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Kinder schuften den ganzen Tag im Steinbruch

Von: Werner Czempas
Letzte Aktualisierung:
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Prangern Missstände an: Jan Salzmann (terre des Hommes), die Steinmetze Karl Goffart und Ulrich Berhoff sowie Mona Pursey (Eine-Welt-Forum). Foto: Heike Lachmann

Aachen. „Mit ihren kleinen Fingern knüpfen sie die Teppiche, auf denen wir unsere Partys feiern”, mit diesem Zornesausbruch gegen Kinderarbeit rüttelte Bundesarbeitsminister a. D. Norbert Blüm vor ein paar Jahren seine Zuhörer in der Kirche St. Jakob bei einem Bericht über seine ostasiatischen Reiseerlebnisse auf.

Kinder knüpfen nicht nur Teppiche. Sie hauen mit ihren Händchen auch harten Stein. Darauf machen das Bündnis „Fairhandel(n) in Aachen” und Steinmetze aus der Städteregion aufmerksam.

Bündnis wie Steinmetze nutzen die novembertrüben Gedenktage, um menschenunwürdige Produktionsbedingungen in indischen Steinbrüchen anzuprangern. Grabsteine aus Indien würden teilweise mit Kinder- und Sklavenarbeit hergestellt, vor allem aber Granitsteine etwa für Küchenplatten, Außenfassaden, Pflaster, Garten- und Gehwegplatten, so Innungsobermeister Karl Goffart aus Monschau-Imgenbroich.

Sprecher von „Fairhandel(n) in Aachen” und der Obermeister wiesen deshalb im Steinmetzbetrieb Ulrich Berghoff auf die Organisation „Xertifix - Naturstein ohne Kinderarbeit” hin. Sie wird als starkes Bündnis getragen von Importeuren, Steinmetzen, Prominenten, Kommunen, der Gewerkschaft IG Bau und der Hilfsorganisation Misereor. An der Spitze engagieren sich als Vorsitzender Ex-Minister Norbert Blüm und als sein Stellvertreter Prof. Josef Sayer von Misereor.

Xertifix schildert in einem Faltblatt die entsetzliche Not der indischen Steinbruch-Kinder: mit ihren Eltern oder allein in Schilfhütten am Rand der großen Exportsteinbrüche lebend, in Schuldknechtschaft und wie Sklaven gehalten, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang schuftend, ohne Schutzkleidung (schwere Verletzungen und Verstümmelungen als Folge), krank werdend durch den feinen Steinstaub und durchgerüttelt an schweren Schlagbohrmaschinen.

Xertifix holt die Kinder aus ihrem Elend mit den oft tödlichen Gefahren heraus. Ermöglicht ihnen einen Schulbesuch, lässt sie einen Beruf erlernen. Auf der Grundlage einer UNO-Richtschnur ist es den Helfern möglich, Steinbrüche in Indien unangekündigt zu kontrollieren. Betriebe ohne Kinderarbeit erhalten das „Xertifix-Siegel”.

Mit dem Siegel wirbt das Bündnis in der deutschen Öffentlichkeit und garantiert: „Wenn Sie als Kunde einen Grabstein, eine Arbeitsplatte aus Granit für Ihre Küche oder Granitsteine für die Gartengestaltung kaufen wollen, fragen Sie zunächst Ihren Händler oder Steinmetz nach dem Xertifix-Siegel der Ware. Bei Waren mit diesem Siegel haben Sie die Gewissheit, dass in der gesamten Wertschöpfungskette in Indien, vom Steinbruch über die Weiterverarbeitung bis hin zum Transport zum Hafen, keine verbotene Kinderarbeit beteiligt war.”
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