Aachen - Kein Grund für Pessimismus

Kein Grund für Pessimismus

Von: Peter Langohr
Letzte Aktualisierung:
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Sieht Fortschritte im Dialog der christlichen Kirchen: Bischof Heinrich Mussinghoff. Foto: M. Ratajczak

Aachen. Nach den zahllosen Berichten und Kommentaren über die Finanzkrise werden es die meisten Zuhörer im Aachener Dom als wohltuend empfunden haben, dass Bischof Heinrich Mussinghoff das Thema in seiner Predigt nicht einmal streifte. Mehrere hundert Gläubige waren gekommen, um den traditionellen „Jahresdank” zu feiern.

Der Aachener Oberhirte sagte Dank für Schutz und Segen im zu Ende gehenden Jahr und betete darum, dass das Neue Jahr ein gutes werden möge, in dem jeder eine Gemeinschaft, die trage und schütze, erfahren dürfe.

Mit feinem Spiel intonierte Domorganist Norbert Richtsteig Beethovens „Adagio für eine Orgelwalze”, ehe Schwester Maria Ursula die Lesung aus dem Epheser-Brief des heiligen Paulus vortrug.

In der anschließenden Predigt befasste sich Mussinghoff mit der Ökumene, referierte den momentanen Stand der Entwicklung und wagte einen Blick in die Zukunft anlässlich der Tatsache, dass die evangelische Kirche im September 2008 die Luther-Dekade eröffnet hat, die das Luther-Jubiläum 2017 vorbereiten soll.

Der Bischof erinnerte daran, dass Luther zunächst keineswegs die Gründung einer neuen Kirche beabsichtigt habe. Nichts in Luthers frühen Schriften sei gegen die Lehrmeinung der Kirche gerichtet gewesen. Es sei ein Unglück, dass Staat und Kirche in einem gemeinsamen Gewaltakt ohne theologische Klärung die Lösung gesucht hätten.

Momentan sei die ökumenische Stimmung gedämpft, aber: „Die Krise der Ökumene ist nicht etwa das Zeichen ihres Misserfolgs, sondern im Gegenteil das Ergebnis ihres überwältigenden Erfolgs. In dem Maße nämlich, in dem wir einander näher gekommen sind, spüren wir umso schmerzhafter, was uns noch trennt.”

Er bedauere die Verlautbarung des Vatikans, die evangelischen Kirchen seien keine Kirchen. Korrekter wäre es zu sagen, die evangelische Kirche sei nicht Kirche im Vollsinn des katholischen Verständnisses, weil es noch ungeklärte Fragen gebe.

Jedoch sieht Mussinghoff keinen Grund für Pessimismus. Neben dem theologischen Dialog seien ökumenische Begegnung, gemeinsames Gebet, gemeinsame Bibelarbeit und gemeinsames soziales Handeln wichtige Komponenten ökumenischer Bewegung in den Gemeinden.

Und daneben gebe es höchst erfolgreiche gemeinsame soziale Projekte der beiden Kirchen wie Telefonseelsorge und Bahnhofsmission. Fortschritte gebe es auch im Dialog mit der russisch-orthodoxen Kirche, mit den altorientalischen Kirchen, mit Kopten, Syrern, Armeniern.

Nach dem „Te Deum” von Heinrich Lemacher und dem „Tantum ergo” von Anton Bruckner, gesungen vom Domchor unter Leitung von Berthold Botzet, erteilte der Bischof den sakramentalen Segen. Etwas unglücklich geriet das Ende der Jahresabschlussfeier.

Als das „Urbs Aquensis” als Schlusslied verklungen war, folgte noch, wie im Programm vorgesehen, Bachs berühmte Toccata und Fuge in d-Moll, gespielt vom Domorganisten. Was ein musikalischer Leckerbissen hätte werden sollen, wurde erheblich dadurch gestört, dass mehr als die Hälfte der Besucher das Gotteshaus noch während des Orgelspiels verließ.
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