Keine Musik an Karfreitag: Nicht alle finden das zeitgemäß

Von: Georg Dünnwald
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Aachen. „Die jungen Leute, die in unsere Diskothek kommen, sind furchtbar enttäuscht, wenn sie schon am Gründonnerstagabend nicht tanzen dürfen”, sagt Rudi Wesner, Chef des „B 9” in der Blondelstraße.

Junge Menschen sähen manches eher locker, auch die „stillen Feiertage” wie Karfreitag. „Dann sind von 5 Uhr morgens bis um 6 Uhr morgens am folgenden Karsamstag musikalische und sonstige unterhaltende Darbietungen per Landesgesetz untersagt”, erklärt Evelin Wölk vom städtischen Presseamt.

Aber schon am Donnerstagabend ab 18 Uhr ist auch das Tanzen in der Öffentlichkeit verboten. Das regelt das Sonn- und Feiertagsgesetz NRW.

Wesner kann da nur den Kopf schütteln. Wie für viele seine Kunden sind für ihn die „stillen Feiertage” ein Relikt aus alten Tagen und nicht mehr zeitgemäß. Aber ich kann Tanzen und laute Musik nicht zulassen.” Vor allem auch vor dem Hintergrund drohender Kontrollen durch das Ordnungsamt. Denn diese wurden bereits angekündigt.

Und auch Thorsten Hellweg, Pressesprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Nordrhein, kann nicht mehr viel Zeitgemäßes in dem „stillen Feiertag” Karfreitag entdecken. „Wir müssen uns als Gastronomen an die Regeln halten. Was aber ist mit den zahlreichen TV-Sendern? Die bringen doch, was sie wollen. Und das auch am Karfreitag. Da wird keine Rücksicht auf religiöse Gefühle genommen.”

Eine ganz andere Position nehmen der SPD-Landtagsabgeordnete Karl Schultheis und der grüne Ratsherr Michael Rau ein. Beide gaben den „Nachrichten” fast übereinstimmende Antworten. Rau: „Auch wer keinen christlichen Hintergrund hat, kann einen Tag lang mal innehalten. Nicht jeder Tag im Jahr muss beschallt werden.” Schultheis: „An verschiedenen Tagen im Jahr muss nicht immer das volle Programm laufen.” Für Harro Mies, Geschäftsführer der Kreis-CDU, ist klar: „Wir sollten es so lassen, wie es ist.”

Nur der Kreisverbands-Sprecher der Linken, Darius Dunker, der selbst evangelischer Theologe ist, nimmt eine andere Position ein: „Ich denke, die verschiedenen Religionsgemeinschaften sollten gleich behandelt werden. Da dürfen wir die christlichen nicht mit Besonderheiten bevorzugen.”

Selbstverständlich sollten die Feiertage gelten, aber diejenigen, die nicht eine christliche Konfession haben, sollte an diesen Tagen auch feiern dürfen, jedoch ohne die Christen zu stören. „Der Evangelist Markus hat geschrieben, dass Feiertage für den Menschen da sind und nicht umgekehrt.”

Nach Absatz 3 des Paragrafen 6 des Sonn- und Feiertagsgesetzes NRW ist sogar die Vorführung von Filmen, die nicht vom Kultusministerium als geeignet anerkannt sind, bis zum Karsamstag verboten. Und nach Absatz 4 müssen auch die Rundfunksender Rücksicht auf die „stillen Feiertage” Rücksicht nehmen.
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