Keine Ausnahmeregelung für Montessori-Schulen

Von: Sarah Maria Berners
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Fordern für die Montessori-Schulen ein bevorzugtes Aufnahmerecht von Kindern aus Motessori-Einrichtungen: Marie-Luise von Korff (Schulleiterin Montessori-Schule Reumontstraße), Jutta Starmans (Geschäftsführerin Montessori-Forum), Anke Heym (Schulpflegschaftsvorsitzene Mataréstraße), Maren Kops (Elternrat Kinderhaus Mataréstraße), Bettina Lanfermann (Elternrat Kinderhaus Schleckheim) und Michael Chauvistré (Schulpflegschaftsvorsitzender Reumontstraße).

Aachen. Eltern, die ihr Kind in ein Montessori-Kinderhaus - so heißen die Kindertagesstätten - schicken, entscheiden sich meist ganz bewusst für die besondere Form der Pädagogik. Und wer sich bewusst dafür entscheidet, der möchte seinem Kind ermöglichen, dass es auf eine Montssori-Grundschule kommt.

Und diese Eltern sehen sich jetzt vor einem Problem. „Denn nicht alle Kinder, die eine Montessori-Laufbahn im Kindergarten begonnen haben, haben die Chance, auch auf eine Montessori-Grundschule zu kommen”, kritisiert Michael Chauvistré, Schulpflegschaftsvorsitzender der Grundschule Reumontstraße. Schuld sei die landesweite Aufhebung der Schulbezirke. Seit dem Schuljahr 08/09 gilt freie Schulwahl. Aber auch die muss organisiert werden, und so gilt als oberstes Entscheidungskriterium die Wohnortnähe. „Wer weit von einer Montessori-Schule weg wohnt, hat schlechte Karten”, so Chauvistr.

Das betrifft zum Beispiel Familien, die wie Familie Lanfermann, in Schleckheim wohnen und deren Kinder in das dortige Kinderhaus gehen. Mutter Bettina Lanfermann: „Bei dem Kriterium der Schulortnähe, kommen wir nie dran.”

470 Plätze gibt es an Montessori-Schulen (Kaiserstraße, Mataréstraé, Reumontstraße), 850 in 14 Kinderhäusern. Bisher sei das immer gut hingekommen, da nicht alle Eltern den Montessori-Weg weiter bestreiten würden, erklärt Bettina Lanfermann. Für die Zukunft befürchten die Eltern aber, dass das nicht mehr aufgeht.

„Zumal sich immer mehr Menschen für die Montessori-Pädagogik interessieren und die Nachfrage gestiegen ist”, erklärt Schulleiterin Marie-Liesel von Korff. „Montessori ist ein international anerkannte Pädagogik, wenn viele Menschen in die Wissenschaftsstadt Aachen kommen sollen, ist es wichtig, dass es ein entsprechendes Angebot gibt”, fügt Jutta Starmans, Geschäftsführerin des Aachener Montessori-Forums, hinzu.

Sie findet es nicht akzeptabel, dass zugezogene Kinder auf eine Nicht-Montessori-Schule wechseln müssten. Bei Schulleiterin Marie-Liesel von Korff hätten sich schon Eltern aus Weimar, Münster und Berlin gemeldet. Eine Garantie für einen Platz in der Montessori-Schule konnten sie ihnen aber nicht geben. „Auch in Aachen kenne ich Familien, die wegen des Kriteriums der Wohnortnähe umgezogen sind”, betont Maren Kops, vom Elternrat im Kinderhaus Mathareéstraße. Und auf der anderen Seite seien schon Kinder auf die Schule gekommen, deren Eltern beim ersten Elternabend nicht mal gewusst hätten dass an der ausgewählten Schule die Kinder in Altersgemischten Klassen unterrichtet würden.

Es sei nicht so, dass man an der Montessori-Schule keine Nicht-Montessori-Kinder haben wolle, betonen die Eltern. Es gehe darum, das diejenigen, die eine Montessori-Laufbahn gehen wollen, diesen auch durchgehen könnten. Zusätzlich könne mit anderen Kindern „aufgefüllt” werden. Die im gleichen Gebäude liegende katholische Grundschule hat übrigens zu wenig Anmeldungen. „Wir nehmen anderen Schulen somit die Kinder weg”, sagt Chauvistré.

„Auf Dauer werden wir die Montessori-Kapazitäten erweitern müssen”, betont Chauvistr. Erste Versuche seien jedoch gescheitert. „Ich habe das Gefühl, dass in der Schulverwaltung der Stadt nicht unsere Freunde, sondern Verhinderer der Montessori-Pädagogik sitzen”, kritisiert Chauvistr. Der Kritik schieben die Eltern Lob vorweg: „Es ist toll, dass die Stadt überhaupt kostenlose Montessori-Schulen anbietet. In NRW ist man Vorreiter”, sagt Starmanns.

Solange es aber nicht mehr Plätze gibt, fordern die Eltern, dass nicht die Wohnortnähe, sondern die Entscheidung für die Pädagogik das entscheidende Kriterium sein soll. Nach Angaben des städtischen Presseamtes sei diese Umgestaltung der Kriterien aber gar nicht möglich, zumal es sich um ein Landesgesetz handele. „Es gibt derzeit nicht die Möglichkeit, die Montessori-Kinder zu bevorzugen”, erklärt Björn Gürtler. Also: Keine Ausnahmen für Montessori-Schulen.

Früher sei die Montessori-Schule wie eine Angebotsschule - also wie katholische und evangelische Schulen behandelt worden - konstatieren die Eltern. Eine Behauptung, die die Stadt nicht bestätigt. Und wie die konfessionellen Schule wollen sie die Montessori-Schule künftig behandelt wissen.

Gedankenspiel: Wer sich für eine konfessionelle Schule entscheidet, hat nach Angaben des Presseamtes ein Anrecht auf die nächstgelegene konfessionelle Schule. Würde man die Montessori-Schulen zur Angebotsschule deklarieren, hätten Pädagogiküberzeugte (Vorbereitungsgespräche) ein Vorrecht. Aber auch für die Angebotsschulen gilt laut Presseamt: Ein Kind aus Eilendorf könne nur dann auf die katholische Grundschule in Richterich gehen, wenn zuvor die nahe wohnenden Kinder versorgt seien. Von Korff: „Hier muss die Stadt aktiv werden und dem Elternwillen gerecht werden. Es muss genügend Plätze für Montessori-Kinder geben.
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