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Kanzel blickt auf ein Jahrtausend

Von: Georg Dünnwald
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Domherr August Peters zeigt dem Betrachter die kostbare Heinrichskanzel, die zwischen 1014 und 1024 von dem letzten Ottonen-Kaiser Heinrich II. dem Aachener Dom geschenkt wurde. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Vor genau 1000 Jahren ist mit Heinrich II. der letzte Ottone von Papst Benedikt VIII. zum Römischen Kaiser gekrönt worden. Das war der Höhepunkt der Karriere des am 6. Mai 973 geborenen Pragmatikers und Realpolitikers. Heinrich II. ist der Stifter der wertvollen Heinrichs­kanzel, die im Aachener Dom zu finden ist.

„Wir haben jetzt das Karlsjahr, aber wir sollten nicht vergessen, dass auch folgende Könige und Kaiser sich um den Dom und dessen ständige Erweiterung gekümmert haben“, sagt der emeritierte Domkapitular August Peters, der ein ausgezeichneter Kenner des Aachener Münsters ist und als Koryphäe auf dem Gebiet der Heiligtumsfahrten, die alle sieben Jahre in Aachen und Kornelimünster stattfinden, gilt.

Der Domherr ist vor allem von der Heinrichskanzel angetan. „Sehen Sie sich die Reliefs aus Elfenbein an“, fordert er den Besucher auf. „Nahezu alle Kunstwerke sind aus der Mitgift von der Mutter Ottos III., seines Vorgängers im Amt des Kaisers, der Kaiserin Theophanu. Sie brachte all diese Kostbarkeiten, die an der Heinrichs­kanzel angebracht sind, aus ihrer griechischen Heimat mit“, erläutert Peters.

Da sind vergoldete Platten zu sehen, die mit Edelsteinen besetzt sind, und auch die Elfenbeinreliefs ziehen den Betrachter in ihren Bann. „Sehen sie“, fordert der Domkapitular auf, „da ist der völlig betrunkene Gott Bacchus, der griechische Gott des Weines, der sich splitternackt präsentiert.“ Andere Reliefs aus Elfenbein zeigen paddelnde Männer in einem Boot, das von Engeln getragen wird, ein Knabe hat auf einem anderen Relief seinen Vogel „zum Fressen“ gern.

„Das sind einige gewagte Themen und Bilder“, gibt der Kirchenmann zu. Aber im Mittelalter seien solche Bilder nicht unüblich gewesen. Kaiserin Theophanu war eine oströmische Prinzessin, die Otto II. aus politischen Gründen geheiratet hatte. Nach den allgemeinen Quellen wurde die ausgesprochen machtbewusste Frau nur 33 Jahre alt. Sie war im Mittelalter als einflussreiche Frau eher die Ausnahme. Ihr Sohn Otto III., der Vorgänger von Heinrich II., wurde nach seinem Tod gemäß seinem Testament im Jahr 1002 im Aachener Dom beigesetzt. Seine Grabstätte findet man heute in der 600 Jahre alten Chorhalle, dem Glashaus des Aachener Doms, an dessen Übergang zum Oktogon auch die Kanzel angebracht ist.

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