Kibiz „in Reinform” bringt Brennpunkt-Kitas Nachteile

Von: Gerald Eimer
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Muss Personalkürzungen hinnehmen: Die Kita Weißwasserstraße in Rothe Erde ist eine der Einrichtungen, die in diesem Jahr die Folgen von Kibiz in Reinform zu spüren kriegt. Aus eigener Tasche will die Stadt personell nicht mehr nachbessern. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Gut drei Wochen vor Beginn des neuen Kindergartenjahres gibt es in vielen städtischen Tagesstätten erhebliche Unruhe.

Das Personalkarussell rotiert, Stundenkontingente werden völlig neu aufgeteilt - und wieder mal wird Kritik am Kinderbildungsgesetz Kibiz laut, das für einen enormen Verwaltungsaufwand und eine größere Belastung des Kita-Personals verantwortlich gemacht wird.

Eltern und Erzieherinnen hatten bereits in der Juni-Sitzung des Kinder- und Jugendausschusses ihren Unmut darüber geäußert, dass in einigen Einrichtungen Fachkraftstunden gekürzt werden, obwohl die Eltern für ihre Kinder mehr Betreuungsstunden gebucht hätten.

Damals gab sich Elke Münich, Leiterin des Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule, wortkarg und verwies auf noch laufende Gespräche mit den Einrichtungen.

Inzwischen aber ist klar: Die Stadt wird in diesem Jahr Kibiz in Reinform umsetzen und Ausnahmen, die im vergangenen Jahr noch als pädagogisch notwendig angesehen wurden, nicht mehr finanzieren.

Von den Auswirkungen ist unter anderem die Kita Weißwasserstraße in Rothe Erde besonders hart betroffen, wo eine komplette Stelle gestrichen wird. Ähnlich ergeht es dem Familienzentrum Alfons-Gerson-Straße in Kornelimünster. Aber auch andere Einrichtungen kriegen Einschnitte zu spüren.

Stadt bessert nicht mehr nach

Ob Einrichtungen besondere pädagogische Anforderungen erfüllen müssen oder nicht, lässt Kibiz weitgehend unberücksichtigt - die finanzielle Unterstützung des Landes richtet sich nach den gebuchten Betreuungszeiten sowie Anzahl und Alter der Kinder. Aus finanziellen Gründen hat sich diesmal der Verwaltungsvorstand gegen personelle Nachbesserungen entschieden.

Schon befürchten einige Eltern, dass die Sparmaßnahme eine Folge des beitragsfreien Kita-Jahres sei. „Das hat damit nichts zu tun”, widerspricht Björn Gürtler vom Presseamt der Stadt. „Ab diesem Jahr wenden wir Kibiz so an, wie es vom Gesetz vorgesehen ist.”

Interne personelle Verschiebungen seien die Folge. In 38 der insgesamt knapp 60 städtischen Einrichtungen bleiben die Stundenzahlen laut Gürtler gleich oder werden gar erhöht.

Elf Vollzeitstellen würden sogar neu geschaffen. Dies aber hat vor allem damit zu tun, dass neue Plätze für unter Dreijährige geschaffen werden und sich Gruppenstrukturen ändern.

Die personellen Verschiebungen beobachtet Personalratsvorsitzende Karola Hoch mit einigem Unbehagen. „Wahnsinn” nennt sie den durch Kibiz verursachten Verwaltungsaufwand durch jährlich erforderliche neue Berechnungen und neue Verträge für die Kitas. Schon gar nicht sei es der Bildungsarbeit förderlich, wenn die Kinder jetzt jedes Jahr neue Bezugspersonen kriegen sollten.

Regelrecht „erschreckend” findet sie auch eine weitere Kibiz-Auswirkung: In diesem Jahr gibt es bei der Stadt keine einzige Berufspraktikantin mehr. „Die Einrichtungen können sich das nicht mehr leisten”, sagt sie und fragt: „Woher sollen wir denn noch den Nachwuchs kriegen.”

Eine gute Nachricht gibt es für die Erzieherinnen und wenigen Erzieher aber doch: 60 bislang befristet Beschäftigte erhalten einen unbefristeten Vertrag.
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