Aachen - Kinderkarneval steckt 50.000 Narren an

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Kinderkarneval steckt 50.000 Narren an

Von: Lee Beck
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Wenn et Trömmelche jeht: Mit fantasievollen Kostümen machten die jungen Jecken den Zug zu einer Augenweide.
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Genoss die Huldigungen seiner „Untertanen“: Märchenprinz Tim I. warf jede Menge Kamelle unter das Narrenvolk.
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Schulpolitik im Visier: Als „Bunte Vögel im Bildungsdschungel“ marschierte eine Fußgruppe des Gymnasiums St. Ursula mit im Kinderzug. Andere Gruppen widmeten sich der Bildungspolitik oder der Klassenstärke. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Wie sagte die Mutter von Märchenprinz Tim I., Silke Führen, noch gleich: „Mit Kindern Karneval zu feiern ist am schönsten.“ Das Fastelovvend-Fieber ist hochansteckend und der Kinderkarneval ganz besonders. Es war wie eine Epidemie, die am Sonntag von den 3000 Mitwirkenden beim Kinderzug ausging und die rund 50.000 Jecken aus der Region am Straßenrand erfasste. Die Symptome: Spaß, Freude und eine unermessliche Leidenschaft für den Karneval. Die Medizin: Klömpchere und Kamelle en masse, natürlich ohne Risiken und Nebenwirkungen.

Bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein konnte sich der Straßenkarneval prächtig entfalten. Groß und Klein, Alt und Jung, große und kleine Familien sah man am Straßenrand. Alle hatte die Fasteleer-Krankheit angesteckt. So war die fünfköpfige Familie Vieweg mit drei Kindern aus Stolberg angereist. Vor allem das Fußvolk beeindruckte sie. Der 20 Monate alte Sohn Simon durfte sein erstes Klömpche probieren, seine Geschwister buhlten um die meisten Kamelle.

„Spaßfaktor hoch drei“

Wolfgang Radermacher, Präsident des Ausschusses Aachener Kinderkarneval (Akika), und Prinz Thomas II. waren sich einig, dass vor allem die Auftritte der Schulen besonders hervorstachen. Die widmeten sich vor allem der Bildungspolitik. Als „Bunte Vögel im Bildungsdschungel“ traten über 100 Mädchen vom privaten St. Ursula-Gymnasium auf.

Auch die Offene Ganztagsschule am Lousberg als „Sardinen in der Büchse“ und das Rhein-Maas-Gymnasium (RMG) waren sich einig: 32 Schüler in einer Klasse sind zu viele, die Fördermittel für die Bildung der Zukunft des Landes viel zu gering. Zudem sehnte sich das RMG mit seinen „Wünschen aus 1001 Nacht“ auch zurück zum Abitur nach 13 Jahren.

„Spaßfaktor hoch drei“ nannte Wolfgang Radermacher dieses Phänomen, wenn Lehrer, Schüler und Eltern an einem Strang ziehen.

Die Viktor-Frankl-Schule warb mit einer großen Kuh für mehr „In-kuh-sion“. Und auch die Schwarz-Blauen Funken 1966 mit „Wir lieben Integration“ setzten ein eindeutiges Zeichen für die Gesellschaft. „Ja, so gehört sich der Karneval, die Schüler müssen sich darstellen und die Politik auf die Schippe nehmen“, kommentierte Radermacher die Auftritte.

Die Karnevalsgesellschaft Horbacher Freunde 1998 hatte gleich mehrere Dutzend Kinder in ein Kostüm gesteckt, zusammen bildeten sie eine über 50 Meter lange Raupe. „Da ist ja jedes Raupenglied schöner als das andere“, meinte Radermacher. Die Grundschule Am Höfling und die Viktoriaschule verkleideten sich zu Ehren des Märchenprinzen. Sie hatten ihre Kostüme ganz auf sein Motto „Janz Oche sengt an Worm än Pau met Märcheprenz än Meerjungfrau“ abgestimmt.

Vor 62 Jahren erfanden die Aachener den Kinderkarneval in Deutschland, und auch heute noch müssen sie sich keine Sorgen um den Nachwuchs machen, ist auch Prinz Thomas II. überzeugt. „Diese Treue ist einfach phänomenal“, lobte die Tollität 2013. Für ihn sind Märchenprinz Tim I., dessen Hofstaat und natürlich der Kinderzug in jedem Fall die Highlights der Session. Selbst Akika- Präsident Radermacher kam bei der Moderation am Elisenbrunnen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

„Alles lief rund“

Zum Glück warfen manche Gruppen auch gleich noch Tüten für all die Klömpchere und Kamelle. Manche kleinen und großen Jecken konnten ihre gesammelten Schätze nach dem Zug kaum tragen. Die Flut an Süßigkeiten, die auf die Narren herabregnete, war schier unermesslich.

Die ganze Epidemie verlief natürlich ohne Risiken und Nebenwirkungen: „Es war ein wirklich toller Zug. Im Gegensatz zum letzten Jahr konnten die Gruppen sich bei dem tollen Wetter auch richtig präsentieren“, freute sich Radermacher nach dem Zug. Auch Zugleiter Frank Prömpeler sprach vom perfekten Karnevalszug: „Es gab keine besonderen Vorkommnisse, alles lief rund.“

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