Karlspreis: „Pleitgen hätte den Beschluss mitgefasst“

Von: Gerald Eimer
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EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy soll den Aachener Karlspreis erhalten. Foto: dpa

Aachen. Nein, auf Fritz Pleitgen scheint Karlspreis-Sprecher Jürgen Linden derzeit nicht allzu gut zu sprechen zu sein. „Verwundert“ sei er über Pleitgens Philippika gegen den Karlspreis vor gut einem Monat beim Marketingpreis gewesen, sagt Linden.

Und er könne sich noch gut an Pleitgens Ansichten erinnern, als der noch WDR-Intendant war und als solcher den Karlspreis durchaus mal spannender in Szene setzen sollte. Aus reiner Höflichkeit wolle er nichts über Pleitgens damalige Reaktion sagen.

So kommt es, dass Linden auf einer wie üblich denkbar kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Samstag gemeinsam mit Oberbürgermeister Marcel Philipp einen Preisträger bekanntgibt, dem mal wieder „das Überraschende“ fehlt, wie Pleitgen vermutlich kritisieren würde: Herman Van Rompuy, ein grundsolider Belgier, von dem selbst Linden sagt, dass er „nicht der große Strahlemann“ ist.

Ihn zu ehren, sei aber immer noch besser, als Vorschlägen zu folgen, „die nicht realistisch sind“. Die Rolling Stones oder der Whistleblower Edward Snowden – wie sie Pleitgen ins Gespräch gebracht hat, um die „altbackene und esp–ritlose“ Veranstaltung aufzupeppen – wären für das 17-köpfige Karlspreis-Direktorium jedenfalls keine ernsthafte Option gewesen. „Wir wägen ab“, betont Linden – und zwar nach klaren Kriterien für einen „prioritär politischen Preis“.

„Wäre Pleitgen bei uns am Tisch gewesen, hätte er den gleichen Beschluss mitgefasst. Da bin ich ganz sicher“, unterstrich auch Oberbürgermeister Philipp, der ebenso wie Linden von den Qualitäten des neuen Preisträgers überzeugt ist. Van Rompuy sei „ein Meister des Ausgleichs“, einer der Visionen hat, Forderungen stellt und auch weiß, wie man sie umsetzt.

Gleich nach Neujahr wollen Linden und Philipp ihm den Preis noch persönlich antragen und mit ihm gemeinsam die Abläufe für den großen Festakt Ende Mai besprechen. Van Rompuy habe dann schließlich ein „strammes Programm“ zu bewältigen.

Für den Belgier ist das nicht unbekannt, denn schon vier Mal war er bei Karlspreis-Verleihungen in Aachen zu Gast – unter anderem hat er auch einmal die Hauptrede beim traditionellen Vorabend­essen in der Aula Carolina gehalten.

Kleinere Änderungen

Gut möglich, dass Van Rompuy sich dennoch auf einige Neuerungen einstellen muss. Denn so ganz ungehört scheint Pleitgens Weckruf dann wohl doch nicht zu verhallen. „Es wird Änderungen in den Abläufen der Zeremonie geben“, sagte Philipp. „Keine Revolution“, fügt er vorsichtshalber hinzu. Aber ein bisschen Staub soll wohl doch weggewischt werden. „Das Gesamtprogramm soll attraktiver gestaltet werden“, Ziel sei es „die Botschaften“ besser zu präsentieren.

Wie es sich für einen „Arbeiter“ und „Diener der Bürger Europas“ gehört, war Van Rompuy natürlich auch am Samstag im Einsatz. Man habe in die Konferenz für Frieden und Sicherheit zentralafrikanischer Staaten im Pariser Elysee hineintelefoniert und dort Van Rompuy die Nachricht vom Karlspreis 2014 übermitteln können, berichtete Philipp. Van Rompuy sei „bass erstaunt“ gewesen und habe sich sehr gefreut. Linden gegenüber soll er am Telefon erklärt haben, dass er das noch erleben darf, sei „fast nicht fassbar“.

Vorgesehen ist wie üblich, dass Van Rompuy mindestens schon am Vortag der Preisverleihung – also einen Tag vor Christi Himmelfahrt – in Aachen anreist. Anders als bei Vorjahrespreisträgerin Dalia Grybauskaite wird diesmal wohl auch wieder Familie dabei sein: Herman Van Rompuy ist verheiratet und hat vier Kinder.

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