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Katholische Grundschule Passstraße geht neue Wege

Von: Margot Gasper
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Hier wird Papier gemacht: Erzi
Hier wird Papier gemacht: Erzieherin Sara Loh beim Papierschöpfen mit ihren Erstklässlern. Das Konzept der Ganztagsklasse bietet auch für solche Aktionen mehr Raum. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Bis mittags sitzt das Schulkind im Unterricht, danach geht es als OGS-Kind ins Nachmittagsprogramm der Offenen Ganztagsschule (OGS). Soweit die Theorie. Die 25 Kinder der Klasse 1a an der Grundschule Passstraße merken allerdings in ihrem Schulalltag keinen großen Unterschied.

Denn in der 1a besuchen alle Kinder die OGS. Das macht es möglich, Schule und OGS noch intensiver zu verzahnen. An der Passstraße hat sich daraus die erste Ganztagsklasse Aachens entwickelt. Die bisherige Bilanz des Projekts fällt überaus positiv aus. „Die Ganztagsklasse bringt eine große Entspannung in den Tag”, berichtet Schulleiterin Maria Keller.

Wie an vielen Grundschulen hat die Offene Ganztagsschule auch an der KGS Passstraße in den vergangenen Jahren enorm zugelegt. „Die OGS ist bei uns von zwei auf fünf Gruppen angewachsen”, berichtet Keller. Wie an anderen Grundschulen sind Schulbetrieb am Morgen und Nachmittagsangebote über die Jahre stetig zusammengewachsen.

Als in einer der jetzigen Eingangsklassen dann ausnahmslos alle Erstklässler für die OGS angemeldet wurden, nutzte die Schule die Chance, um die Tagesstruktur im Sinne der Kinder zu verändern. „Wir haben den Tag anders getaktet”, erläutert Keller.

Betreuung im Tandem

Betreut wird die Ganztagsklasse im „Tandem”. Klassenlehrerin Jutta Heller und Erzieherin Sara Loh kümmern sich gemeinsam um die 25 Kinder. Wie die Ganztagsklasse funktioniert, kann man zum Beispiel am „Projekttag” sehen. Mittwochs sind Lehrerin und Erzieherin von 8 bis 16 Uhr gemeinsam mit den Kindern im Einsatz. „Diesen Tag können wir ganz flexibel gestalten”, erläutert Jutta Heller.

Am vergangenen Mittwoch zum Beispiel arbeitete die Klasse in zwei Gruppen. Und während die eine sich im Sachunterricht mit dem Umweltschutz und dem sparsamen Umgang mit Rohstoffen befasste, praktizierte die andere beim Papierschöpfen ganz konkreten Umweltschutz. Die Kinder stellten aus Altpapier neues Papier her. Nachmittags wurde dann getauscht. „Natürlich kann man auch im Sachunterricht Papier schöpfen”, sagt Heller. Aber in der Ganztagsklasse sei der Zeitdruck viel geringer. „Und gerade im ersten Schuljahr ist diese Entspannung wichtig.”

Auch Erzieherin Sara Loh begrüßt die Arbeit in der Ganztagsklasse. „Wir können auch mal die Pausenzeiten aufweichen und müssen nicht immer aufs Klingelzeichen achten. Wir haben ein ganz anderes Zeitbudget.”

Für Ausflüge zu „außerschulischen Lernorten” ist mehr Zeit, wenn man den ganzen Tag zur Verfügung hat. Zu Beginn des Schuljahrs habe man gemeinsam die Umgebung erkundet, berichten Jutta Heller und Sara Loh. Die ganze Klasse schaute sich an, wo die einzelnen Kinder wohnen. So ließen sich auch Freundschaften leichter anbahnen.

Die Erfahrungen mit der Ganztagsklasse sind so gut, dass mitten im Schuljahr auch eine Klasse aus dem zweiten Schuljahr das System übernommen hat. „Und im neuen Schuljahr ab August werden wir bei den neuen Erstklässlern wieder eine neue Ganztagsklasse haben”, berichtet Maria Keller. „Einige Eltern haben bei der Anmeldung ihres Kindes sogar ganz gezielt danach gefragt.” Als es jüngst im Kinder- und Jugendausschuss und zwei Tage später im Schulausschuss um den Ausbau der Offenen Ganztagsschule in Aachen ging, da wurde auch die Ganztagsklasse an der Passstraße ausdrücklich erwähnt.

Jugendamtsleiterin Elke Münich ergänzte, dass zunehmend Grundschulen anfragen, die gebundenen Ganztag mit verpflichtendem Unterricht am Nachmittag anbieten möchten. Das NRW-Schulministerium allerdings sehe den verpflichtenden Ganztag an Grundschulen derzeit nicht vor. Ganztagsklassen könnten vielleicht eine „Übergangslösung” sein, überlegte Münich.

Fragt man Maria Keller, ob sie für ihre Schule und ihre Kinder lieber den gebundenen Ganztag hätte, dann kommt von der Schulleiterin ein klares Ja: „Wenn es den echten Ganztag gäbe, hätten wir uns die Ganztagsklasse nicht ausdenken müssen. Wir haben das Pferd quasi von hinten aufgezäumt.” Deshalb heißt das Fernziel an der Passstraße: Ganztagsschule. Für alle.
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