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Kindersparkasse: Voller Stolz auf das erste eigene Sparbuch

Von: Elisa Zander
Letzte Aktualisierung:
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Endlich ein eigenes Sparbuch: Bereits am ersten Tag brachten 100 Kinder ihr Erspartes auf „die Bank”. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Wie in einem Hollywoodstreifen mit Gangstern und Knarren schlich Yannik (8) mit seinen zwei Bodyguards durch die Königsberger Straße.

Seine Großeltern, passend mit Mütze, Trenchcoat und Schirm getarnt, begleiteten ihn und die gut versteckte blaue Spardose auf dem Weg von zu Hause bis in das Kinder- und Jugendbegegnungszentrum Offene Tür (OT) „Driescher Hof”.

Da waren die hart ersparten 20 Euro dann sicher: Denn dort eröffnete Yannik wie auch rund 100 weitere Kinder an diesem Nachmittag sein erstes Sparbuch.

Das am Freitag umgesetzte Projekt „Kindersparkasse” in der OT Driescher Hof ermöglicht Kindern, Geld auf ein eigenes Sparbuch einzuzahlen, zu sparen und bis zu einmal täglich Geld abzuholen.

Die Initiatoren sahen eine besondere Notwendigkeit, da viele der Kinder im Umgang mit Geld nicht geübt seien, wie Jürgen Gerhards pädagogischer Mitarbeiter der OT Driescher Hof und Projektleiter der „Kindersparkasse” erklärt.

„Manchmal wollen Kinder sich hier etwas für einen Euro am Kiosk kaufen. Doch sie haben drei Euro dabei und wissen nicht, was sie mit dem restlichen Geld tun sollen.” Häufig gäbe es zu Hause nicht einmal eine Spardose.

Wichtig ist den Betreuern dabei vor allem, ein Gespräch mit den Kindern über die Notwendigkeit des Geldeinsatzes zu führen.

Unterstützt wird das Zentrum bei der Aktion von der Sparkasse Aachen, die die speziell angefertigten Sparbücher und Karten bereitgestellt hat. Die Geschäfsstellenleiterin Michaela Mertens versprach den Kinder sogar einen Besuch in der Filiale.

So real wie möglich

Die Bücher, auf denen der aktuelle Kontostand eingetragen und ein Kennwort vermerkt wird, verbleiben in der OT. In einem separaten Raum, dem „Bankschalter”, können die Kinder mit den kleinen roten Konto-Karten Geld abheben. „Wir wollen die Situation so real wie möglich gestalten, um den Kindern auch die Wichtigkeit zu vermitteln”, fährt Jürgen Gerhards fort.

Toll war für die Kinder insbesondere, dass sich bereits ein „Startguthaben” von einem Euro befand, finanziert durch eine Spende der Pfarrcaritas St. Katharina.

Zinsen gibt es für das verwahrte Geld nicht. Dafür ist es nicht nur wegen des Safes gut geschützt. Denn: „Die Eltern haben keinen Zugriff auf das von den Kindern angesparten Geld ”, erzählt die Leiterin der OT Driescher Hof Sandra Jansen. Diese könnten lediglich den Kontostand erfragen.

Ob die Betreuer befürchten, dass die Eltern das Geld der Kinder veruntreuen würden? „Wir möchten dem in jedem Fall vorbeugen”, gibt Jürgen Gerhards an. Käme man in die Situation, dass das Konto des Kindes leer ist, ohne dass die Eltern mit ihrem Nachwuchs darüber gesprochen haben, wäre auch das Vertrauensverhältnis zwischen Kind und den Betreuern der OT zerstört.

Das Projekt „Kindersparkasse” ist einer von vier Bausteinen des neuen Bildungsprojekts „Fit for Life” der OT, in dem sowohl Kinder als auch deren Eltern integriert werden. Alle haben das Ziel, Kinder stark zu machen. Im Kursangebot „Ich bin stärker, als du denkst” werden das Selbstbewusstsein gestärkt und Möglichkeiten zur Gewaltvermeidung vermittelt.

Das Projekt „Obstkorb und Agil” fördert gesunde Ernährung sowie Bewegungsaktionen. Der dritte Baustein umfasst Angebote für Eltern.

Anmeldungen vor Ort

Für das Angebot „Starke Eltern, starke Kinder” können sich interessierte Eltern aus der Umgebung Königsberger Straße noch vor Ort oder unter 0241/528448 anmelden.

Weitere Elternabende zu verschiedenen Themen befinden sich in der Vorbereitung. Hierzu wurden bereits im Voraus die Eltern nach ihren Interessen befragt, mit dem Ergebnis, dass bereits im Oktober das erste Projekt startet.

Unter dem Motto „Starke Eltern, starke Kinder” und in Kooperation mit dem Kinderschutzbund wird Eltern die Möglichkeit eröffnet, die eigene Erziehungskompetenz zu stärken. Es werden Fragen und Probleme aufgegriffen, um sich dann gemeinsam mit den Teilnehmern zu eruieren.

Doch um Erziehungskompetenz und gesunde Ernährung macht Yannik sich erst mal keine Gedanken. Er ist froh und stolz auf sein erstes eigenes Sparbuch.
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