Karlsgraben: Barbarossamauer sichtbar in der Tiefgarage

Von: Heiner Hautermans
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Richtfest im Innenhof: 18 Mill
Richtfest im Innenhof: 18 Millionen Euro werden in der Innenstadt in vier Gebäudekomplexe investiert. Zwei liegen zum Karlsgraben hin, die beiden anderen im ruhigeren Bereich dahinter. Foto: Harald Krömer

Aachen. Bis zum Dom sind es sieben Minuten zu Fuß, bis zum Hauptgebäude der RWTH ebenfalls, ein ziemlich idealer Standort also zur Eroberung der Innenstadt.

Kein Wunder, dass von den 42 Wohnungen, die in den vier neuen Häusern am Karlsgraben zum Verkauf stehen, 40 bereits an den Mann oder die Frau gebracht worden sind. Projektleiterin Silvia Willems: „Die Nachfrage ist groß. Viele Leute wollen wieder in die Stadt ziehen.” Am Freitag wurde auf dem Gelände der ehemaligen Nadelfabrik Beissel im Häuserblock zwischen Karlsgraben, Jakobstraße und Johanniterstraße Richtfest gefeiert.

Errichtet wird die Anlage von der Nesseler-Grünzig-Gruppe, die das Projekt „graben 12” getauft hat. Die Rohbauten von drei der insgesamt vier Mehrfamilienhäuser und der Tiefgarage sind bereits fertiggestellt, der Innenausbau und die Fassadenarbeiten haben begonnen. 3555 Quadratmeter ist das Grundstück groß, mehr als 20 Jahre klaffte dort eine hässliche Baulücke, das Gelände lag weitgehend brach.

Dort entstehen insgesamt 60 Wohnungen mit einer Gesamtfläche von 5000 Quadratmetern und eine Geschäftsfläche, die 500 Quadratmeter groß ist. In die einziehen wird der Darmstädter Bio-Lebensmittelhändler Alnatura, den Hubertus Nesseler, Geschäftsführer der Firma „Nesseler Projekt Idee”, stolz als eine Bereicherung für Aachen bezeichnete. Das breite Angebot des Biosupermarktes wird neben frischem Obst und Gemüse auch Backwaren, Molkereiprodukte, Feinkost, Weine sowie Naturkosmetik und ein Sortiment für Babys und Kinder umfassen.

Gekauft hatte die Gruppe das Gelände Ende 2010, überzeugt von der Idee urbanen Wohnens. Im Mai letzten Jahres begannen archäologische Vorarbeiten, die Teile der Barbarossamauer zu Tage förderten. Die mittelalterliche Stadtbefestigung aus dem Jahr 1172, die die damaligen Bewohner vor den unerwünschten Eindringlingen schützte, ist sichtbar in die Tiefgarage einbezogen worden, ein markantes Band mit einem Schriftzug weist auf die Barbarossamauer hin. Platz ist im Untergeschoss für 54 Pkw-Stellplätze und 60 Fahrradboxen, für jeden Haushalt eine. Begründung: Auch das Fahrrad gehört inzwischen zum Aachener Stadtleben.

Mit Beifall bedacht

Die Tiefgarage verbindet überdies die vier Häuser unterirdisch. Eigentlicher Baubeginn war im Oktober 2011, die Nesseler-Grünzig-Gruppe fungiert nicht nur als Generalübernehmer, sie errichtet auch den Rohbau mit eigenen Mitarbeitern und erbringt einen Teil der Haustechnikplanung. 18 Wohnungen in Haus 2 werden von dem Unternehmen vermietet, die anderen sind über eine Immobilienfirma verkauft worden.

Groß war die Zahl der Kunden, Mitarbeiter und Geschäftspartner, denen Hubertus Nesseler beim Richtfest dankte, etwa dem Architekten Reinhard Gerlach von pbs Architekten. Dieser habe sein Unternehmen auf die Brache aufmerksam gemacht und das Projekt auf den Weg gebracht. Er habe rundum stimmige Gebäudekomplexe an sensibler Stelle geschaffen, deren Gestaltung vom städtischen Architektenbeirat mit großem Beifall bedacht worden sei, sagte Nesseler weiter.

Er dankte auch den Nachbarn, die die Arbeiten - bei gutem Wetter auch an Samstagen - mit großer Geduld ertragen hätten und bedachte auch die vielen städtischen Ämter, die das Projekt sorgfältig und zügig begleitet hatten, mit lobenden Worten. Nesseler: „Ideen auf dem Papier sind schön, aber ohne diese schnelle und gute handwerkliche Arbeit auf der Baustelle ist alles nichts.” Bevor Polier Ewald Dohmen nach dem traditionellen Richtspruch sein Glas zerschellen ließ, sprach Hubertus Nesseler seine Hoffnung aus, dass es bis zur Fertigstellung keinen Unfall auf der Baustelle geben werde.

Die ersten Wohnungen sollen zum Jahreswechsel bezogen werden. Hinter den Ziegelfassaden mit großen Fensterflächen befinden sich Wohnungen in einer Größe von 30 Quadratmetern etwa für Studierende oder Dozenten, viele Zwei- und Drei-Zimmer Appartements in einer Größenordnung von 70 bis 80 Quadratmetern für kinderlose Ehepaare bis hin zu den exklusiven Penthäusern mit Flächen bis zu 190 Quadratmetern und Blick über die Dächer auf Dom und Rathaus. Viele Wohnungen verfügen über Balkone, im Innenhof befinden sich neben Grünflächen auch ein Spielplatz. Bänder, die im Innenbereich den Boden gestalten, symbolisieren ebenfalls die mittelalterliche Stadtbefestigung.

Eingang am Karlsgraben

Preislich höher als die Häuser am vielbefahrenen Karlsgraben liegen die beiden Häuser im Hof, deren Dächer begrünt sind. Die Eingänge und die Zufahrt zur Tiefgarage befinden sich am Karlsgraben. Insgesamt investiert werden rund 18 Millionen Euro, im Juni nächsten Jahres soll die endgültige Fertigstellung erfolgen.
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