Aachen - „Kaspar Häuser Meer“: Sozialgroteske im Mörgens

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„Kaspar Häuser Meer“: Sozialgroteske im Mörgens

Von: GRIT SCHORN
Letzte Aktualisierung:
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Marion Schneider-Bast führt Regie: „Kaspar Häuser Meer“ feiert am Donnerstag, 18. September, im Aachener„Mörgens“ Premiere. Foto: Krömer

Aachen. Akribisch dokumentierte Alltagsszenen in einem Jugendamt sollte man in „Kaspar Häuser Meer“ nicht unbedingt suchen – es geht wohl eher um den „Stand der Gesellschaft“. Hier sollen nicht Täter und Opfer präsentiert werden, sondern der Blick richtet sich auf die Betreuer. Denn da liegen die Nerven blank.

Sozialarbeiter Björn leidet unter einem „Björn-Out“ und hat seinen Kolleginnen Annika, Babs und Sylvia 104 ungeklärte Fälle hinterlassen. Die Autorin Felicia Zeller, 1970 in Stuttgart geboren, lenkt in ihrem Stück den Blick nicht auf die „Kunden“, sondern befasst sich mit den Angestellten im Jugendamt. Vor Ort hat Zeller in bundesdeutschen Jugendämtern Material für ihr Stück gesammelt und offenbart nun den Wahnwitz zwischen ständig wachsender Bürokratie, täglicher Überforderung, Kollegenhass und öffentlichem Druck.

Die hochkarätige Dramaturgin Caroline Schlockwerder, die auch Mitbegründerin des freien Theaterkollektivs „Hotel Europa“ ist, freut sich über die „Sozialgroteske“ und die Besetzung, die mit Lara Beckmann, Bettina Scheuritzel und Emilia Rosa de Fries ein „echter Glücksfall“ sei. Das Komische und das Tragische in der Realität der Sozialarbeiter, die ja oft nur noch als „Case Manager“ agierten, machten das Stück so lebensecht.

„Wut und Hilflosigkeit ergießen sich hier in einen wilden Gedankenstrom und Sprachschwall“ sagt die in Reutlingen lebende Regisseurin Marion Schneider-Bast, die nicht nur Angewandte Theaterwissenschaften, sondern auch Computerlinguistik studierte. Ihre Aachener Inszenierung von Edward Palmetshofers „wohnen.unter glas“ im vorigen Jahr ist noch in bester Erinnerung.

Über den eher sperrigen Titel „Kaspar Häuser Meer“ des jetzigen Stücks, das ohne Pause (ca. 80 Minuten) gespielt wird, kann man übrigens trefflich Vermutungen anstellen. „Kaspar Hauser“, das berühmte Findelkind in Nürnberg, klingt hier an ebenso wie „Häusermeer“, „Aktenmeer“ oder „hinter Mauern“.

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