Sing Kino Freisteller

Kinderschutzbund bringt Projekt Akisia auf den Weg

Von: Martina Stöhr
Letzte Aktualisierung:
akisia_bu
Akisia hilft Kindern psychisch kranker Eltern: Das Projekt des Kinderschutzbundes wurde jetzt vorgestellt, von links Andrea Weyer, Johannes Jungbauer, Petra Kleinen, Vera Magolei und Alfred Köster. Foto: Harald Krömer

Aachen. Kinder psychisch kranker Eltern sind häufig auf sich allein gestellt. Während die einen früh Verantwortung übernehmen und alles Erdenkliche tun, um die Situation zu meistern, reagieren andere mit Aggressionen und auffälligem Verhalten. Oder sie werden ebenfalls krank an der Seele.

Fest steht: Sie alle leiden und haben kaum Gelegenheit, über ihre Situation zu sprechen, weiß Vera Magolei. Sie ist Projektleiterin von Akisia, einem Modellvorhaben unter Federführung des Kinderschutzbundes, das den betroffenen Familien jetzt gezielt helfen will.

„Solche Ansätze hat es früher schon häufiger gegeben”, sagt Professor Johannes Jungbauer von der Katholischen Hochschule (Katho), die das Projekt wissenschaftlich begleiten wird. Neu sei aber die konsequente Vernetzung aller betroffenen Institutionen und die Einrichtung einer zentralen Stelle, wo alle Fäden zusammenlaufen. Und das Modellprojekt will die Familie als Ganzes in den Blick nehmen. „Das ist wegweisend”, meint Jungbauer.

Magolei: „Kinder erleben die Verhaltensauffälligkeiten ihrer psychisch erkrankten Mütter oder Väter unmittelbar mit, können sie aber nicht einordnen.” Daher seien sie verunsichert und desorientiert und sie könnten sich keine Hilfe holen, weil das Thema in den Familien oft tabuisiert werde. Akisia will die betroffenen Familien unterstützen und ihnen Antworten auf ihre Fragen geben. Gruppenangebote sollen einen Austausch der Kinder untereinander ermöglichen und eine altersangemessene Aufklärung über psychische Erkrankungen gewährleisten. Gleichzeitig will Akisia die Eltern entlasten. Eine adäquate Unterstützung und Beratung bei Erziehungsfragen kann letztendlich auch die Lebenssituation der Kinder verbessern.

Um möglichst viele Familien zu erreichen, kooperiert Akisia mit dem Alexianer-Krankenhaus, der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Uniklinikums und mit Ärzten und anderen Beratungsstellen. „Wir wollen ein niedrigschwelliges Angebot”, erläutert Vera Magolei. Wichtig sei, den Familien die Angst zu nehmen, damit sie offen über ihre Probleme sprechen und Hilfsangebote in Anspruch nehmen können. Geplant sind Einzelgespräche, Gruppenarbeit mit Kindern verschiedener Altersgruppen und Sprechstunden.

Die Initiatoren sind überzeugt, dass es in Aachen einen großen Bedarf an einem solchen Angebot gibt. Statistisch hochgerechnet gibt es in Aachen zwischen 1900 und 2600 betroffene Kinder; obwohl das Projekt erst jetzt offiziell startet, liegt schon eine ganze Reihe von Anfragen vor.

Akisia ist dank einer Anschubfinanzierung durch die Behindertenhilfe „Aktion Mensch” für drei Jahre gesichert. 70.000 Euro hat die Aktion zur Verfügung gesellt, weitere 20.000 Euro muss der Kinderschutzbund in Eigenleistung aufbringen. Spenden sind also willkommen. Betroffene Kinder und Eltern können jederzeit bei Akisia anrufen (0241/949940) und einen Termin vereinbaren. Wer ein ausführliches Gespräch wünscht, ruft mittwochs zwischen 15 und 16 Uhr unter der genannten Nummer an.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert