Aachen - Keine Ruhe auf dem Ostfriedhof

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Keine Ruhe auf dem Ostfriedhof

Von: Georg Dünnwald und Wolfgang Reusch
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Eigentlich eine Farce: „Diese
Eigentlich eine Farce: „Dieses Tor wird um 18.45 Uhr geschlossen”, verkündet das Schild. Aber seit Monaten wird der Ostfriedhof überhaupt nicht mehr abgeschlossen. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Seit Februar rufe ich ständig den Stadtbetrieb an. Es tut sich aber nichts.” Langsam aber sicher wird die Anwohnerin in der Eifel­straße sauer. Denn seit Anfang des Jahres wird der Ostfriedhof nicht mehr verschlossen, „und seit Anfang des Jahres tummeln sich auch Junkies auf dem Friedhof herum”, sagt die Frau.

Der Stadtbetrieb habe ihr mitgeteilt, dass er dringend einen Mitarbeiter suche, der morgens die Tore zum Friedhof öffnet, die er abends zuvor geschlossen hat, weil der bisher zuständige Mitarbeiter in Rente gegangen sei.

„Ein Schließdienst aber ist der Stadt zu teuer”, wurde ihr von einem Mitarbeiter des Stadtbetriebs erzählt. „Ich merke schon, dass meine Anrufe die Mitarbeiter des Stadtbetriebs nerven, aber ich werde weiter auf die offenen Tore hinweisen.” Auch die Polizei sei schon mehrfach von ihr auf die Situation hingewiesen worden. „Die nimm die Sache ernst, sie fährt nun vermehrt Streife”, lobt sie die Ordnungshüter.

Allerdings, auch die vermehrte Präsenz der Polizisten reiche nicht, um den Missbrauch des über 200 Jahre alten Friedhofs effektiv einzudämmen. „Wenn ich aus dem Fenster sehe, sehe ich oft, dass Menschen ihre Notdurft verrichten. Es ist nicht gerade schön, wenn einem ein nackter Hintern aus einem Gebüsch entgegenblinkt.” Zudem sammele sich immer mehr Sperrmüll sich entlang des Zaunes an. „Das bleibt solange hier stehen, bis ein Anwohner bei der Stadt anruft, dann wird es abgeholt.”

Auch das verbreitete Problem des Metalldiebstahls macht vor dem nun rund um die Uhr zugänglichen Friedhofs nicht Halt: „Die Leute fühlen sich unbeobachtet, es verkommt hier zusehends” klagt die Anwohnerin.

Denkmalschutz

Dabei steht der Friedhof, dessen Geschichte bis ins Jahr 1803 zurückreicht, seit 1988 zum größten Teil unter Denkmalschutz. Die Grabstätten zahlreicher berühmter Aachener Bürgerinnen und Bürger liegen hier. So fand zum Beispiel der erste, von den Nazis ermordete Nachkriegsbürgermeister Aachens, Franz Oppenhoff, hier seine letzte Ruhestätte.

Mathias Wilms, einer der führenden Köpfe des Aachener Widerstands während des Dritten Reichs und Gründer des „Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes” (FDGB), aus dem später der „Deutsche Gewerkschaftsbund” (DGB) hervorging, ist hier begraben. Und auch der Gründer der Aachener Printenfabrik Lambertz, Henry Lambertz, liegt hier.

„Vertröstungspolitik”

Um so ärgerlicher findet die Anwohnerin, dass den fortwährenden Störungen nicht durch eine Personalentscheidung Einhalt geboten wird: „Das ist für mich eine Vertröstungspolitik! Ich habe Sorge, dass sich die unzumutbaren Zustände etablieren, gerade jetzt im Sommer.”

Peter Maier, stellvertretender Chef des Stadtbetriebs, sind die Verhältnisse auf dem Ostfriedhof bekannt. Er ist auch informiert über die Klagen der Anwohnerin. „Wir tun unser Bestes, einen neuen Schließer zu finden.” Was aber gar nicht so einfach wäre, denn für diese Arbeit könne die Stadt nur einen Obolus bezahlen. Er ist zuversichtlich.

Zumal der Leiter des Ordnungsamtes, Detlev Fröhlke, ihm versprochen habe, nach Einbruch der Dunkelheit auch seine Ordnungskräfte auf dem einst von Kaiser Napoleons Verwaltung angelegten ersten Aachener Zentralfriedhofs - der sogar älter als der Kölner Friedhof Melaten ist - nach dem Rechten sehen zu lassen. Peter Maier: „Uns ist an der Lösung des Problems gelegen, noch in diesem Sommer wird etwas geschehen.”
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