Aachen - Karlemännchen sind sehr gut angekommen

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Karlemännchen sind sehr gut angekommen

Von: Werner Breuer
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Schöner Anblick auch von oben und erfolgreiche Aktion: Die Karlemännchen auf dem Katschhof werden am Montag wieder abgebaut. Foto: Aachener Luftbildservice
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Jutta Bacher, Marketing-Chefin der Stadt Aachen, freut sich über die gelungene Aktion. Foto: Krömer

Aachen. „Es hat funktioniert.“ Zufrieden lässt Jutta Bacher von der Treppe hinter dem Rathaus den Blick über den Katschhof schweifen. 495 kleine Karls stehen dort, und ungewohnt viele Besucher fotografieren, posieren und diskutieren. Genau so hatte sich die städtische Marketing-Chefin das vorgestellt.

Und noch etwas mehr hatte sie im Sinn, als sie seinerzeit die Installation „Mein Karl“ des Künstlers Ottmar Hörl in die Wege leitete. „Es sollte ein öffentliches Event sein, das für jeden zugänglich ist“, sagt Jutta Bacher, „ich wollte auch überregionale Aufmerksamkeit erreichen, und ich wollte die Aachener einbeziehen.“ Und all das auch noch zum Nulltarif: „Es sollte kein Geld kosten.“

Hat es letztlich auch nicht, wenn man mal von Telefonkosten für die Ferngespräche mit Ottmar Hörl absieht. Den hatte Jutta Bacher angerufen, weil sie von seinen Installationen andernorts – etwa mit Luther-Figuren in Wittenberg – angetan war. Doch das nun zu Ende gehende Aachener Projekt unterschied sich in vielen Punkten von vorangegangenen Aktionen. Der wohl wichtigste betrifft eben die Finanzierung, die bei anderen Hörl-Installationen vorwiegend von Sponsoren gestemmt worden sei, erklärt Bacher. In Aachen hingegen gab es „die Idee mit den Patenschaften“.

Und die fiel bei den Öchern auf fruchtbaren Boden. Flott hatten sich 500 Paten gefunden, die 375 Euro für einen nummerierten und signierten Karl hinblätterten und so die Installation ermöglichten. „Anders hätten wir es nicht gemacht“, betont Bacher. Und so sei Aachen die einzige Kommune, in der die Bürgerschaft dem Künstler seine Installation komplett abgekauft habe. „Das hat es sonst noch nirgendwo gegeben.“ Tatsächlich werden in der kommenden Woche sogar 700 Paten ihre Figuren in Empfang nehmen können, weil die limitierte Auflage wegen des großen Interesses um 200 Exemplare erweitert wurde.

Auf den Katschhof hätten die aber nicht mehr gepasst, etwas Platz für die Besucher der Installation sollte schließlich noch übrig bleiben. Und auch wegen der Flucht- und Rettungswege durfte nicht der komplette Katschhof zugekarlt werden. Es sieht also ganz danach aus, als hätte die Marketing-Chefin zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Ein großes Event für lau organisiert und damit viele Aachener ins Karlsjahr mitgenommen.

Doch nicht alle waren begeistern von den Kunststoff-Kaisern. Kritische Stimmen sprachen von Kitsch und Kommerz, andere beanstandeten, dass der große Karl zum kleinen Zwerg geschrumpft sei. Jutta Bacher sieht das gelassen: „Karl wird nicht hochstilisiert, sondern als historische Figur zur Diskussion gestellt.“ Eine Überhöhung sei nicht das Ziel gewesen, eher eine Debatte über „die Art und Weise, wie die Kunst sich mit der Geschichte auseinandersetzen kann“. Und die vielen kleinen Karlemännchen auf dem Katschhof passen da ganz gut in ihre Sicht: Aachen sei einerseits eine historische und andererseits eine moderne Stadt, „Das spiegelt sich in den Figuren wider“, sagt Bacher, „das sind nicht Abbilder, sondern zeitgemäße Interpretationen.“

Die haben es vielleicht nicht unbedingt geschafft, dass gleich die Völker der Welt auf diese Stadt geschaut haben. Aber immerhin tauchte Aachen ihretwegen auch international in den Schlagzeilen auf. „ABC News, New York Daily“, zählt Bacher auf, in der New York Post hätten es die kleinen Karle gar zum Foto des Tages gebracht. Selbst einer argentinischen Zeitung war das Geschehen auf dem Aachener Katschhof einen Bericht wert. Und weil auch die Nachrichtenagenturen die Kunde davon überall verbreiteten, geht Bacher davon aus, dass „Mein Karl“ im ganzen Land bekannt wurde.

Ob damit viele Gäste in die Stadt gelockt wurden, wird sich so genau kaum ermitteln lassen. Touristen geben bei einer Hotelbuchung schließlich nicht an, ob sie eigens wegen der Installation angereist sind. Die kam bei den Besuchern größtenteils gut an, meint Jutta Bacher. Es habe schon zur Eröffnung „viele positive Kommentare“ gegeben. Und viele hätten sich über das bunte Treiben auf dem sonst eher stillen Katschhof gefreut.

Für die gute Resonanz spreche auch die Vielzahl der Bilder, die nun in sozialen Netzwerken wie Facebook herumgereicht würden. Denn fotografiert wurde reichlich: Karl in Rot und Gold, Kind vor Karl, Vater-Mutter-Karl-Kind und ähnliche Motive würden letztlich noch über das Karlsjahr hinaus erhalten bleiben.

Vielleicht wirkt manches noch nach, wenn Karls 1250. Todestag begangen wird. Jutta Bacher berichtet von vielen Hochzeitspaaren, die sich vor der Installation ablichten ließen. Wenn die in 50 Jahren goldene Hochzeit feiern, kramen sie bestimmt ihr altes Foto hervor.

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