Kindererziehung: Tipps speziell für gehörlose Eltern

Von: Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:
gehoerlose_bu
Elternkurse speziell für gehörlose Eltern bietet der Kinderschutzbund an. Von links Diplom-Psychologin Christina Kefalidis, Andrea Weyer (Kinderschutzbund), Kursleiterin Asta Witte, Ulrike Merkelbach (Arbeitsgemeinschaft zur Förderung Hörgeschädigter) und Gebärdendolmetscherin Beate Grevenstein im Gespräch mit einem Vater. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Die grundsätzlichen Fragen sind immer die gleichen. Welche Werte sollten in die Erziehung des Kindes einfließen? Welche Bedürfnisse hat das Kind? Welche die Eltern? Und wie lassen sich Konflikte ohne Zank und Streit lösen?

Dennoch sprechen Andrea Weyer, Geschäftsführerin beim Kinderschutzbund, und Diplom-Psychologin Christina Kefalidis mit der neuen Variante ihrer Elternkurse „Starke Eltern, starke Kinder” eine spezielle Klientel an: Gehörlose. Denn durch die Behinderung der Eltern oder eines Elternteils ergeben sich besondere Schwierigkeiten - vor allem dann, wenn die Kinder die Behinderung nicht geerbt haben, was durchaus der Regelfall ist.

Eine Tendenz, die etwa Ulrike Merkelbach ausgemacht hat, ist das komplizierte Verhältnis zwischen Lehrern und Eltern. „Die Lehrer neigen stark dazu, sich an das Kind zu wenden, anstatt an die Eltern”, so die Geschäftsführerin der „Arbeitsgemeinschaft zur Förderung Hörgeschädigter”.

Das hat mit der Hemmschwelle zu tun, der Hörgeschädigte im Umgang mit Hörenden tagtäglich begegnen, kann auf Dauer aber zu einem Missverhältnis zwischen Kind und Eltern führen: Das Kind fühlt sich als Chef, weil die Eltern häufig auf sein Gehör und seine Übersetzung angewiesen sind. „Das Kind aber muss in der Kinderrolle bleiben”, stellt Christina Kefalidis klar.

Wertvoller Austausch

Wie sich dieses Ziel erreichen lässt, darüber wird Kursleiterin Asta Witte sich mit den Eltern auseinandersetzen - gemeinsam mit der Gebärdensprachdolmetscherin Beate Grevenstein, die die Bedürfnisse gehörloser Eltern nicht nur von Berufs wegen kennt (hierzu Infokasten). Einen weiteren großen Effekt versprechen sich die Macherinnen des Elternkurses durch das Gespräch unter den Gehörlosen selbst. „Die können sich schon untereinander jede Menge Tipps geben”, ist Andrea Weyer überzeugt.

Bedarf ist vorhanden - dafür sprechen schon die Anmeldungen, die nicht nur aus Aachen, sondern auch aus den benachbarten Kreisstädten beim Kinderschutzbund in den Briefkasten flatterten.

Und bei Christina Kefalidis bereits die Idee für die nächste Variante der Erfolgsgeschichte „Starke Eltern, starke Kinder” in Gang setzten: „Toll wäre ein gemischter Kurs, für Gehörlose und für Hörende.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert