Karl Schultheis will OB werden: „Für einen Öcher klar das Höchste”

Von: Alfred Stoffels
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Zwischen Hopfen und wildem Wein lässt es sich aushalten: Karl Schultheis, OB-Kandidat der SPD, im Garten hinter seinem Haus in Richterich. Viel Zeit zur Erholung gibt es aber nicht, der Wahlkampf läuft auf Hochtouren. Foto: Harald Krömer

Aachen. Voller Sympathie mustert der Hausherr Oliver Kahn, kurz Olli genannt, der gerade um die Ecke kommt, und dann sagt OB-Kandidat Karl Schultheis, seinem 22-jährigen Kater mindestens ebenso viel Weisheit zutrauend: „Ich werde garantiert nicht mit dem Fallschirm vom Hochhaus springen.”

Nein, solche und ähnliche Kunststücke will der 56-jährige Sozialdemokrat nicht aus dem Hut zaubern, um das Publikum zu beeindrucken - obwohl er genau weiß: Des Wählers Gunst hängt bisweilen von eher sachfremden Erwägungen ab. Aber in der Beziehung ist Schultheis ziemlich altmodisch: Überzeugen will er die Aachener nicht mit irgendwelchem Schnickschnack, sondern mit klaren Ansagen, guten Ideen und dem Hinweis auf große politische Erfahrung.

Er weiß selbst am besten, dass der SPD derzeit der Wind ins Gesicht bläst, dass vermeintliche Dienstwagenaffären für zusätzliche Unruhe sorgen, dass der an Jahren jüngere Konkurrent von der CDU als Favorit gehandelt wird. Aber Schultheis - Parteivorsitzender, Landtagsabgeordneter, Ratsherr, AWO-Chef - ist Profi genug, um sagen zu können: Am Ende gewinnt oft doch das bessere Argument, setzt sich einfach die Qualität durch. Seine feste Überzeugung: „Es ist eine Persönlichkeitswahl, und ich werde die eigenen Kräfte mobilisieren” - nach dem Motto: An den Querschüssen aus welcher Richtung auch immer kann ich eh nichts ändern.

Unglaublich motiviert

Am bisherigen Verlauf des Wahlkampfs hat er nichts zu bekritteln, im Gegenteil. Die ehrenamtlichen Helfer seien unglaublich motiviert, viel Zuspruch gebe es aus der Bevölkerung, „im Straßenbild sind die anderen mit ihren Plakaten sicherlich präsenter, aber unsere Leute sind viel mehr unterwegs”.

Was ihn bekümmert, ist etwas anderes: Dass immer mehr Menschen nur noch Zuschauer sind, die ganze (Kommunal-)Politik ausschließlich als Unterhaltung betrachten, sich nirgendwo einbringen. „Demokratie aber ist der geregelte Konflikt, aus dem sich leider zu viele raushalten.”

Das hat Schultheis nie so gehalten, dafür war die ganze Familie viel zu sehr engagiert in Arbeiterwohlfahrt, Gewerkschaft und SPD. Der junge Karl, aufgewachsen in der Kockerellstraße und im Pontviertel, trat schon als 16-Jähriger der SPD bei - Willy Brandts „Mehr Demokratie wagen” und dessen Friedenspolitik begeisterten auch den Schüler aus Aachen -, doch dann geriet die Parteilaufbahn etwas ins Stocken: Familie Schultheis wanderte aus mit Sack und Pack.

Fünf Wochen fuhr das Schiff nach Neuseeland, doch schon im Ärmelkanal bekam die Mutter vor lauter Heimweh „et ärm Dier”. Der Aufenthalt am anderen Ende der Welt war denn auch nach einem Jahr wieder beendet - der Sohn fand den Ausflug okay: „Mit 17 kriegt man sonst ja nicht so viel geboten”.

Studium, Ausbildung zum Gymnasiallehrer. Erste Wahl in den Landtag, später Mitarbeiter im Ministerium für Wissenschaft und Forschung, parallel dazu der Marsch durch die SPD-Institutionen - Schultheis ist das, was man neudeutsch „vernetzt” nennt. Präsent in den Gremien, vertraut mit den Programmen, zumindest am Handy immer dabei. Da kommt man schnell in den Verdacht, als Funktionär durchs Leben zu schreiten.

Von Mentalität und Anspruch her ist Schultheis alles andere als das. Kultur ist im Grunde sein Ding, wenn er in die Kneipe geht, hat er mit Vorliebe etwas Jazz im Ohr, er wandert mit Wonne, und alles, was mit Geschichte zu tun hat, stößt bei ihm auf großes Interesse. Auch singt und tanzt er gerne, besonders mit seiner Frau Anne Neumann-Schultheis, mit der er den jetzt 28-jährigen Sohn erzogen hat. Gewohnt wird im Mehrgenerationenhaus in Richterich, gemeinsam mit der Mutter und den Familien der Schwestern.

Entspannt wird im bunten, wilden Garten, wo auch Hopfen und Wein wachsen. In solcher Umgebung gedeihen aber auch Konzepte und Vorstellungen, die man als neuer OB zumindest anschieben könnte.
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