Aachen - Karlsausstellungen weisen manche Schwächen auf

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Karlsausstellungen weisen manche Schwächen auf

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Typische Hock-Haltung von Besuchern im Rathaus und Centre Charlemagne: Wer sich bilden will, muss leiden. Viele Erklärungen sind so niedrig angebracht, dass besonders ältere Menschen Mühe mit der Lektüre haben.

Aachen. Die wichtigsten Anforderungen hat die dreiteilige Großausstellung zum Karlsjahr „Macht, Kunst, Schätze“ längst erfüllt: Die überregionale Beachtung ist groß, die Kritiker geizten bei der Eröffnung nicht mit Lob, und das Publikum wartet Tag für Tag in langen Schlangen geduldig auf Einlass.

Es gibt herbe Kritik, die sich weniger gegen das Gezeigte, wohl aber gegen die Art der Präsentation richtet. Die „Nachrichten“ wollten es genauer wissen und entsandten Gerald Eimer, Martina Feldhaus und Heiner Hautermans zum Praxistest in die drei Ausstellungsorte Krönungssaal, Centre Charlemagne und Domschatzkammer. Hier sind ihre Eindrücke:

Krönungssaal

Im Eingangsbereich zum Krönungssaal geht‘s spielerisch zu: 3-D-Karlsschrein, Bildschirme, Touchscreen – die Ausstellungsmacher haben in die Vollen gegriffen und zeigen sich technisch auf der Höhe. Das wirkt modern, bezieht die Besucher ein und überdeckt manch inhaltliche Schwäche. Immerhin: Am Testtag funktionierten alle Gerätschaften einwandfrei, nur vereinzelt blieben Strahler dunkel.

Ohne Audioguide und Führung fällt die Orientierung schwer: Es bleibt dem Besucher überlassen, welchen Weg er durch die Ausstellung einschlägt. Ein logischer und schlüssiger Aufbau erschließt sich zunächst nicht. Die Beleuchtung ist diffus, was das Lesen der teils arg kleinbeschriebenen Erklärschildchen erschwert. Die meisten sind ausschließlich Deutsch betextet, es gibt wenige englischsprachige und gar keine französischsprachigen Erklärungen. Dass einige Schildchen gar auf Fußknöchelhöhe angebracht sind, kann nur als Schildbürgerstreich gewertet werden. Oft blenden auch Scheinwerfer und machen das Lesen ganz unmöglich. Verständlich, dass es böse Kommentare zur Beschriftung der Exponate gibt.

Vor allem ältere Leute beschweren sich zudem über fehlende Sitzgelegenheiten. Und tatsächlich: Verschnaufpausen sind im Gedrängel und eng bepackten Krönungssaal eher nicht vorgesehen. Auf den wenigen Hockern einer Fernsehecke ist für bestenfalls 15 Personen Platz.

Klagen über unfreundliches Personal sind in den Gästebüchern ebenfalls nachzulesen. Und wie es der Zufall will: Auch wir machen Bekanntschaft mit etwas robust auftretenden Bediensteten. Eine bessere Schulung hätte hilfreich sein können.

Centre Charlemagne

Im Centre Charlemagne gestaltet sich der Empfang deutlich freundlicher. Allerdings: Weitere Hinweise, wo es hineingeht, kommen nur auf Nachfrage. Sicherlich hätten wir gerne den Einführungsfilm zur Schau im Vortragsraum angesehen. Leider bemerken viele Besucher den erst, wenn sie die Ausstellung schon wieder verlassen.

Der – beschilderte – Ausstellungsrundgang beginnt in der oberen Etage der Wechselschau. Die Exponate, kostbare Handschriften, sind optisch ansprechend in hohen Glasvitrinen aufgebahrt. Das Problem: Wie im Krönungssaal gibt es wenig Licht. Das führt dazu, dass die Beschriftungen, die meist auf Hüfthöhe angebracht sind, nur schwer zu lesen sind. „Man müsste ein Zwerg sein“, scherzt eine ältere Besucherin.

Hinzu kommt: Die Nummern für den Audioguide sind schwarz auf anthrazitfarbenem Grund – Eine Herausforderung für jedes Auge. Hier und da wurde mit besser lesbaren Aufklebern nachgebessert. Ohne Audioguide bleibt zumindest für Laien schwer verständlich, was die einzelnen Exponate darstellen. Die Erklärungen sind knapp und – bis auf die englischen Titel – lediglich auf Deutsch.

Wie im Krönungssaal sind auch im Centre Charlemagne Sitzmöglichkeiten Mangelware. Wenn es voll wird, müssen die Besucher mitunter recht lang warten, um einen Blick auf die Handschriften zu erhaschen. Ältere tun sich damit schwer, angesichts der wenigen Hocker, die allesamt die Höhe eines Kinderstuhls haben.

Von der ersten Etage geht es runter ins Erdgeschoss, wo Elfenbeinschnitzereien und Goldschmiedearbeiten zu sehen sind. Ein kleines Schild weist den Weg. Von dort aus gelangt man in die Dauerausstellung des Centre Charlemagne, wo die Geschichte Karls und der Stadt Aachen von der Entdeckung der Quellen bis zum Karlspreis grob nacherzählt wird.

Dort wird dem Besucher viel geboten. Klassische Gemälde, Skulpturen und Exponate wechseln sich ab mit Multimedia-Stationen und einer Filmecke, höhenverstellbaren Touchscreens zu Themen, die in vier Sprachen erklärt werden, und digitalen Lupen, mit denen sich Fotos vergrößern lassen. Das macht Spaß und informiert zugleich. Leider sind bereits einige technische Zugaben defekt – etwa Hör- oder Geräuschproben oder auch eine Vitrine, die nicht wie gedacht von milchig zu klar changiert, wenn man auf sie zu tritt. Das sollte repariert werden.

Domschatzkammer

Wie man es richtig macht, zeigt die Domschatzkammer, die ja auch über die meiste Erfahrung in der Präsentation von Ausstellungen verfügt. Sie gilt ohnehin schon als eine der bedeutendsten Sammlungen kirchlicher Kulturschätze in der Welt mit den bekannten Hauptstücken wie Lotharkreuz oder Karlsbüste, die um verloren gegangene Exponate wie ein Reliquiar aus dem Jahr 1000 ergänzt worden ist. Die kostbaren Ausstellungsstücke werden durch die nagelneue LED-Beleuchtung angenehm in Szene gesetzt, die Erklärungen sind auch in Normalhaltung gut lesbar.

Verschiedene Themenbereiche wie Karl der Große, Liturgie oder die Wallfahrtskirche und ihr Reliquienschatz werden auf übersichtlichen Tafeln anschaulich dargestellt, die Aufteilung und Führung erweist sich als stimmig. Alle Erklärungen sind dreisprachig, der Service ist sogar so freundlich, die Eintrittskarten nicht zu entwerten. Sitzhocker sind vorhanden und werden stark genutzt. Der Treppenlift für Behinderte ist allerdings bei der Stippvisite defekt. Er ist inzwischen repariert.

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