst eingegriffen hatte und seinerseits eine erste – kritischere – Fassung nochmals überarbeiten ließ.

Tatsächlich gibt es bereits Beispiele für solche Investorenmodelle: an der Krefelder Straße und im Drimborner Wäldchen. Doch beide seien nicht vergleichbar, meinen die Politiker. Im ersten Fall seien die Anforderungen an die Räumlichkeiten wegen der inklusiven Ausrichtung außergewöhnlich hoch, im zweiten seien die Konditionen für die Stadt deutlich günstiger.

Umbau günstiger?

Und so sperren sie sich vorerst noch, an der Kreuzherrenstraße Fakten zu schaffen, die dem Investor eine langfristig sichere Rendite versprechen, die die Stadt aber teuer zu stehen kommen könnten.

„Das Beispiel darf nicht Schule machen“, heißt es. Und: „Das muss noch mal gründlich durchgerechnet werden.“

So liegt der Ball nun wieder bei der Verwaltung, die nun darlegen soll, ob ein sogenannter Umbau im Bestand letztlich nicht doch günstiger ist.

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