Aachen - Kino im Dialog: „Im Alltag ist das Zusammenleben kein Problem“

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Kino im Dialog: „Im Alltag ist das Zusammenleben kein Problem“

Von: Martina Stöhr
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Im Anschluss an den Spielfilm „Gabrielle – (k)eine ganz normale Liebe“ diskutierten Rudolf Klemm, Nicole Schröder sowie Frank Marx von der Lebenshilfe und Moderator Achim Kaiser (v.l.).

Aachen. „Ich will in einer eigenen Wohnung leben wie du. Ich will selbst über mein Leben entscheiden wie du.“ Das sagt Gabrielle in dem kanadischen Film „Gabrielle - (k)eine ganz normale Liebe“ zu ihrer Schwester. Und macht in diesen kurzen Sätzen das Dilemma ihrer Existenz deutlich.

Gabrielle ist Anfang 20 und leidet unter dem Williams-Beuren-Syndrom, einer geistigen Behinderung. In der Therapiegruppe lernt sie Martin kennen. Sie singen gemeinsam in einem Chor und bereiten sich voller Leidenschaft und Hingabe auf ihren großen Auftritt mit einem bekannten Sänger vor. Die außergewöhnliche Begabung für die Musik ist ein Merkmal ihrer Krankheit.

Gabrielle und Martin verlieben sich leidenschaftlich, stoßen aber auf den Widerstand vor allem von Martins Mutter. Der Traum von Unabhängigkeit und einer eigenen Wohnung durchzieht den Film wie ein roter Faden. Gabrielle versucht zu beweisen, dass sie selbstständig und unabhängig ist, stößt dabei aber schnell an ihre Grenzen. Immerhin aber kommen Martin und sie trotz aller Widerstände zusammen.

Wie es mit den beiden weitergeht, lässt der Film der Regisseurin Louise Archambault allerdings offen. Deutlich wird in jedem Fall, dass es Menschen mit Behinderung oft nicht leicht haben, wenn es um ihre Selbstverwirklichung geht.

Andere Erfahrung

Eine ganz andere Erfahrung haben Nicole Schröder (40) und Rudolf Klemm (58) aus Aachen gemacht. Beide arbeiten in Haaren in der Werkstatt für Behinderung, und seit September des vergangenen Jahres leben sie in einer eigenen Wohnung und werden dabei von der Lebenshilfe betreut. Bei ihnen sei es ganz anders gewesen als im Film, meinte Nicole Schröder, als Moderator Achim Kaiser, Lokalchef der „Aachener Nachrichten“, das Paar nach der Projektion des Films im Apollo in der Pontstraße zu ihren Erfahrungen befragte.

Nicole hat ihren Rudolf im Haus Wildbach, einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung, kennengelernt. Es hat schnell gefunkt zwischen den beiden, und die Lebenshilfe stellte ihnen daraufhin eine Trainingswohnung zur Verfügung. „Das Zusammenleben war nie ein Problem“, sagte Rudolf Klemm, und Betreuer Frank Marx konnte das nur bestätigen. Nicole Schröder und Rudi Klemm bekommen Unterstützung im Haushalt und auch bei der Freizeitplanung.

Beide brennen für den Karneval und sind bei den KG Nachteulen aktiv. Sie machen vieles gemeinsam, gehen aber auch schon mal getrennte Wege. Der Film hat beiden gut gefallen, und Betreuer Frank Marx konnte sich diesem Urteil nur anschließen.

„Ich fühlte mich als Pädagoge angesprochen“, sagte er. Der Film habe die Facetten der Probleme von Menschen mit Behinderung sehr gut nachgezeichnet. Gabrielle habe ihre Wünsche und Bedürfnisse klar äußern können, und das sei nicht immer der Fall. Auch beim Publikum kam der Film gut an. Die Lebensfreude von Gabrielle wirkte dabei ebenso ansteckend wie ihre Begeisterung für die Musik. Man konnte einfach nicht anders, als den beiden ein selbstbestimmtes Leben in einer eigenen Wohnung zu wünschen.

Der Film „Gabrielle – (k)eine ganz normale Liebe“ läuft bis zum 30. April jeweils um 18.45 Uhr, am 27. April auch um 14 Uhr.

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