Aachen - Kesse Bezüge auf Kohl, Busch und Berlusconi

Kesse Bezüge auf Kohl, Busch und Berlusconi

Von: GRIT SCHORN
Letzte Aktualisierung:
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„Verblocktes“ Venedig: Das Da-Chef Tom Hirtz hat Shakespeares „Kaufmann“ für die Frankenburg ins Heute versetzt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Bei strahlendem Sonnenschein zeigt sich die Burg Frankenberg ganz modern – jedenfalls bei der Vorstellung des diesjährigen Freiluft-Stücks vom Das Da-Theater. Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“, um 1596 in London uraufgeführt, steht diesmal auf dem Programm.

Die weltberühmte Komödie um den jüdischen Geldverleiher Shylock hat auch tragische Untertöne, die in der Probeszene im „verblockten“ Venedig durchaus sichtbar werden.

Neben der Abbildung eines Zionsterns ist „Hau ab!“ zu lesen, und die Szenerie um den Kaufmann Antonio, seinen Freund Bassanio und Lorenzo, ein Freund Bassanios, schlägt rasch um in Aggression und Abscheu, als sich der Geldverleiher Shylock sehen lässt. Es geht – ganz heutig – um Finanzmächte, „faule“ Kredite und gefährliche Risiken. Antonio will Bassanio Geld geben, damit der um die schöne Portia werben kann. Doch Antonio ist selbst klamm und will das Geld von Shylock leihen. Der Geldverleiher war schon mehrfach Angriffen von Antonio ausgesetzt und will jetzt Revanche... Wenn Antonio seine Schulden nicht pünktlich bezahlen kann, will er aus Antonios Körper ein Pfund Fleisch herausschneiden dürfen!

Die Szene wird noch bizarrer, als sich die verführerische Portia mit ihrer am Handy klebenden „Assistentin“ Nerissa zeigt. Portia, reich, gelangweilt und egozentrisch, präsentiert sich launisch und selbstverliebt. Nerissa schlägt ihr mehrere Heiratskandidaten vor – allesamt aus der heutigen Fußballszene. Kesse Bezüge auf Busch, Kohl oder Berlusconi und der Abgang Lorenzos, der schmollend Antonio und Bassanio als „Schwuchteln“ verunglimpft, offenbaren, dass Theaterchef und Regisseur Tom Hirtz mit modernen Versatzstücken den alten Shakespeare-Stoff in die Welt von heute „beamen“ will.

Die neue Figur des Clowns (Michelle Bray) gefällt als kluger Hofnarr – eine Gestalt zwischen einst und jetzt. Die Titelrolle ist mit Simon Jakobi besetzt, den Shylock spielt Philipp Scholz, Bassanio und Lorenzo werden von Tobias Steffen und Mike Kühne verkörpert, Rebecca Selle ist als Shylocks Tochter Jessica zu sehen, Michaela Spänle spielt die Portia und Mona Luana Schneider ihre Assistentin.

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