Karlsjahr: Die ganze Stadt soll zur Bühne werden

Von: Martina Feldhaus
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Karls ist 2014 (fast) überall: Atelierhaus, Foto: Michael Jaspers
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... Aula Carolina, Foto: Andreas Herrmann
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... Hof Foto: Harald Krömer
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... und Ludwig-Forum sind nur einige Orte, die von Stadt und freien Kulturschaffenden bespielt werden. Foto: Harald Krömer

Aachen. Spätestens am Dienstag lässt sich nicht mehr drumherumreden: Das Karlsjahr 2014 hat tatsächlich begonnen. Dann vor 1200 Jahren, also am 28. Januar 814, soll Karl der Große gestorben sein.

Auf seine Spuren begeben sich im Laufe des Tages – nach dem festlichen Auftakt mit Pontifikalamt im Aachener Dom – zahlreiche Vorträge und Führungen in Rathaus, Haus Löwenstein und Domsingschule. Am vergangenen Wochenende strömten die Öcher bereits zu Tausenden zum Karlsfest – Besucherrekord vermeldete das OB-Büro fröhlich.

Marcel Philipp hofft, dass sich dieser gelungene Auftakt schwungvoll fortsetzen lässt. Am besten natürlich das ganze (Karls-)Jahr lang. Damit das klappt, karlt es kräftig in den nächsten Monaten. Bis zur und auch während der großen Ausstellungstrias „Macht, Kunst, Schätze“ ab Ende Juni haben Stadt und freie Kulturträger bis jetzt schon über 100 Veranstaltungen rund um den berühmten Frankenherrscher mit dem Aachen-Faible auf die Beine gestellt. Das verkündete Philipp am Montag stolz beim Pressetermin im Ratssaal.

Spektrum wird ausgeschöpft

Dort stellte er gemeinsam mit Irit Tirtey und Rick Takvorian vom Kulturbetrieb sowie Lufo-Direktorin Brigitte Franzen das entsprechend umfangreiche Begleitprogramm für 2014 vor. „Wir wollen die Chance des Karlsjahrs nutzen und haben ein wirklich breites Angebot“, sagte der OB. Das ist kaum von der Hand zu weisen. Ob Lesungen, Konzerte, Tanz, Vorträge, Aktionskunst oder Graffiti – das Spektrum wird mächtig ausgeschöpft, um sich Karl anzunähern.

Eine große Säule bildet das Projekt „Erinnerung an die Zukunft – die Generation Charlemagne“. Klingt widersprüchlich? „Das Wortspiel ist beabsichtigt“, erklärt Veranstaltungsmanager Takvorian. „Denn wer sich mit der Vergangenheit – in unserem Fall Karl und seinem Mythos und Nachlass – beschäftigt, der muss auch einen Blick in die Zukunft werfen.“ Und so zielen städtische Akteure und freie Kulturschaffende mit dem Projekt vor allem auf junge Leute ab. Was können die überhaupt mit Karl dem Großen anfangen? Welche Bedeutung hat diese Ikone für sie? Antworten, oder zumindest Antwortversuche, will der Fotograf Horst Wackerbarth mit seiner roten Couch geben. Bereits 2011 hatte er in der Aula Carolina Aachener mit karlähnlichem Namen fotografiert.

Im Sommer kehrt er zurück – produziert auf der Couch Fotos und Videos von Jugendlichen aus der Region, die über Herkunft, Europa, Macht und Gott sprechen. Diese „soziale Plasik“ entsteht – typisch Wackerbarth – im öffentlichen Raum, die Bilder werden später sogar auf Gebäude projiziert.

Junge Kunst liefert auch Aachens bekanntester Graffiti-Sprayer Lars Kesseler alias Lake13, er wird Aachens Stadtbild mit Wandkunst zum Karlsjahr schmücken, auf entsprechend freigegebenen Flächen. An Schüler richtet sich auch die „Fotojagd“ zum Thema Karl, eine regional besetzte Jury wählt die besten Bilder aus, auch eine Ausstellung soll es geben. Weitere Projektteile sind in Mache oder haben – wie die „Ecco Homo“-Schau im Atelierhaus – bereits begonnen.

Macht aus der Kinder-Perspektive

Wichtige Leitziele bei sämtlichen Aktionen: Die Aachener, besonders die jungen, sollen mit einbezogen werden, die ganze Stadt soll zur Bühne werden. Das hat sich auch Brigitte Franzen vom Ludwig-Forum dick auf die Fahnen geschrieben. Und einen eingeladen, der bekannt ist für seine Interaktion mit dem Publikum und der sich gerne kritisch mit Politik und Gesellschaft auseinandersetzt: der polnische Künstler Pawel Althamer. Mit der befreundeten Warschauer Künstlergruppe „Reactor“ wird er aus Lufo, Elisabethkirche und Straßenraum ein regelrechtes „Kinderkönigreich“ machen: Dort wollen sie Karlsthemen wie Macht, Herrschaft, Freiheit und Demokratie aus der Kinder-Perspektive beleuchten – und zwar gemeinsam mit (Schul-)kindern und Jugendlichen selbst.

Eine ganze Reihe an Workshops wie eine offene Kunst-Werkstatt sind geplant. Bei einem Zeichner-Kongress dürfen sogar Wände und Böden im Lufo bemalt werden. Höhepunkt ist eine Parade in Phantasieuniformen mitten über die Jülicher Straße. Es gehe darum, Freiheit zu erproben, so Franzen. Mitmachen dürfen natürlich auch Erwachsene. Wenn sie sich trauen, mal wieder Kind zu sein.

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