Aachen - Keinerlei Radioaktivität im Kugelbrunnen

Keinerlei Radioaktivität im Kugelbrunnen

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
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Eindeutiges Ergebnis: Von den 16.000 Halbkugeln im Kugelbrunnen geht keinerlei strahlende Gefahr Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Nada, nothing, nix: Die „Nachrichten” glaubten zwar dem Künstler Albert Sous, dass die für den Boden des Kugelbrunnens verwendeten 8000 Kugeln aus der Kernforschungsanlage Jülich (KFA) nie mit Radioaktivität in Verbindung gekommen und damit völlig harmlos sind, aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

So bat die Lokalredaktion die Abteilung Strahlenschutz der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) um Amtshilfe, und die reagierte prompt. Am Dienstag vor 8 Uhr rückten zwei Mann mit einem Kontaminationsmonitor - im Volksmund besser bekannt als Geigerzähler - bewaffnet auf dem Willy-Brandt-Platz an und checkten den Brunnenuntergrund.

„Hier ist nichts”

Namentlich genannt werden wollten die beiden Herren nicht, doch ihr Ergebnis war nach kurzer Zeit eindeutig: „Hier ist nichts.” Gemessen wird mit dem Monitor in Impuls pro Sekunde oder Bequerel pro Quadratzentimeter.

Im Maximum angezeigt wurden 19 Impulse pro Sekunde, was ein Diplom-Ingenieur als Nulleffekt und ganz normale Umgebungsstrahlung einstufte. Und auch die Porzellankugel, die der Metallbildhauer Sous den „Nachrichten” als Geschenk mitgegeben hatte, entpuppte sich als völlig unbelastet.

Die Anmerkung der „Nachrichten”, dass schon erstaunlich gewesen sei, wie die Mitmenschen auf die aus Jülich stammende Kugeln reagierten (nämlich bis fast hin zur Hysterie), kommentierten die Strahlenexperten verständnisvoll: „Im Moment ist alles jeck.”

Abteilungsleiterin Dr. Heike Wolf später am Telefon: „Wir haben keine Radioaktivität gemessen.” Sie ist verantwortlich für den noch nicht abgebauten Unterrichtsreaktor an der Jägerstraße in Burtscheid, an dem Hochschulstudenten ausgebildet worden sind.

Derartige Reaktoren mit sehr niedriger Leistung, die speziell für den Unterricht konzipiert sind, nennt man auch „Nullleistungsreaktoren”. Der Betrieb beschränkte sich auf die reine Kernphysik eines Reaktors. Dennoch war der SUR ein richtiger Kernreaktor mit einer Kettenreaktion und unterliegt den strengen Regeln des Atomgesetzes.

Der in Würselen beheimatete Künstler Albert hatte 1971 mehrere hunderttausend Kugeln, die von der KFA entsorgt und in Containern unter einer drei Meter dicken Deckschicht außerhalb des Geländes deponiert worden waren, aufgespürt, ausgegraben und zu einem Großteil in Kunstwerken wie dem Aachener Kugelbrunnen oder auf dem Gelände seines Ateliers in Würselen verbaut.

Er hatte sich schon früh für den Gedanken des Recyclings erwärmt und wollte als unbrauchbar eingestuften Hinterlassenschaften aus Industrie und Forschung ein zweites Leben als Kunstwerk bescheren.

Das Forschungszentrum Jülich rang sich am Dienstag nach einem Tag Anlauf zu einer eher gequälten Stellungnahme durch. Dr. Anne Rother, Leiterin Unternehmenskommunikation: „Wir können nur sagen, dass es sich bei den Kugeln, die dieser Künstler verwendet, keinesfalls um Brennelementkugeln aus dem AVR-Reaktor oder generell um radioaktive Kugeln aus dem Forschungszentrum Jülich handeln kann.”

Zur Zeit der Entwicklung und des Betriebs des Hochtemperaturreaktors sei allerdings das mechanische Fließverhalten von Kugeln in einem solchen Reaktor in Jülich erforscht worden: „Und zwar anhand von reinen Grafitkugeln (reinen Dummys), die nie mit Kernbrennstoff oder Radioaktivität in Berührung gekommen sind.”

Theoretisch dürften solche Kugeln auf einer normalen Müllhalde entsorgt werden: „Wir können allerdings nicht sagen, ob das in diesem Fall so war.”
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