Aachen - Katholische Kirche probt die Demokratie

Katholische Kirche probt die Demokratie

Von: Georg Dünnwald und Thomas Lipke
Letzte Aktualisierung:
Auf demokratischem Weg in die
Auf demokratischem Weg in die Zukunft der katholischen Kirchengemeinden St. Heinrich (Horbach), St. Martinus (Richterich) und St. Laurentius (Laurensberg) sind Christiane Jürgens, Wolfgang Oellers, Josef Voß, Cornelia Krückels, Michael Marx, Angelo Scholly und Norbert Becker (v.l.) Foto: Ralf Roeger

Aachen. Das gab es noch nie! Drei katholische Pfarreien werden demokratisch geführt, von einem Leitungsteam, in dem die Laien überwiegen. Im elfköpfigen Leitungsteam der Pfarreien von St. Martinus (Richterich), St. Laurentius (Laurensberg) und St. Heinrich (Horbach) hat der zuständige Pfarrer Josef Voß nicht mehr zu sagen, als die anderen Mitglieder.

Und es kommt noch dicker: Sechs Mitarbeiter des Leitungsteams sind ehrenamtlich tätige Gemeindemitglieder. Sie könnten also die restlichen Angehörigen des Leitungsteams überstimmen. Was für die katholische Kirche äußerst ungewöhnlich ist. Die Laien sind als Vertreter aus den jeweiligen Pfarrgemeinderäten und Kirchenvorständen der Einzelgemeinden ins Gremium gekommen.

Sechs Ehrenamtler und fünf hauptamtliche Mitarbeiter bestimmen somit die Geschicke der drei Pfarreien, darüber hinaus bilden sie auch noch eine Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) mit den Pfarreien St. Konrad in Vaalserquartier (mit St. Philipp Neri in Kullen), St. Sebastian auf der Hörn und St. Peter in Orsbach.

Im Leitungsteam ist jeder gleichberechtigt, Frauen wie Männer, Laien wie Kleriker. Regionaldekan Josef Voß ist zwar der vom Bistum eingesetzte „Chef”, der Pfarrer, aber „das Leitungsteam ist der Pastor”, sagt er, es ist also für alles zuständig, was sich im Leben der Gemeinden so tut. Voß ist jetzt gemeinsam mit seinen Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern für die drei Pfarreien in der Gemeinschaft zuständig.

„Wir stehen erst am Anfang”

Wolfgang Oellers, hauptamtlicher Mitarbeiter im Leitungsteam: „Wir stehen erst am Anfang.” Denn das Projekt, das erst mal auf ein Jahr begrenzt sei und vom Aachener Bischof wohlwollend getragen werde, müsse sich zunächst einer Bewährungsprobe unterziehen. „In einem Jahr muss die Richtung stimmen, denn dann werden die Pfarrgemeinderäte neu gewählt und das daraus entstehende neue Leitungsteam ist ebenso lange im Amt wie die Räte. Nun geht es erstmal an die Aufgabenverteilung”, sagt Gemeindereferent Oellers. Damit seien nicht nur die hehren Aufgaben im Gottesdienst gemeint, sondern es stellten sich auch Fragen wie: „Wer taucht bei den Schützenvereinen auf? Wer repräsentiert die Kirche bei Volksfesten?” Das alles müsse noch organisiert werden. Der Pfarrer könne das nicht alles alleine machen.

Fürs Leitungsteam ergibt sich aber auch die Frage, wie es mit der Seelsorge weitergeht. Pfarrer Voß: „Ich muss wissen, wie die Gemeinden weiterleben, wenn ich irgendwann einmal in Rente gehe”, sagt der 60-Jährige. Wichtig sei auch, dass die Mehrheit der Pfarrangehörigen der drei Gemeinden vom neuen demokratischen Leitungskonzept überzeugt werden kann.

Weg vom hierarchischen Denken

Dabei hätten die gewählten Gremien, die Pfarrgemeinderäte und die Kirchenvorstände längst ihr Placet abgegeben. Regionaldekan Josef Voß ist fest überzeugt: „Wir müssen weg vom hierarchischen Denken, um eine Zukunft zu haben” Die Pfarrangehörigen von St. Laurentius, St. Martinus und St. Heinrich sind vor der Einsetzung des Leitungsteams durch Pfarrer Rolf Peter Cremer, dem Hauptabteilungsleiter „Pastoral” im Geneneralvikariat, durch Pfarrbriefe, Pfarrzeitungen und auch Vollversammlungen informiert worden”, sagt Norbert Becker. Becker ist Pfarrgemeinderatsvorsitzender von St. Martinus und hat ebenfalls Sitz und Stimme im Rat der Gemeinschaft der Gemeinden.

„Wir sind von unserem Erfolg überzeugt”, sagt Cornelia Krückels, die als ehrenamtliche im Leitungsteam mit arbeitet. Kirchenmusiker Angelo Scholly von St. Martinus ist sogar begeistert von der beginnenden Zusammenarbeit mit dem Kantor von St. Laurentius, Gregor Jeub.

„Das, was die Hauptamtlichen sonst so nebenbei bestimmt haben, wie etwas, welcher Weihnachtsbaum steht in der Kirche, oder zu welchem Zeitpunkt werden die Christmetten an Heiligabend angeboten, bestimmt nun auch das Leitungsteam. Natürlich müssen auch die Priester, die in Orsbach, Vaalserquartier und Kullen arbeiten, berücksichtigt werden, und auch die Pfarrer Schmitz und Föhr, die ebenfalls in der GdG mitarbeiten”, bedeutet Oellers.
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