Aachen - Keine Eiszapfen-Kontrolle bei der Bahn

Keine Eiszapfen-Kontrolle bei der Bahn

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
wetter_bu1
Gefährliche Eisskulpturen: Nicht auszudenken, würden diese Eiszapfen unter der Bahnbrücke Hüttenstraße auf einen Fußgänger stürzen. Die Deutsche Bahn hat sofortige Entfernung angekündigt. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die kalte Jahreszeit bringt unvergleichliche Naturschauspiele mit sich: Wie kleine Skulpturen muten die Eiszapfen unter der Bahnbrücke über der Hüttenstraße an. Ein Bild wie in einer Tropfsteinhöhle. Doch das Naturschauspiel hat seine Tücken.

Es dürfte eine ordentliche Beule geben, wenn ein Eiszapfen auf das Autodach stürzt, nicht auszudenken, würde er einem Fußgänger auf den Kopf fallen. Dann würde die Bahn als Eigentümer der Brücke haften. Hunderte Bahnbrücken gibt es, eine regelmäßige „Eiszapfen-Kontrolle” aber nicht.

Anders sieht das bei der Stadt aus. „Unsere Mitarbeiter haben heute noch die Eiszapfen an städtischen Brücken entfernt”, sagte Axel Costard vom Presseamt am Freitag. Und die Bahn versicherte auf Anfrage der Nachrichten: „Wir werden die Eiszapfen sofort entfernen.”

Aber nicht nur Unternehmen oder die Stadt stehen in Sachen Räumung in der Verantwortung. Auch Hauseigentümer und Mieter haben ihre Pflichten. Für dieses Wochenende sind gewaltige Menge Schnee angekündigt - wenn es so dicke kommt, wie angekündigt, wird es viel zu schaufeln geben.

Eigentümer oder Mieter müssen den Gehweg oder die Straße vor dem Haus von Eis und Schnee befreien, von 7 bis 20 Uhr. So will es die Straßenreinigungs- und Gebührensatzung, auch wenn das für die arbeitende Bevölkerung wohl kaum umsetzbar sein dürfte.

Einen Weg von 1,50 Meter Breite gilt es freizuschaufeln - „unverzüglich nach Beendigung des Schneefalls”, wie es im Behördendeutsch der Satzung heißt. Will heißen, bei Dauerschnee kann man getrost auf der Couch liegen, aber umso mühseliger wird es, wenn es zu schneien aufhört.

Ebenfalls „unverzüglich nach dem Entstehen der Glätte”, hat der Bürger zu handeln, und diese mit abstumpfenden Stoffen zu bestreuen. Auftauende und für die Umwelt gefährliche Stoffe wie Salz dürften eigentlich nicht verwendet werden. Eigentlich, aber wie so oft gibt es auch für diese Regel eine Ausnahme, und zwar, wenn Granulat nicht mehr reicht und Eisglätte droht. Aber wer streut schon, wenn keine Glätte droht?

Von 20 Uhr bis 7 Uhr am nächsten Morgen besteht keine Räumpflicht und an Sonn- und Feiertagen heißt es erst um 9 Uhr: Aufstehen und Räumen! Und auch Eiszapfen und Dachlawinen müssen die Eigentümer oder Mieter vorbeugen. Alles allgemeines Lebensrisiko könnte man meinen, aber tatsächlich kann haftbar gemacht werden, wer nicht räumt und streut und dadurch einen Unfall verursacht.

Bei Glätte auf dem Dach herumzuklettern, um dieses von Schnee zu befreien, empfiehlt sich kaum. „Dann müssten streng genommen Schilder aufgestellt werden, die den Fußgänger warnen”, sagt Costard. Achtung Dachlawine!

Ganz andere Sorgen, haben diejenigen, die kein Dach über dem Kopf haben. Zehn tote Obdachlose werden in Deutschland bisher beklagt. Am Wochenende könnte die Zahl steigen. Auch in Aachen wird es derzeit eng in Wohnheimen und Notunterkünfte. 376 belegbare Betten gibt es. „Wir sind am Limit angekommen”, sagt Björn Gürtler vom Presseamt.

Dennoch werde kein einziger Obdachloser abgewiesen. „Wir werden Wege finden, auch wenn wir Zimmer doppelt und dreifach belegen müssen.” Dazu sei die Stadt schließlich gesetzlich verpflichtet. In jedem Jahr, wenn die Temperaturen langsam gegen Null sinken, bietet sich ein ähnliches Bild. „Aber wir können so viele Räume nicht das ganze Jahr vorhalten”, sagt Gürtler. Im Caf Plattform kommen die Wohnungslosen jetzt immer schon etwas früher in die warmen Räume.

Voll besetzt ist das Obdachlosen-Caf in der Hermannstraße ohnehin immer. 24 Betten hat man dort vorbereitet. „Wenn es am Wochenende mehr Menschen werden, werden wir improvisieren. Draußen bleiben muss niemand”, betont auch Sozialarbeiter Mark Krznaric.

Überall hat man sich eingestellt auf den Winter, auch bei der Aseag. „Heute morgen haben wir bei unseren Fahrzeugen noch die Profiltiefen gemessen”, sagte Pressesprecherin Anne Linden am Freitag. Die Sicherheit der Fahrer und Fahrgäste stehe an erster Stelle. Bei starkem Wetter könne das auch eine Einstellung des Fahrbetriebes bedeuten.

Die Aseag verfügt über einen eigenen Räumdienst, der auf bergigen Strecken abseits der Hauptachsen, auf Wendeschleifen und Busspuren räumt. Service-Mitarbeiter der Aseag stehen an den Bushaltestellen bereit, um mit einem Schrubber Schneematsch aus den Bussen zu ziehen, damit es im Inneren nicht ganz so rutschig ist.

Vorräte sind verbraucht

Polizeisprecher Michael Houba blickt gelassen auf das Wochenende: „Der Schnee hat bisher noch nicht für viele Probleme gesorgt, die Autofahrer haben sich gut auf die Witterungsverhältnisse eingestellt. Die Polizei hat ihre Autos übrigens nicht mit Schneeketten ausgestattet. „Bisher gab es keine Probleme bei der Erreichbarkeit von Einsatzorten”, sagt Houba.

Doch die Straßen werden am Wochenende nur eingeschränkt vom Eis befreit werden können. „Das Streusalz wird knapp, die Vorräte sind nahezu verbraucht”, teilt der Aachener Stadtbetrieb mit. Um möglichst lange mit den Restbeständen auszukommen, müsse der Winterdienst eingeschränkt werden. Auch alternative Streumittel wie Granulat werden knapp. Aber davon konnte sich die Stadt noch 150 Tonnen sichern.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert