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Karlspreis-Direktorium: Akten bleiben vorerst noch zu

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Das Karlspreis-Direktorium lässt sich weiter Zeit mit einer Entscheidung, ältere Akten und Sitzungsprotokolle der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

In der jüngsten Sitzung am Donnerstag habe sich das Direktorium „sehr intensiv” mit dem hauseigenen Archiv befasst, teilt Direktoriumssprecher Jürgen Linden auf Anfrage mit. Dabei habe man vor allem den vorhandenen Aktenbestand gesichtet und festgestellt, dass es noch große Lücken gibt.

In einem ersten Schritt wolle man sich daher zunächst bemühen, das Material zu vervollständigen. Vor allem aus den Anfangstagen des 1949 begründeten und 1950 erstmals verliehenen Karlspreises fehlten vielfach Unterlagen. In den Archiven der Stadt und den Nachlässen früherer Direktoriumsmitglieder hoffe man auf der Suche nach fehlenden Unterlagen fündig zu werden. Ob die Akten anschließend für die Öffentlichkeit freigegeben werden, soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden, so Linden.

Eine Freigabe der Akten und Protokolle, die älter als 30 Jahre sind, hat zuletzt die frühere Bürgermeisterin und FDP-Ratsfrau Meike Thüllen per Bürgerantrag angeregt. Das Bürgerforum der Stadt hat ihr Anliegen Anfang März mit einem einstimmigen Beschluss gestützt. Auch Linden hat sich bereits grundsätzlich aufgeschlossen geäußert und eine „zeitnahe Entscheidung” angekündigt.

Erstmals hatte er sich bereits vor gut zehn Jahren für eine Öffnung des Karlspreis-Archivs ausgesprochen, doch offenbar gibt es in Teilen des Direktoriums Bedenken und Widerstand gegen solche Pläne. Dies, obwohl Unterlagen aus der jüngeren Vergangenheit ausdrücklich unter Verschluss bleiben sollen - teils, weil man mögliche politische Verwicklungen vermeiden möchte, teils weil abgelehnte Kandidaten, die häufig noch in der Öffentlichkeit stehen, nicht beschädigt werden sollen.

Wissenschaftliches Interesse

Vor allem Historiker haben Interesse an einem Einblick und an einer Aufarbeitung der Akten geäußert. Unter anderem wolle man die Debatten auswerten, in denen man sich auf Preisträger verständigt und andere Kandidaten abgelehnt habe. Mit ihren Entscheidungen habe das jeweilige Karlspreis-Direktorium europapolitische Entwicklungen gewissermaßen kommentiert, erklärte kürzlich der RWTH-Historiker Matthias Pape.

Erster Preisträger in der Geschichte des Karlspreises war 1950 der Historiker und Gründer der Paneuropa-Bewegung Richard Nikolaus Graf Coudenhove-Kalergi. In den folgenden 60 Jahren wurden in aller Regel Politiker und Staatsmänner ausgezeichnet. Darunter auch Henry Kissinger, der bis heute zu den umstrittensten Preisträgern gehört. Nicht dabei hingegen Willy Brandt oder Michail Gorbatschow, die ihn zweifellos verdient gehabt hätten. Warum wie entschieden wurde, ist noch geheime Verschlusssache.
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