Aachen - Kita-Alltag: Einmal ins Provisorium und wieder zurück

Kita-Alltag: Einmal ins Provisorium und wieder zurück

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:
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Ab in die Kiste: Die Kita-Kinder aus der Düppelstraße haben beim Umzug kräftig mit angepackt: Mittlerweile ist ihre Kindertagesstätte im Pavillon an der Barbarastraße eingerichtet. Foto: Harald Krömer
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Auch das Außenspielgelände ist ganz neu angelegt worden: Die Pavillonmodule an der Schagenstraße in Brand sind das Zuhause auf Zeit für die Kita Franz-Wallraff-Straße. Foto: Harald Krömer
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Der Pavillon an der Barbarastraße in Rothe Erde: Hier ist gerade die Kita Düppelstraße eingezogen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Fürs Team war es ein Kraftakt, für die Kinder wahrscheinlich ein riesiger Spaß. In der Kindertagesstätte Düppelstraße haben alle miteinander fleißig Kisten gepackt. Denn ihre Kita ist umgezogen. Für viele Monate spielen und lernen die Kinder nun in einem Provisorium.

Ihr Kindergarten, das ist nun ein Pavillonbau an der Barbarastraße in Rothe Erde. Die Kita-Kinder aus der Düppelstraße sind nicht die ersten – und sicher nicht die letzten –, die vorübergehend „ausgelagert“ werden. Denn größere Ausbau-, Umbau- und Sanierungsprojekte in ihren Kitas packt die Stadt Aachen nicht mehr im laufenden Betrieb an.

Lärm, Dreck und auch die Gefahren einer Großbaustelle sind Kindern, Erzieherinnen und Eltern eigentlich nicht zuzumuten. Das haben Erfahrungen mit Umbauten in einigen städtischen Kitas gezeigt. „Baustelle und Kita, das passt nicht wirklich zusammen. Das bringt so viele Probleme, dass auch ein eingeschränkter Betrieb nicht zu empfehlen ist.“ Sabine Fischer, Abteilungsleiterin Kitas, OGS und Tagespflege bei der Stadt, sagt das aus Erfahrung.

Das ehrgeizige Kita-Ausbauprogramm für die Betreuung der unter Dreijährigen macht zudem wirklich große Projekte nötig. In manchen alten Kindergärten bleibt kaum ein Stein auf dem anderen. So etwas kann man nicht bauen, wenn die Kinder quasi auf der Baustelle spielen. Deshalb wird nun ausgelagert. Mehr als 400 Kita-Kinder haben für viele Monate die vertraute Umgebung verlassen oder haben diese Aktion noch vor sich. Für den Transport der Kleinen organisiert die Stadt bei Bedarf auch einen Bus-Shuttle.

Gleich mehrere Ausweichquartiere hat die Stadt Aachen derzeit in Betrieb: den Pavillon-Bau in Rothe Erde, einen weiteren an der Schagenstraße in Brand und dazu noch das große Schulgebäude an der Franzstraße, dort wo bis letztes Jahr die Klaus-Hemmerle-Schule arbeitete. In der früheren Grundschule am Kronenberg (Händelstraße) ist zudem aktuell die Kita Kronenberg vorübergehend untergekommen. Billig ist das nicht. Allein die Herrichtung der Schule Franzstraße als Kita auf Zeit hat deutlich mehr als eine halbe Million Euro verschlungen.

Karin Brüßeler, die Leiterin der Kita im Farwickpark (offizielle Adresse: Passstraße 123), arbeitet mit ihren Kleinen schon seit einem Jahr in der Franzstraße, während im Farwickpark eine neue und deutlich größere Kita für dann fünf Gruppen gebaut wird. Brüßeler ist sehr angetan vom Ausweichquartier an der Franzstraße. „Helle, freundliche Räume haben wir da“, sagt sie. Die ehemaligen Schulflure seien zwar riesig lang, ließen sich aber prima nutzen: Hier können die Kinder mit allerhand Fahrzeugen Geschicklichkeit, Balance und Motorik trainieren.

Brüßeler sieht die Sache pragmatisch: Man müsse das Beste machen aus so einem Übergangsquartier. „Und wenn das Team eine positive Grundeinstellung hat und das den Eltern vermittelt, dann lässt sich sogar ein Umzug mit all seinem Stress bewältigen.“ Mit den Kindern hat das Team den Umzug spielerisch intensiv vorbereitet.

Natürlich ist so ein Provisorium immer ein Kompromiss. Die Kita Farwickpark ist aus dem idyllischen Stadtpark mitten in die City gezogen. Sie hat das große Schulgebäude auch nicht für sich. Neben der städtischen Musikschule, die das Ausweichquartier mittlerweile schon wieder verlassen hat, fand auch die Kita Bergstraße an der Franzstraße vorübergehend ein Zuhause. Denn an der Bergstraße wird ebenfalls heftig ausgebaut.

Die Kita Passstraße soll wahrscheinlich im Mai 2015 in die dann neuen Kita-Räume im Farwickpark ziehen. Die Kita Bergstraße wird wohl noch etwas länger an der Franzstraße bleiben. Archäologische Funde haben die Bauarbeiten verzögert. Für den Umzug hat man nun den Sommer 2015 ins Auge gefasst.

Für die Pavillons gibt es einen straffen Zeitplan. Die Kinder aus der Düppelstraße gaben sich hier quasi die Klinke in die Hand mit ihren Vorgängern aus der Alfons-Gerson-Straße. Diese Kita ist vor kurzem zurück nach Kornelimünster gezogen, nachdem das Gebäude wegen Geruchsbelästigungen umfangreich saniert wurde. Die Kinder aus der Düppelstraße werden nach dem jetzigen Zeitplan rund anderthalb Jahre an der Barbarastraße bleiben.

Im Pavillon-Komplex an der Schagenstraße spielen seit Sommer 2013 die Kinder aus der Kita Franz-Wallraff-Straße in Brand, die wegen Feuchtigkeitsschäden saniert wurde. Kinder und Erzieherinnen allerdings werden wahrscheinlich noch rund anderthalb Jahre länger im Behelfsbau an der Schagenstraße bleiben.

Bezogen wird das Gebäude an der Franz-Wallraff-Straße stattdessen gerade von der Kindertagesstätte Aachener Straße, die für fünf Gruppen ausgebaut wird. Hintergrund dieser eher ungewöhnlichen Lösung: An der Franz-Wallraff-Straße sei in der Vergangenheit schon reichlich saniert worden, um der Feuchtigkeit auf die Spur zu kommen, erklärt Sabine Fischer. „Das Team war durch diese Maßnahmen massiv belastet.“ Deshalb soll die Kita erst zurückziehen, wenn sicher ist, dass kein Wasser mehr durchkommt und nicht noch mal alles aufgerissen werden muss. Bis dahin werde der Untergrund über eigens angelegte Betriebsschächte genau beobachtet, so Fischer.

Der U3-Ausbau in Aachen muss weiter vorangetrieben werden. Schließlich soll demnächst für 50 Prozent der unter Dreijährigen ein Betreuungsplatz zur Verfügung stehen. Über weitere Projekte berät demnächst die Politik. Fest steht allerdings: Das Schulgebäude an der Franzstraße steht auf Dauer als Ausweichquartier nicht zur Verfügung. Im Rahmen eines Wettbewerbs soll das Grundstück für Wohnbebauung entwickelt werden. Und an der Barbarastraße steht der Kita-Pavillon auf einem Grünstreifen, der eigens im Rahmen der Stadtteilerneuerung angelegt wurde. Auch dort ist ein Dauer-Provisorium eigentlich nicht gewollt.

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