Kappesball: Auch ohne Schunkelei ein großer Spaß

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
7212029.jpg
Nackte Anspielung auf alte Strunx-Zeiten: Einst zog dort Clown Globo blank, diesmal verdecken Kappesblätter das Nötigste bei Meikel Freialdenhoven. Pikiert daneben: Michael Dannhauer und Thorsten Neumann. Fotos (2): Andreas Herrmann Foto: Andreas Herrmann
7212034.jpg
Tänzerische Höchstleistung: Christian Klömpken und Andreas Wiegels. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die kaum für möglich gehaltene Überraschung des Jahres ist gelungen. Mit einer furiosen Show ist am Wochenende der jüngste Spross im Aachener Karneval, der Kappesball, in die Session gestartet. Und selbst der größte Karnevals-Skeptiker musste nach einem knapp dreistündigen Programm eine beglückte Feststellung machen.

Die Idee vom alternativen Karneval lebt nicht nur, sie treibt hier auch die schönsten Blüten.

Okay, es ist nur ein Kohlkopf, Kappes halt. Aber was für ein Prachtexemplar. In der legendären „Kappertzhölle“ ziert er die Bühne für ein 14-köpfiges Ensemble, das vor Ideen, Spielfreude und Können nur so strotzt. Und dem Karneval gewinnt die bunte Truppe tatsächlich völlig neue Seiten ab – vielleicht mehr noch, als es den Strunxlern je gelungen ist, die an gleicher Stelle 22 Jahre lang den etwas anderen Karneval feierten: Keine derben Zoten, keine Schenkelkracher, keine Schunkellieder und natürlich kein Prinz und kein Hofstaat. Dafür eine überaus flotte Abfolge jederzeit überraschender und witziger Nummern, tolle Parodien und viel Öcher Lokalkolorit.

Kamille, Kamille

Vom alten Strunx-Stamm sind beim Kappesball nur zwei übrig geblieben: Meikel Freialdenhoven und Kurt Radermacher. Alle anderen sind zwar neu hinzugestoßen, haben in der Aachener Kleinkunstszene aber durchaus große Namen. Allen voran Christian Klömpken und Andreas Wiegels vom Wallstreet-Theatre. Mit pomadiger und hornbebrillter Comedy-Artistik wollen sie – very british – im Öcher Karneval mitmischen und endlich auch mal Kamelle werfen. Dass sie da was missverstanden haben und Kamille-Teebeutel im Publikum landen, nimmt ihnen hier keiner übel.

Michael Dannhauer und Thorsten Neumann (Duo Hoppla) verdanken wir nicht nur tiefere Einblicke in Stadtmarketing und Karlsjahr („Der ganze Karl muss raus“), sie erklären uns endlich auch verständlich, was Ze-Ha-I-O eigentlich heißt: Zig Horses in Oche.

Und dann sind da noch Necip Tokoglu und Elizaveta Kostuyk. Klingen exotisch, sind urkomisch und muss man erlebt haben. Wir erfahren mehr über das Seelenleben Aachener Ordnungskräfte, junger Türkinnen und schöner Russinnen. Letztere etwa kommen nach Aachen, wollen mal schön shoppen und wundern sich dann, dass es an der Kaiserplatz-Allergie aussieht wie nach dem Krieg.

Musikalisch eingerahmt wird das Ganze von den „6 Shops“, die ihren Schlagzeuger im Einkaufswagen über die Bühne schieben und einen ewig rumnörgelnden Bandleader ertragen müssen. Zuweilen wollen sie etwas zu penetrant das Publikum zum Mitmachen animieren. Aber spätestens mit den „4 Amigas“ rocken sie zum Finale den Saal und haben mit dem „Klenkes-Rap“ offenbar auch den neuen Kulthit der Alternativ-Karnevalisten geschaffen. Die wollen schließlich im Grunde auch nichts anderes als die Narren im Euro­gress: einfachste Textzeilen in einer Endlosschleife mitgrölen.

„Mega aufgeregt“ seien sie anfangs alle gewesen, sagt Kappesball-Mitorganisator Peter Kappertz, in dessen Saal das Spektakel in diesem Jahr an vier Abenden über die Bühne geht. Die Frage, ob es eine Nachfolge für Strunx geben kann, habe ihn nächtelang nicht schlafen lassen. Nach der nicht ganz ausverkauften Premiere müsste er seine Ruhe eigentlich wiederfinden. „Wir haben eine phantastische Crew und wieder eine echte Alternative“, meinte er erschöpft aber glücklich.

2015 schon im Blick

Recht hat er: Auf diesem Niveau hat der Kappesball alle Chancen, zur neuen Kultsitzung in Aachen zu werden. Folgerichtig liegen bei Kappertz bereits Karten aus, auf denen Vorbestellungen für die Session 2015 angemeldet werden können.

Allerdings sollen auch für die nächsten beiden Aufführungen am Freitag und Samstag, 28. Februar und 1. März, noch wenige Restkarten (25 Euro) erhältlich sein. Nachfragen im Mediastore, Großkölnstraße 56, beim Zeitungsverlag, Dresdener Straße 3, oder direkt vor Ort im Saalbau Rothe Erde, Hüttenstraße, lohnt sich.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert